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Publiziert: 19.04.2016 / 08:16
Auswandererblog: Notschlachtung eines Schweinchens

Leider haben unsere Hunde auf der Finca in Nicaragua das Schweinchen unserer Nachbarsfamilie als Eindringling wahrgenommen und angegriffen. Folge war eine Notschlachtung, weil es wahrscheinlich nicht überlebt hätte.

 

Ich habe Anfang Jahr von unseren angriffslustigen Hunden erzählt. Vor ein paar Wochen passierte ihretwegen noch ein Unglück. Unsere neuen Nachbarn haben ihr Schweinchen, das sie vor ein paar Monaten als Ferkel gekauft hatten, zu uns gebracht.

In Nicaragua ist es üblich in einem Haushalt ein Schweinchen im Hinterhof zu halten, um die Küchenabfälle vorteilhaft nutzen zu können. Oft mit dem Ziel, nach acht bis zwölf Monaten Schweinefleisch für ein spezielles Fest zur Verfügung zu haben. Unsere Nachbarn wollten im Oktober dieses Jahres den Abschluss der Primarschule ihrer Tochter feiern.

Unsere Hunde machten Ihnen eines Nachmittags einen Strich durch die Rechnung. Wir Frauen waren mit den Kindern allein und hörten bei unseren Aktivitäten das Quietschen des Schweinchens zu spät. Als wir endlich begriffen, was vorging, hatten die Hunde das Schweinchen bereits sehr übel zugerichtet.

Als Omar, unser Chefarbeiter und Nachbar, zurückkehrte, wurde entschieden, das Schweinchen zu schlachten, da seine Überlebenschancen eher gering erschienen. Ich hatte vor, ihr Tier mit einem Ferkel zu ersetzen und ein besseres Gehege zu bauen. Doch schien es uns schlussendlich wegen unseren Hunden doch zu riskant, denn ein Ferkel ist relativ teuer.

Omar holte seinen Schwager (einen Nachbarn) zu Hilfe und sie begannen mit der Schlachtung. Es gibt im Dorf zwar schon sogenannte Metzger, die meisten Leute schlachten aber selbst. Mit einem Messerstich in den Hals töteten sie das verstörte Tierchen. Es wehrte sich nicht einmal mehr und gab keinen Ton von sich. Währenddessen brachte Johanna, die Frau von Omar, Wasser zum Kochen. Dieses heisse Wasser gossen sie nach und nach über das tote Schweinchen, um die Haare mit einem Messer abschaben zu können.

Danach wurde der Körper an den Hinterbeinen in der Küche aufgehängt. Ein Gefäss fing das Blut auf, damit der Boden nicht zu sehr verschmutzt wurde. Normalerweise wird im Freien geschlachtet, aber da es schon dunkel war, brauchte man das Licht der Küche.

Als erstes wird die Haut abgezogen, das Rückenstück entfernt, dann werden Kopf und Beine abgeschnitten, Innereien herausgenommen und schlussendlich Rippen und Beinknochen zerstückelt. Preislich werden nebst der Haut, dem Kopf und den Klauen, nur Fleisch und Knochenstücke unterschieden. Es wird nicht darauf geachtet, ob das Fleisch vom Rücken oder von den Beinen stammt.

Die Leber und die Nieren werden traditionell sogleich mit gehackten Zwiebeln gebraten und mit "Tortilla" (Maisfladen) gegessen. Erstens ist es sofort zubereitet und zweitens würde es schnell verderben. Es war schon spät, als sie fertig waren, aber diesen Festschmaus liess sich die Familie nicht nehmen.

Mirka Lötscher

 

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

Alle Folgen hier.

BauZ

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