Landtechnik
Publiziert: 30.06.2016 / 06:32
Die Qualität zählt weiterhin

Für Landwirtinnen und Landwirte ist das wirtschaftliche Umfeld derzeit schlecht. Die Milchpreiskrise macht Betriebe zahlungsunfähig. Hat der Bauer kein Geld, kann er auch keine Maschinen kaufen. Eine Umfrage bei Traktorenimporteuren hat gezeigt, dass derzeit tatsächlich weniger investiert wird, dennoch zähle bei Investitionen weiterhin die Qualität.

Die "grüne" befragte die Importeure der wichtigsten Traktorenmarken in der Schweiz zum aktuellen Marktumfeld. Die Hauptfrage lautete, wie sich Milchproduzenten, die mit schlechten Milchpreisen über die Runden kommen müssen, bei Neuinvestitionen verhalten. Ausschlaggebend für diese Umfrage waren Informationen von Lohnunternehmern, wonach es immer öfter vorkomme, dass Kunden nicht mehr in der Lage seien, Lohnunternehmerleistungen zu bezahlen. Dies lässt aufhorchen, haben doch Landwirte den Ruf, nicht gerne Schulden zu haben und Rechnungen zuverlässig zu begleichen.

 

Die meisten Importeure konnten die Fragen zeitgerecht beantworten und diese werden auf den folgenden Grafiken veröffentlicht (mit der Maus über die Punkte auf der Grafik fahren). Die Fragen wurden von Firmenvertreter beantwortet. Ihre Antworten bestätigen, dass sich das momentane wirtschaftliche Umfeld tatsächlich auf den Landmaschinenmarkt auswirkt. Es wird generell weniger investiert. Allerdings muss bei der derzeitigen Verkaufslage berücksichtigt werden, dass in den letzten Jahren mit dem Eurosturz auch Überinvestitionen getätigt wurden. 

Der Markt könnte derzeit also gesättigt sein und muss deshalb über mehrere Jahre betrachtet werden. «Trotzdem ist in den Milchwirtschaftsgebieten eine Zurückhaltung zu spüren», stellt Ferdinand Smolders, Vertriebsleiter beim New Holland-Vertriebscenter Schweiz fest. Und dennoch laufe der Grünlandtraktorenverkauf noch recht gut, wie er weiter festhält. Ein Grund dafür, trotzdem Investitionen zu tätigen, könnten die momentan äusserst günstigen Zinssätze sein, wie Karl Tanner, Verkaufsleiter bei Same Deutz-Fahr (SDF) mitteilt. Zudem seien die Neutraktoren durch den Eurosturz rund 15 Prozent günstiger geworden.

 

Berücksichtigt man die miserable wirtschaftliche Situation vieler Milchproduzenten, sind Neuinvestitionen derzeit vielfach nicht mehr möglich. Mit der Hoffnung, es möge irgendwann wieder besser werden, leben nicht nur die Direktbetroffenen, sondern auch ihre Lieferanten. «Es sollte möglich sein, dass eine Bauernfamilie mit Milchkühen ein adäquates Einkommen erzielen und auch neue Investitionen tätigen kann», sagt Ferdinand Smolders zu Recht. Dass Traktoren günstiger zu haben sind als auch schon, hilft in einigen Fällen, dennoch eine zwingend notwendige Investition zu tätigen. Und hier würde das Preis-Leistungsverhältnis genau geprüft, so die Meinung vieler Vertriebsleiter.

Wer es sich derzeit leisten kann, investiert also genauso sehr in Qualitätsprodukte, wie er es sich gewohnt ist. Nach wie vor wird auch geprüft, wie sich eine Investition wirtschaftlich über mehrere Jahre entwickelt. Dabei spielt der Werterhalt trotz Milchpreiskriese schon zum Investitionszeitpunkt eine Rolle.

Andreas Preisig, Product Manager beim Case IH / Steyr Center, geht nicht davon aus, dass nun öfters die Marke gewechselt wird. Das Vertrauen zur regionalen Markenvertretung und der persönliche Kontakt sind nach wie vor sehr wichtige Kriterien, wenn es um einen neuen Traktor geht. Eine Milchpreiskrise allein ist noch kein Grund, den Markt über den Haufen zu werfen.

Und man darf nicht vergessen, dass im November die Agrama in Bern stattfindet. Traktorenkäufe werden gerne bis dahin hinausgezögert, sind sich die Fachleute einig. Und wer weiss, vielleicht steigt bis dann der Milchpreis, alle atmen auf und schauen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Geht es dem Bauern gut, geht es auch dem Händler gut. 

Text: Beat Schmid
Grafiken:Tamara Wülser

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