Nebenerwerb
Publiziert: 13.01.2016 / 10:20
Viel Platz zum Austoben

Vergangenen Sommer hat Esther Lüthi auf ihrem Hof ein lange gehegtes Projekt verwirklicht: die Spielgruppe «Ringuschwänzli».

Bevor es auf die Wiese geht, legt der Kleine noch kurz seinen Kopf auf das weiche Fell der Katze, die auf dem Geländer sitzt. Sie ist wie alle Tiere ein starker Magnet für die Kinder der Bauernhofspielgruppe 
«Ringuschwänzli». Umgekehrt scheint das auch zu gelten – zumindest für die Katze. Sie folgt den Kindern auf den Fersen, als diese sich aufmachen, um Bauer Daniel Lüthi beim Abräumen des Zauns zu helfen. Ein Kraftakt für die Knirpse, die Plastikpfähle aus dem Boden zu ziehen. Sie schaffens. Strahlen und rennen um die Wette zum nächsten Pfahl.


Ausbildung kann teilzeit absolviert werden


Esther Lüthi hat die Spielgruppe zusammen mit Sarah Allemann und unterstützt von ihrem Mann vor einem halben Jahr initiiert. Jeweils montags betreuen die beiden Frauen auf dem Hof von Lüthis in Oberburg BE sechs Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren. «Zu zweit sein ist obligatorisch, wenn Kinder im Freien betreut werden», erklärt Esther Lüthi.

Die Befähigung zur Betreuung haben sich die Frauen mit der Ausbildung zur Spielgruppenleiterin geholt. Dieser berufsbegleitende Lehrgang baut auf einer beruflichen Grundbildung oder Familienzeit auf und dauert zirka ein Jahr. Vermittelt werden Themen wie kindliche Entwicklung, Kreativität, Pädagogik, Psychologie und Elternzusammenarbeit. Das Angebot an Ausbildungsstätten ist gross, für Interessierte empfiehlt es sich darauf zu achten, ob das Angebot vom Verband Schweizerische Spielgruppen-Leiterinnen anerkannt ist und empfohlen wird.

Zu Hause arbeiten können ein grosser Vorteil

Esther Lüthi ist mit dem Start ihrer Spielgruppe und dem bisherigen Verlauf zufrieden. Sie hatte schnell genügend Anmeldungen, um eine Gruppe zu bilden. Dies obwohl die Nachfrage nach Spielgruppenplätzen seit dem obligatorischen Eintritt in den Kindergarten ab vier Jahren insgesamt zurückgegangen ist und es in der Region noch andere Spielgruppen gibt. Geworben für ihr Angebot hat die Bäuerin mit Flyern, die sie an verschiedenen Orten auflegte. «Bei uns können die Kinder ihren Bewegungsdrang praktisch uneingeschränkt ausleben. Zudem ist der Bauernhof an sich ein echter Mehrwert», sagt die Bäuerin. Sie freut sich, dass sie ihren Schützlingen dieses Umfeld näher bringen kann, sei es in der Begegnung mit Tieren oder im Garten.

Als Köchin in Landschulwochen habe sie festgestellt, dass viele Kinder keinen Bezug mehr hätten zu den Lebensmitteln, deren Herkunft und Verarbeitung. Ihre Hauptmotivation, eine Spielgruppe aufzubauen, ist jedoch eine andere. Für sie sei immer klar gewesen, dass sie einmal noch etwas mit kleinen Kindern machen wolle, sagt die Bäuerin. «Das ist eine enorm dankbare und bereichernde Aufgabe.»

Den Zeitpunkt für den Neustart hat sie bewusst gewählt: Nächsten Sommer kommt die Tochter aus der Schule, der Sohn ist bereits im zweiten Lehrjahr.

Nebst dem intensiven Kontakt zu den Kindern schätzt Esther Lüthi an ihrer neuen Aufgabe auch, dass sie diese zu Hause ausüben kann. Diesem Anspruch wird auch der zweite von ihr verantwortete Betriebszweig gerecht. Seit einem Jahr ist Esther Lüthi Gastgeberin von «Swiss Tavolata». Das heisst, sie verköstigt und verwöhnt auf Anmeldung Gruppen in ihrer gemütlichen Wohnküche oder im Sommer auf der grosszügigen Terrasse mit Blick ins Emmental.

Gut vernetzt mit anderen Leiterinnen


Für das «Ringuschwänzli» hat Esther Lüthi hinter dem Haus einen geschützten Bereich eingerichtet, in welchem die Kinder ankommen und sich aufgehoben fühlen können. Der Morgen beginnt jeweils mit einer ganz kurzen Bilderbuch-Geschichte. Bevor es dann ein Znüni mit Produkten vom Hof gibt, dürfen die Kinder mit dem Bauern etwas unternehmen. Das wird vom Ehepaar vorgängig abgesprochen und ist für die Kinder immer ein besonderer Höhepunkt, vor allem wenn sie dabei Kontakt zu den Tieren haben können. Nebst der Katze leben auf dem 20 a grossen Hof ein junger Hund, Hühner, Enten, Mastschweine und Kühe.


Im Verlauf des Vormittags bleibt immer genügend Zeit für das freie Spiel. Dazu stehen den Kleinen viel Platz wie auch Materialien und Geräte zur Verfügung. Lüthis haben einiges extra dafür angeschafft. Eine Investition in die Zukunft, derzeit erfordert die Spielgruppe vor allem einen grossen ideellen Einsatz. Esther Lüthi ist zuversichtlich, dass sie damit langfristig ein rechtes Einkommen generieren kann. «Wenn es weiterhin gut läuft, können wir ab Neujahr ein weiteres Kind aufnehmen.» Und es sei nicht ausgeschlossen, dass sie später eine weitere Gruppe aufbaue.

Esther Lüthi ist Mitglied im Schweizerischen Spielgruppen-Leiterinnen-Verband sowie in der Interessengruppe Bauernhofspielgruppe. Letztere empfindet sie als besonders wertvoll für den Austausch. «Es gibt auf dem Bauernhof doch einige Themen und Bereiche, die speziell sind und so in anderen Spielgruppen nicht auftauchen», erklärt sie. Der Umgang mit Tieren beispielsweise.

Ein anderes spezifisches Thema ist die Sicherheit auf dem Bauernhof. Auch wenn die Kinder nie unbeaufsichtigt sind, Lüthis wollen kein Risiko eingehen. Sie werden deshalb ihren Betrieb von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft prüfen lassen. 

Esther Zimmermann

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