Landtechnik
Publiziert: 21.11.2016 / 16:05
Bits und Bytes sorgen für Aufbruch

Die Digitalisierung hat die Wirtschaft, die Arbeitswelt und selbst das private Umfeld längst erobert. Die Landwirtschaft steht da keinesfalls im Abseits, sind doch aktuell weltweit über 25 Millionen landwirtschaftlich genutzte Geräte elektronisch vernetzt. Bis 2020 soll diese Zahl auf 100 Millionen ansteigen.

Digitalisierung gehört zu jenen Begriffen, die man täglich hört, die ein fast jeder schnell mal über seine Lippen bringt und auch glaubt zu verstehen, was damit gemeint ist, beim expliziten Erklären aber doch seine liebe Mühe hat. Rein technisch gesehen versteht man unter "Digitalisierung" das Überführen analoger Grössen, Werte oder Informationen in elektronisch speicherbare Einheiten.

Das Aufkommen von Computern gegen Ende des 20. Jahrhunderts hat die Entwicklung digitaler Prozesse überhaupt erst möglich gemacht, sie entsprechend beschleunigt und dafür gesorgt, dass sie heute eigentlich alle Lebensbereiche prägt. Die Digitalisierung ist auch dafür verantwortlich, dass - elektronisch gespeicherte - Informationen nahezu überall, zu jeder Zeit sowie in schier unfassbarer Quantität verfügbar sind und für Analysen oder zur Entscheidungsfindung herangezogen werden können.

Landwirtschaft mit dabei

Auch in der Landwirtschaft hat der digitale Fortschritt Einzug gehalten. Analog zu "Industrie 4.0" spricht man gerne von "Farming 4.0" oder einfach von "Smart Farming". So helfen datenbasierte Informationen im Pflanzenbau, das Infektionsrisiko einer Pflanzenkrankheit oder den Befall von Schädlingen besser abzuschätzen, um dann die notwendigen Pflanzenschutzmassnahmen entsprechend optimieren zu können.

In der Tierhaltung unterstützen digitalisierte Informationen den Tierzüchter in der Herdenführung, in dem beispielsweise eine zum Zuchtziel passende Anpaarung weiblicher und männlicher Tiere vorgeschlagen wird.

Traktoren sind fahrbare Rechenzentren

Bereits weit fortgeschritten ist die Digitalisierung in der eigentlichen Landtechnik, bei Traktoren, Erntemaschinen und Anbaugeräten: Sie sind längst zu fahrbaren Rechenzentren geworden, messen punktgenau Erträge, optimieren den Treibstoffverbrauch, erkennen Unkraut und unterscheiden es von der Nutzpflanze oder kartieren in Echtzeit alle Stärken und Schwächen eines Ackerfeldes.

Nur wenige Beispiele, die aber aufzeigen sollen, wie gross das Potenzial der Digitalisierung heute in der Agrarwirtschaft schon ist - und künftig noch sein wird, wenn man an die laufend "intelligenter" werdenden Roboter-, Sensor- oder Satellitentechniken denkt.

Das über Datenerfassung und -verarbeitung generierte Wissen soll ja der besseren Steuerung, Kontrolle, Optimierung und Automatisierung der Produktionsprozesse dienen und dem Landwirt helfen, eine weitere Effizienzsteigerung zu erreichen, gleichzeitig die Umwelt noch stärker zu schonen und das Tierwohl weiter zu fördern

Gerade eine landtechnische Fachmesse, wie die vom 24. bis 28. November in Bern stattfindende Agrama, wird es den Fachbesuchern, aber auch interessierten Laien wieder einmal deutlich vor Augen führen, mit welchen Technologien eine moderne Landmaschine bestückt ist.

Zugfahrzeug erkennt Maschine

In einem Traktor, der heute vom Fliessband rollt, ist oft mehr Hightech als in einem "durchschnittlichen" Auto verbaut. Beispielsweise eine ausgeklügelte Motor-Getriebe-Steuerung, die in der Lage ist, je nach gewählter Fahrstrategie die optimale Geschwindigkeit oder Zapfwellendrehzahl vorzugeben - und dies alles unter der Prämisse eines möglichst geringen Treibstoffverbrauchs.

