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Schweiz-International
Publiziert: 10.06.2016 / 09:19
Aldi-Chef: «Wir setzen auf Swissness»

Aldi-Chef Timo Schuster will die Zusammenarbeit mit Schweizer Bauern verbessern. Aber nur, wenn die Qualität stimmt.

Warum wird Aldi Suisse als Discounter Mitglied der Branchenorganisation Milch?


Timo Schuster: Aldi Suisse ist in der Schweiz eine anerkannte Marke. Wir setzen auf Swissness – sowohl in der Sortimentsstrategie als auch in der Zusammenarbeit mit Schweizer Lieferanten. Und wir suchen den Dialog mit hiesigen Nonprofit- und anderen Organisationen. Im Frischebereich setzen wir stark auf Produkte aus der Schweizer Landwirtschaft und fokussieren uns wenn immer möglich auf die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern. Wir sind von der Qualität der Schweizer Milch und Milchprodukte überzeugt und haben grosses Interesse an einer nachhaltigen und auf Langfristigkeit ausgelegten Schweizer Milchwirtschaft. Die Mitgliedschaft bei der BO Milch ist ein Bekenntnis zur Schweiz, als dessen Teil wir uns verstehen.

2009 sorgten Sie für Schlagzeilen, als Aldi Suisse Joghurt aus Deutschland importierte. Gehören diese Importe mit dem Beitritt zur BOM nun der Vergangenheit an?

Die Bedingungen in der Beschaffung von Artikeln haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Die Bemühungen, vermehrt mit Schweizer Lieferanten und Produzenten zusammen zu arbeiten, waren erfolgreich. Anfänglich wurden Lieferanfragen kritisch bis zurückhaltend beantwortet, insbesondere dann, wenn es von Lieferantenseite bereits Verträge mit Detailhändlern gab. Die Befürchtungen, bei einer Zusammenarbeit mit Aldi Suisse ausgelistet zu werden, waren gross.


Das heisst, Sie können heute besser auf importierte Frischprodukte verzichten?


Über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes entscheidet letztendlich der Kunde. Unsere Präferenz liegt ganz klar auf Schweizer Produkten. Wenn allerdings ein Produkt in Qualität, Geschmack und Preis nicht entspricht, greifen wir auf internationale Beschaffungsmärkte zurück. Unsere Kunden sollen ein reichhaltiges Sortiment auch bei Milcherzeugnissen antreffen. Hier gibt es einen gesunden Wettbewerb, bei dem Marktabschottung ein falsches Signal wäre. Wir suchen gemeinsam mit unseren Produzenten nach Möglichkeiten,

ein noch attraktiveres Angebot mit Schweizer Landwirtschaftsprodukten anbieten zu können.


Was müssen Schweizer Lieferanten anbieten können, um bei Aldi liefern zu dürfen?


Die Eckpfeiler von Aldi Suisse sind Qualität, Preis, Nachhaltigkeit und Regionalität. Darauf vertrauen unsere Kunden. Diese Einstellung erwarten wir auch von unseren Lieferanten. Wir erwarten aber hervorragende Qualität unter Einhaltung kosteneffizienter Prozesse. Bei der Umsetzung sehen wir bei manchen Molkereien noch Entwicklungspotenzial.

Welche Milchprodukte beziehen Sie aus der Schweiz? Und welche importieren Sie aus dem Ausland?

Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden ein breites Sortiment in allen Frischebereichen mit Schweizer Qualitätsprodukten an. Besonders erfreut sind wir darüber, dass unsere «Nature Suisse Bio»-Produkte sehr guten Anklang bei den Kunden finden.


Wie möchten Sie den Mix zwischen Import- und Inlandangebot künftig gestalten? Warum so?


Bei Butter, Rahm, Trink- und UHT-Milch ist der Anteil mit Herkunft Schweiz 100%. Auch Desserts und Joghurts sind mehrheitlich aus der Schweiz. Der Anteil an Schweizer Milchprodukten, insbesondere im Bio-Bereich, soll weiter ausgebaut werden. Auf der anderen Seite besteht nach wie vor die gezielte Nachfrage nach ausländischen Milchprodukten wie z. B. Gouda. Parmesan oder Spezialitäten aus Frankreich, wie beispielsweise Crème brûlée.

Wie gestalten Sie die Partnerschaft mit den Schweizer Milchproduzenten?

Die Partnerschaft mit den Schweizer Milchproduzenten ist auf verschiedene Säulen aufgebaut. Auf Verbandsebene wollen wir einerseits um Vertrauen werben. Andererseits wollen wir so auch direkt ein offenes Ohr für die Anliegen der Milchproduzenten haben.

Darüber hinaus stehen wir im regelmässigen Kontakt mit den Produzenten und Verarbeitern. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen zur Qualitätssicherung und besprechen auch Innovations- und Effizienzsteigerungsmöglichkeiten. Wir fordern und fördern unsere Lieferanten auf partnerschaftliche Weise. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass Aldi Suisse als fairer und verlässlicher Geschäftspartner wahrgenommen wird. Das soll auch in Zukunft als BOM-Mitglied so bleiben.

Inwiefern unterscheidet sich der Schweizer Konsument von den Konsumenten in Deutschland?


Schweizer Konsumenten sind sehr qualitätsbewusst. Dem werden wir mit unseren Qualitäts- und Kontrollansprüchen in Bezug auf nachhaltige Produktionsbedingungen gerecht. Neben dem Qualitätsdenken ist aber auch in der Schweiz der Trend zu mehr Preisbewusstsein erkennbar. Qualitätsdenken gepaart mit Preisbewusstsein ist eine unserer Kernkompetenzen als Discounter.

Was hat Sie seit dem Markteintritt in der Schweiz 2005 am meisten überrascht?


Einerseits freut es mich, dass unsere Expansionsstrategie von vier Filialen im 2005 auf heute 181 Filialen mit inzwischen über 2700 Mitarbeitenden aufgegangen ist. Der Einfluss von Verbänden, die eigentlich Interesse für Absatzförderung haben sollten, aber aus wettbewerbspolitischen Gründen blockieren, hat mich negativ überrascht. Hier meine ich die ablehnende Haltung von IP Suisse und Bio Suisse zur Zusammenarbeit mit Aldi Suisse. Marktabschottung hindert einen fairen Wettbewerb. Das wirkt sich beim Kunden in Form von höheren Preisen aus und schränkt engagierte Schweizer Produzenten in der Geschäftstätigkeit ein. Wir sind überzeugt, dass unsere Anstrengungen Früchte tragen werden und es zum Einlenken kommt.


Interview (schriftl.) Hansjürg Jäger

Das ganze ungekürzte Interview finden Sie in der BauernZeitung vom 10. Juni

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