Nebenerwerb
Publiziert: 08.05.2016 / 07:00
Die Vielfalt zählt

Die Thurgauer Bäuerin Annemarie Vogel ist eine versierte Direktvermarkterin.

Dem Besucher fällt auf dem Betrieb der Familie Vogel  als Erstes die schöne Auslage mit Äpfeln mehrerer Sorten auf. Annemarie und Werner Vogel bewirtschaften in Hamisfeld bei Hefen-hofen TG einen mittleren Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhhaltung. Sie produzieren Beeren, Obst und Gemüse. «Wir haben zwar viele verschiedene Kulturen, aber wir pflanzen davon jeweils nur kleine Flächen an. Dies, weil wir, mit Ausnahme der Johannisbeeren und Himbeeren für den Detailhandel, alles ab Hof vermarkten», erklärt Annemarie Vogel.

Das Betriebsleiterpaar entschied sich vor zehn Jahren dazu, die Milchwirtschaft aufzugeben und auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Kleine Flächen mit Grünspargeln, Erdbeeren und Rhabarber 
eröffnen die Saison der arbeitsintensiven Sommermonate. Sie schliesst dann im Herbst mit der Ernte von Patisson, Tafel- und Mostobst. Der Süssmost ergänzt im Winter das Sortiment des 
Hofladens ideal. Mit dem Most 
beliefert die Familie zudem die Verteilzentralen des «Thurgauer Geschenkharass». Nebst  den 
eigenen Produkten verkauft die Bäuerin in ihrem Hofladen auch Produkte von benachbarten Betrieben.

Lehr- und Wanderjahre

Annemarie Vogel ist zufrieden, dass sie und ihr Mann sich für 
Betriebsstrukturen entschieden haben, die es erlauben, die Arbeit mehrheitlich ohne fremde Arbeitskräfte zu bewältigen. Lediglich für die Johannisbeeren, von welchen jeweils durchschnittlich zwei Tonnen geerntet werden, werden Aushilfskräfte engagiert.

Annemarie Vogel ist in Friltschen TG auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen. Sie erlernte zunächst den Beruf der Hauspflegerin in der Stadt Zürich und arbeitete danach in Alters- und Pflegeheimen. Sie erinnere sich gerne an diese Jahre, in denen sie dank flexibler Einsätze sowohl in der Pflege als auch in der Küche praktische Berufserfahrungen habe sammeln können, sagt sie.  
Annemarie Vogel hat auch einige Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet. Zwei Sommer hat sie in Norwegen auf einer Blumenkohl-Farm verbracht, einen Sommer in Kanada auf einem Betrieb mit 
Getreide und Mutterkühen sowie einen Winter in Neuseeland auf einer Schaffarm. Ihr Einsatzgebiet sei jeweils vorwiegend der Haushalt gewesen. An alle diese Aufenthalte erinnert sich Annemarie Vogel noch lebhaft.

Aktive Landfrau

Annemarie und Werner Vogel haben sich Anfang der 1980er-Jahre kennengelernt. 1984 haben sie 
geheiratet und sind Eltern von einer Tochter und zwei Söhnen geworden. Der jüngste Sohn, der zunächst Anlage- und Apparatebauer gelernt hat, ist derzeit in der Zweitausbildung zum Obstbauern: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass er den Betrieb dereinst übernehmen wird», freut sich Annemarie Vogel. Sie sagt, sie sei froh, dass sie bis anhin ausschliesslich auf dem Hof habe arbeiten können. So habe sie auch das das 
Aufwachsen der Kinder bewusst miterleben dürfen. Das sei heute nicht mehr selbstverständlich.

Die Bäuerin führt die Direktvermarktung mit dem bedienten Hofladen seit den 1980er-Jahren: «Im Sommer sind es häufig die Touristen der beiden nahe gelegenen Campingplätze, die bei uns einkaufen. Neue Kunden gelangen in der Regel durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns.» Ihre Erfahrungen mit der Direktvermarktung sind durchwegs positiv, das Angebot werde sehr geschätzt.
Ihren Ausgleich zur Arbeit auf dem Hof findet Annemarie Vogel in den beiden Landfrauenvereinen ihrer Region. Im einen Verein arbeitet sie im Vorstand mit, im anderen ist sie einfach Mitglied.
Annemarie Vogel verfolgt die Entwicklungen in der Landwirtschaft aktiv mit. Als positive Impulse für die Branche bewertet sie das spürbare Interesse der jungen Bäuerinnen und Bauern an Weiterbildung und deren Willen zu aktiver Mitgestaltung der Zukunft der Agrarpolitik.

Isabelle Schwander

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