Noch neuere Systeme gehen nun sogar dahin, dass ein Zugfahrzeug die angebaute Maschine automatisch erkennt und gleich die richtigen Hydraulik-, Getriebe- und Motoreinstellungen einstellt. Dies ist möglich, weil mit dem "Canbus" ein digitales System zur Datenübertragung geschaffen wurde, das ähnlich einer Telefonkonferenzschaltung funktioniert.

So sind im Traktor dann die einzelnen Steuergeräte miteinander vernetzt. Und wie bei einer Telefonkonferenz, bei welcher der eine Teilnehmer spricht und andere Teilnehmer mithören, so gibt ein Steuergerät beim Traktor seine Informationen (Daten) ins Canbus-System hinein, während andere Geräte diese Informationen für ihre Zwecke nutzen können - alles zentral und digital sowie über einen einzigen Terminal gesteuert.

Isobus als Standard

Was in der Theorie meist ganz einfach aussieht, präsentiert sich in der praktischen Anwendung dann aber weitaus komplexer. Gebremst werden gerade die elektronischen oder digitalen Innovationen durch die mangelhafte Kompatibilität von herstellereigenen Insellösungen, die eben nicht, unzureichend oder im Extremfall gar falsch mit jenen anderer Hersteller zusammenwirken.

Im Alltag haben die Landwirte häufig Traktoren, Geräte und Maschinen verschiedener Hersteller im Einsatz. Prallt dabei nicht-standardisierte Elektronik aufeinander, so arbeiten als Konsequenz daraus die Komponenten nicht reibungslos oder überhaupt nicht zusammen. Für jedes Gerät ist dann ein eigenes Steuerungsterminal erforderlich, um die Kommunikation sicherzustellen.

Wie sich die Landtechnik-Hersteller vor Jahren auf eine Zapfwellenform oder auf die Dreipunkt-Hydraulik geeinigt haben, so musste nun auch in der Kommunikation zwischen Traktor und den verschiedenen Maschinen ein Standard her.

Mit Isobus wurde ein solcher geschaffen. Isobus standardisiert die Steuerungseinstellungen, verringert Rüstzeiten, minimiert Montage- und Schnittstellenprobleme, lässt Kalibrierungen zur Nebensache werden und steigert die Bedienerfreundlichkeit. Durch den Datenaustausch zwischen Hof-Computer und Traktor-Terminal steigert Isobus zudem die betriebliche Effizienz, optimiert Zeitabläufe und wird generell als Voraussetzung für eine einwandfreie Datendokumentation angesehen.

Satelliten-Navigation

Weit verbreitet ist die Satelliten-Navigation. Sie führt beispielsweise eine Erntemaschine nicht nur auf dem kürzesten Weg zur richtigen Parzelle, sie übernimmt für den Fahrer auch gleich die Steuerung des Vehikels, auf dass auch ja kein Zentimeter Arbeitsbreite unnötig verschenkt und das Feld mit möglichst wenig Wendemanövern abgeerntet wird.

Dass eine solche Navigation wesentlich exakter und auch schneller als in einem Auto arbeiten muss, versteht sich von selbst. Die bei solchen Signalen technisch bedingte Ungenauigkeit von mindestens 50 cm wird bei landwirtschaftlichen Anwendungen nicht toleriert. So drückt man mit einem zusätzlichen RTK-Korrektursignal (real time kinematic) diese Exaktheit auf unter 2 cm. Diese sind beispielsweise für die sprichwörtlichen Nacht- und Nebel-Aktionen nötig, werden aber auch für Reihenkulturen erforderlich, wenn man sich nach einigen Tagen oder Monaten Unterbruch mit den Maschinen wieder haargenau zwischen den Beständen bewegen möchte.

Die GPS-Navigation ist direkt mit der Lenkung des Fahrzeugs gekoppelt, so dass die Maschine selbst und ohne Eingriff des Fahrers am Steuerrad den Weg über das Feld findet. Am Feldrand kann es schon sein, dass - ebenfalls automatisch - der Wendevorgang eingeleitet und die Fahrzeugkombination gleich in die beste Spur gelenkt wird. Bietet das Vorgewende zuwenig Platz für das unmittelbare Anschlussfahren, so wird in Abhängigkeit von Lenkeinschlag und Fahrgeschwindigkeit eine neue Spur gewählt und der anfänglich unbearbeitet zurückbleibende Streifen dann halt später befahren, respektive bearbeitet.

Roman Engeler, lid

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