Auswandererblog
Publiziert: 21.10.2016 / 08:12
Auswandererblog: Krank sein kostet auch in Nicaragua etwas

Bloggerin Mirka Lötscher hat in den beiden letzten Beiträgen beschrieben, wie es Sohn Dario im Kinderspital in Managua ergangen ist. In San Dionisio, das Dorf bei der Finca, ist die Qualität der Behandlung weniger gut. Aber auch in den Städten muss trotz der kostenlosen Behandlung mit weiteren Heilungskosten gerechnet werden.

Die kostenlose Gesundheitsversorgung ist in einem so armen Land wie Nicaragua natürlich eine sehr wichtige und nicht wegzudenkende soziale Leistung. Es darf aber nicht davon ausgegangen werden, dass ein Patient kein Geld für Gesundheit ausgeben muss.

Oft sind die ganzen Heilungskosten für die Patienten unerschwinglich. Denn es kommen viele zusätzliche Kosten auf den Kranken zu. Zuerst muss die Reise ins Spital bezahlt werden. Dann werden nicht in jedem Krankenhaus Mahlzeiten ausgegeben, oder die Portionen sind viel zu klein.

Jemand muss dem Patienten das Essen organisieren. Wohnt jemand in der Nähe, bringt er es von zu Hause mit, sonst muss es gekauft werden. In den Städten wie Managua oder Matagalpa muss man nicht weit suchen: Gleich vor dem Spital gibt es zahlreiche Läden und kleine Restaurants.

Im Falle der Apotheke des Krankenhauses in San Dionisio gibt es zudem meist nur die ganz grundlegenden Medikamente wie Schmerz- oder Fiebermittel, andere müssen in den privaten Apotheken gekauft werden.

Ein Spitalaufenthalt kann nebst dem finanziellen Aufwand eine grosse Belastung für die Familienangehörigen sein. Es muss immer eine zweite Person da sein, um den Patienten zu pflegen. Die Krankenschwestern haben keine Zeit, um den Patienten auf die Toilette oder beim Duschen zu helfen oder sonstige Spezialwünsche zu erfüllen. Vor allem nachts sind sehr wenige Krankenschwestern im Einsatz. Während unserer Nacht im Kinderspital waren nur zwei Nachtschwestern für etwa acht Räume mit fünf bis sechs Personen zuständig.

In San Dionisio kommt noch hinzu, dass die Qualität der Behandlung nicht nur wegen fehlenden Medikamenten mangelhaft ist. Die meisten Ärzte in San Dionisio sind junge unerfahrene Studienabgänger. Für sie ist es eine Art Sozialdienst, wo sie zwar wertvolle Erfahrungen sammeln können, aber oft eine zu grosse Verantwortung tragen. Wahrscheinlich möchten erfahrene Ärzte nicht in entlegenen Dörfern arbeiten, wo die Annehmlichkeiten einer Stadt fehlen, oder sie dort keinem privaten Nebenverdienst nachgehen können.

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen. Seit kurzem arbeitet Mirka Lötscher zusätzlich als Lehrerin an der deutschen Schule in Managua.

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BauZ 

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