Nebenerwerb
Publiziert: 13.03.2016 / 06:02
Züchterin mit Leidenschaft

Die Landwirtin Barbara Hermann-Scheck engagiert sich für ihre Familie, für Galloways – und für einiges mehr.

«Die Zucht ist eine spannende Herausforderung: Man kalkuliert, steckt sich Ziele, aber ob man diese erreicht, ist immer eine Überraschung», erklärt Barbara Hermann-Scheck begeistert. Die Jungbäuerin vom Hof Drei Eichen in Schaffhausen züchtet  seit über zehn Jahren Rinder der schottischen Robustrasse Galloway.

Die zotteligen, gedrungenen Tiere sind recht anspruchslos. Daher eignen sie sich gut für den IP-Suisse-Betrieb mit Rindviehhaltung und Ackerbau, den Barbara Hermann gemeinsam mit ihren Eltern Hansueli und Esther Scheck bewirtschaftet. Mit auf dem Hof wohnen auch Ehemann Marco (30), ihre drei Kinder Fiona (5½), Amelie (4), Tim (2) sowie ein Au-Pair-Mädchen aus der Romandie.

Alles Fleisch wird 
direkt vermarktet

«Wir haben eine sehr extensive Betriebsphilosophie mit viele Ökowiesen», schildert die 29-jährige Landwirtin mit eidg. Fachausweis, die auch im Schaffhauser Kantonsrat Einsitz hat. «Als wir 2002 von der Milchkuh- 
auf Mutterkuhhaltung umstellen wollten, suchten wir eine Rasse, die kein Futter mit hohem Nährwert braucht. Galloways sind ideal. Sie verwerten das Ökoheu hervorragend. Kraftfutter brauchen sie keins. Dafür wachsen sie langsamer als andere Fleischrinderrassen und sind später schlachtreif. Unsere Kälber bleiben bis im Alter von neun Monaten bei ihrer Mutter. Danach wachsen sie weiter in einer eigenen Herde auf. Erst mit zwei Jahren werden sie in einem nahen Dorf geschlachtet. Durch das langsame Wachstum ist ihr Fleisch besonders feinfaserig und zart.» Das ganze Fleisch wird über den betriebseigenen Hofladen oder in Fleischpaketen auf Bestellung vermarktet.

Die Roten 
sind selten

Doch nicht der ganze Nachwuchs dient der Fleischproduktion. Rinder und Muni der Landwirtin sind für die Zucht gefragt. Der Austausch erfolgt auch international: Es ist wichtig, die Blutlinien immer wieder aufzufrischen. Galloways werden nach Farbe rein gezüchtet. Die Kühe auf dem Hof Drei Eichen sind «Belted Galloways»: Ihre Fellfarbe ist schwarz und besticht durch den weissen «Gurt», der sich prägnant um ihre Mitte zieht. Aber auch rot-weisse Tiere laufen in der Herde mit. Reine «Red Belted Galloways» sind besonders selten. Es gibt nur wenige Blutlinien – das macht die Zucht noch anspruchsvoller.

Barbara Hermann ist stolz auf ihre Tiere, die ihr sehr nahe stehen. Sie gibt sich täglich mit ihnen ab und kennt sie alle gut. Zurzeit besteht die Herde aus 27 Zuchtkühen, 20 Kälbern und 25 Rindern sowie Ochsen. Auch ein Stier gehört dazu. Die urwüchsigen, robusten Schotten sind genetisch hornlos und gerne bis im Winter draussen. In den Stall müssen sie erst dann, wenn sie auf der Weide kein Futter mehr finden. Das heisse Wetter hingegen schätzen sie weniger. Zumeist halten sie sich dann im Schatten der hohen, knorrigen Eichen auf.

Transparenz 
schafft Vertrauen

Barbara Hermann arbeitet leidenschaftlich gern auf dem Betrieb, den sie in nächster Zeit einmal übernehmen wird. Und doch ist sie, gerade im Winter, öfters unterwegs. Als Expertin von Mutterkuh Schweiz besucht sie im ganzen Land Betriebe zur linearen Beschreibung von Mutterkühen sowie Zuchtstieren und um Kälber zu wägen.

Bisweilen gehen aber auch ihre Tiere auf Reisen. Sie werden an Ausstellungen präsentiert, alle zwei Jahre beispielsweise an der Eliteschau «Swissopen», und das mit Erfolg. «Dreimal haben wir einen Champion-Titel errungen, 2015 einen zweiten Platz», freut sich die engagierte Züchterin, der neben der guten Fleischqualität und dem schönen Wuchs ihres Viehs auch ein ruhiger Charakter äusserst wichtig ist. «Aggressive Tiere kommen für die Zucht nicht in Frage», hält sie fest.

Der Hof Drei Eichen liegt mitten im Naherholungsgebiet von Schaffhausen. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, dass die Kühe ruhig und den Umgang mit Menschen gewohnt sind. Viele Städter spazieren jeweils an der Weide vorbei. Möchte jemand auch einen Blick in den Stall werfen, hat die Landwirtin nichts dagegen: «Unsere Stalltüren stehen immer offen. Wir finden es wichtig, dass die Konsumenten sehen können, woher das Fleisch, das sie kaufen, stammt.»

Sanna Bührer Winiger

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