Wohnen
Publiziert: 16.10.2016 / 14:03
Alles greift ineinander

Der Familienzusammenhalt bedeutet Bäuerin Kathrin Leuenberger aus dem Emmental sehr viel.

Hier wohnt ein Imker mit dem Schwarm seines Lebens», steht an der Haustür von Kathrin und Niklaus Leuenberger-Jakob in Oeschenbach BE. Eingang und Vorgarten des Bauernhauses sind mit antiken Gegenständen und Pflanzen

liebevoll arrangiert.

Hier eine Milchkanne mit roten Geranien, dort ein dekorierter, ausrangierter Ofen. Hübsch präsentierte Kakteen und Hauswurz in Töpfen tragen die kreative Handschrift von Kathrin Leuenberger. In einer ehemaligen Anrichte stehen frische Eier und saisonale Produkte zum Verkauf. Neben dem feinen Wald- oder Blütenhonig gibt es gedörrte Bohnen, Holunderblütensirup und getrocknete Apfelringli.


Aufgewachsen ist Kathrin Leuenberger mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof in Ursenbach. «Wir Kinder mussten früh mit anpacken. Im Stall, im Haus und beim Heuen. An schönen Sommertagen wären wir oft lieber in die Badi gegangen. Erst später haben wir erkannt, wie wertvoll und wichtig diese Mitarbeit für unseren weiteren Lebensweg war», resümiert Kathrin Leuenberger.


Nach einem Welschlandjahr und einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete sie in einer international tätigen Unternehmung, Teilzeit auch noch als junge Mutter.

Drei Generationen

Ihr Mann Niklaus ist ein Bauernsohn aus dem benachbarten Oeschenbach. Lachend erklärt sie, dass sie ihn demnach weiter als über den nächsten Miststock hin kennengelernt habe. 1994 war die Hochzeit und nach zwei Jahren wurde ihr erster Sohn geboren. Neben ihren Aufgaben in Haus und Hof absolvierte Kathrin Leuenberger die Bäuerinnen- Ausbildung am Inforama Waldhof. Während vielen Jahren leitete die begeisterte Turnerin zudem die Jugendriege des Turnvereins Ursenbach.


Im behäbigen Bauernhaus leben drei Generationen vereint; früher gehörten eine Mühle und eine Wirtschaft zum Hof. «Als wir einzogen, haben wir in der ehemaligen ‹Strohreiti› zuoberst unter dem Dach unsere erste kleine Wohnung eingerichtet», erinnert sich die dreifache Mutter.

Während die erwachsenen Söhne Sandro und Nicolas beide ihre Ausbildung als Elektroinstallateur und Zimmermann abgeschlossen haben, geht Marco noch zur Schule. Der 14-jährige spielt Eishockey bei den Mini-Novizen des SC Langenthal. Daher sind regelmässige Fahrdienste gefragt.

Der Familienzusammenhalt bedeutet Kathrin Leuenberger viel und entsprechend freut sie sich, wenn die Jungmannschaft mit ihren Freundinnen, Freunden und Kollegen Leben ins stets offene Haus bringen. Auch der Gemeinschaftssinn innerhalb des Weilers ist eng: Jedes Jahr wird ein «Hofen-Fest» gefeiert.


Milch und Rinderaufzucht


Kathrin Leuenberger hat ein kleines Pensum bei einem Schreiner im Dorf, wo sie vorwiegend Buchhaltungsaufgaben übernimmt. Zudem ist sie Kassiererin in der Käsegenossenschaft Oeschenbach. Dorthin liefern Leuenbergers ihre silofreie Milch für die Produktion von Emmentaler AOP. «Wir betreiben Milchwirtschaft und Rinderaufzucht. Die vielen Hänge erlauben nur wenig Ackerbau», erklärt die zierliche Frau.


Glückliches Federvieh gackert im Hühnerhof oberhalb des Hauses. «Ich habe meine Hühner einfach gern und finde es schön, wenn sich diese nach dem Ausmisten wohlig im Sägemehl einbuddeln», erklärt die Bäuerin. Zurzeit geniessen 52 weisse und braune Hennen den freien Auslauf. «Natürlich freut es mich besonders, die frisch gelegten Eier einzusammeln. Aber meine Freilandhühner müssen nicht täglich ein Ei produzieren. Sonntags haben sie sozusagen frei», sagt die Bäuerin lächelnd.

Ab und zu ein Wellness-Tag

«Vor 15 Jahren übernahmen wir zusätzlich den Hof meiner Eltern, wo diese nach wie vor tatkräftig mitarbeiten. Inzwischen haben wir einen Laufstall gebaut. Das ist wie eine Alp für unsere Rinder», erklärt die 45-Jährige.  «Das Schöne auf dem Bauernhof ist, dass Familie, Arbeit und Hobby ineinander greifen – da wird man geerdet und bekommt einen guten Boden», sagt Kathrin Leuenberger, die viel Kraft und Halt aus dem Glauben schöpft und Gelassenheit und innere Ruhe ausstrahlt.


Ganz besonders schätzt sie die Selbstständigkeit in der Landwirtschaft und die Arbeit Seite an Seite mit ihrem Mann. «Wir sind viel an der frischen Luft und bewegen uns in der Natur. Deshalb brauchen wir eigentlich gar keine Wanderferien. Lieber gönnen wir uns mal ein, zwei freie Wellness-Tage.»

Brigitte Meier

Ähnliche Artikel

Porträt: «Eine märchenhafte Vorstellung»

Seit 20 Jahren betreut Bäuerin Christine Stämpfli Menschen mit Sucht und psychischen Problemen. Nicht alle Geschichten gingen mit einem Happy End aus.
04.03.2018

Porträt: Krimi direkt vor der Haustür

Die Krimiautorin Monika Mansour hat bäuerliche Wurzeln und gibt im Gespräch preis, inwiefern sie das Landleben beim Schreiben geprägt hat. 
28.01.2018

Ihr Beitrag wird überprüft. Beleidigende, rassistische, nicht in Schriftsprache verfasste oder nicht sachbezogene Beiträge werden gelöscht.