Auswandererblog
Publiziert: 26.05.2016 / 08:26
Auswandererblog: Pickup - Mädchen für alles

Der Pickup ist für die Familie von Mirka Lötscher in Nicaragua noch wichtiger als der Traktor für einen Schweizer Bauern. Sie beladen ihn mit bis zu vier Tonnen Material. Aber er dient ihnen auch für ihre Fortbewegung, und sie werden für Kranken- oder sogar Leichentransporte angefragt.

Wir transportieren mit unserem Pickup praktisch alles. Ohne weiteres schafft er einen steilen Anstieg mit einer Ladung von drei Tonnen. Für alle unsere Bautätigkeiten holte er Sand und Steine vom Fluss, sowie Zementsäcke und Armierungseisen von der Stadt nach Hause. Jetzt brauchen wir den Pickup, um Futter für die Tiere sowie manchmal die Tiere selbst zu transportieren. Wird ein Baum gefällt, ist es ebenfalls der Pickup, der das zugesägte Holz zum Haus bringt.

Der Einsatz des Pickups ist damit aber nicht ausgeschöpft. Häufig wird Jaime von Freunden und Bekannten angefragt, einen Kranken von unserer Gemeinde nach San Dionisio ins Spital zu bringen. Oder er wird gebeten, einen Leichenzug zum Begräbnis anzuführen. Das heisst dann jeweils, dass Jaime während etwa fünf Stunden beschäftigt ist. Denn es wird erwartet, dass er den Sarg im Schritttempo zur Kirche und nach dem Gottesdienst zum Friedhof bringt. Oft fährt er die Trauergemeinde nach dem Begräbnis auch wieder nach Hause.

Ein Grund der vielen Anfragen ist, dass sehr wenige Leute in San Dionisio ein Fahrzeug besitzen. Es gibt zwar eine Menge Motorräder im Dorf selbst, aber hier in unserer näheren Umgebung sind diese an einer Hand abzuzählen. Fahrradbesitzer gibt es noch weniger. Es ist aber für den einen oder anderen mit fleissigem Sparen doch erschwinglich. Wer sich ein Auto leisten kann, entscheidet sich meist für einen geländegängigen Pickup. Normale

Personenfahrzeuge habe ich in San Dionisio nur als Taxis gesehen. Davon gibt es etwa zwei. Es gibt aber eine Menge „Töfftaxis“, bei denen auf dem Vorderteil des Motorrads eine gepolsterte Bank aufgebaut ist. Die neu gepflasterte Strasse, von der ich vor kurzem berichtete, könnte aber dazu führen, dass auch weniger geländegängige Fahrzeuge angeschafft werden.

Das ist jedoch nicht der alleinige Grund der zahlreichen Anfragen. Jaime ist wohl der einzige, der nicht horrende Preise verlangt, die Fahrt für Freunde sogar gratis ausführt und sich auch sozial engagiert. Für Jaime ist es wichtiger, auf Freunde zählen zu können, wenn er selbst einmal Hilfe braucht.

Für mich ist der Pickup das einzige Fortbewegungsmittel und gibt mir dadurch eine gewisse Bewegungsfreiheit. Natürlich könnte ich auch ein Pferd nehmen, was aber  mit mehr Aufwand verbunden ist. Ich möchte aber unbedingt Motorradfahren lernen, um noch flexibler zu werden.

Wie bereits erwähnt, fahre ich regelmässig mit dem Bus. Ich nehme es dann mit  Humor, wenn Einheimische mich fragen: "Was, ihr habt einen Pickup und fährt trotzdem noch mit einem Bus?“

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

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BauZ 

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