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Schweiz-International,Direktverkauf
Publiziert: 08.01.2015 / 08:06
Ins System eingebunden

Für Eierproduzenten wie Familie Münger aus Diemerswil ist der Markterlös viel wichtiger als die Direktzahlungen. Sie sind in einen straff organisierten, stark geregelten Markt eingebunden, der ihnen hohe Planungssicherheit garantiert, aber auch wenig Handlungsspielraum ermöglicht.

«Wir befinden uns in einem Markt, in dem wir nicht so stark abhängig sind vonden Direktzahlungen», sagt Eierproduzent Thomas Münger. Tatsächlich machen sie am Gesamtumsatz seines Betriebs gut 10 Prozent aus. «Eigentlich hätte ich lieber drei Rappen mehr pro Ei», fügt der Landwirt aus Diemerswil BE mit einem Schmunzeln hinzu.

Deutscher Produzentenpreis würde nicht mal das Futter bezahlen

Ein Ei zu produzieren koste ihn inklusiver eigener Arbeitskosten zwischen 23 und 26 Rappen, so Münger auf die Frage eines Journalisten. Anlässlich der Neujahresmedienkonferenz des Schweizer Bauernverbands (SBV) hat sich eine ganze Schar davon auf Müngers Hof versammelt. Mit dem in Deutschland bezahlten Produzentenpreis von 7 Cent pro Ei könnte er nicht einmal die Futterkosten decken, erläutert Münger weiter.

Bekannt ist, dass eine 100-prozentige Familienarbeitskraft in der Schweizer Landwirtschaft 2013 im Schnitt einen Arbeitsverdienst von 47 00 Franken erzielte. Wie hoch denn Thomas Müngers Verdienst sei, will ein anderer Schreiberling wissen. «Er liegt darüber», mehr lässt sich Münger nicht entlocken.

Aus der Milchproduktion ausgestiegen

2005 haben Thomas Münger und seine Frau Damaris den idyllisch gelegenen Betrieb mit Blick auf die Alpen übernommen, den seine Vorfahren in den 1920er-Jahren gekauft haben. Zuvor bewirtschafteten sie ihn zehn Jahre lang in einer Generationengemeinschaft mit Thomas Müngers Vater. Als er sich erstmals für die Legehennenhaltung interessierte, herrschte bei den Eiern eine ähnlich unübersichtliche Situation wie heute auf dem Milchmarkt. Bis 2010 hatten Müngers auch noch Milchkühe. Aber weil der Milchpreis stetig sank und der Stall dem neuen Tierschutzgesetz nicht mehr genügte, stieg die Familie aus der Milchproduktion aus.

Mittelgrosser 
Eierproduzent

Heute tummeln sich in den zwei Ställen mit zwei Herden insgesamt 9000 Legenhennen. Damit gehören Müngers zu den mittelgrossen Eierproduzenten.Hierzulande sind Höchstbestände bis zu 18'000 Tiere erlaubt. «Im Ausland könnten Sie einfach noch eine Null anhängen», sagt Thomas Münger. Seine Hennen legen pro Tag rund 8500 Eier. Für deren Verkauf hat Münger einen Vertrag mit der EiCo, einer auf Eierhandel spezialisierten Fenaco-Tochter mit Sitz in Bern.

Abnehmer plant Ein-
und Ausstallungen

Der Eiermarkt ist straff geregelt und durchorganisiert. Drei bis vier Firmen beherrschen ihn, eine davon ist die EiCo. Deren Lieferanten beziehen das Futter von der UFA, einer weiteren Fenaco-Tochter. Die Junghennen bezieht Münger von der Firma Burgmer Geflügelzucht in Weinfelden TG. Die EiCo plant Ein- und Ausstallungen: «So ist garantiert, dass die Nachfragehochs an Weihnachten und Ostern gedeckt sind und das Sommerloch überbrückt werden kann», erklärt Münger das System.

Dieses Jahr allerdings gab es kein eigentliches Sommerloch, weil es zu kalt war. Die Grillsaison fiel für die Fleischproduzenten ins Wasser, dies wiederum war der Gewinn der Eierbranche, weil die Konsumenten weiter fleissig Eier verspeisten.

1000 Eier pro Tag direkt vermarktet

Durch den straff organisierten Eiermarkt profitiert die Familie Münger von einer grossen Planungssicherheit. Diese bringt aber einen beschränkten Handlungsspielraum und eine grosse Abhängigkeit mit sich. Deshalb setzt die Familie zusätzlich auf Direktverkauf, ein Betriebszweig, den Bäuerin Damaris Münger aufgebaut hat. Mit einem Minibus beliefert sie Private, Bäckereien, Läden, Altersheime und Restaurants in der Nähe. Mittlerweile werden rund 1000 Eier pro Tag direkt vermarktet, Tendenz steigend. Seit Damaris Münger eine Aushilfe hat, kann sich die Familie auch wieder Sommerferien gönnen. Vorher war dies jahrelang nicht möglich.

Neben Schaleneiern werden auch Eimasse und gekochte Eier aus Schweizer Produktion verkauft. Der direkte Kontakt zum Konsumenten bringe viel Motivation, sagt Thomas Münger. Und: «Was die Konsumenten wollen, ist nicht immer das, was in der Zeitung steht.» Seiner Erfahrung nach ist den Konsumenten Folgendes wichtig: erstens die Haltung, zweitens würden sie den Produzenten kennen wollen und «frühestens an dritter Stelle kommt der Preis».

Getreide anbauen aus 
«moralischer Verpflichtung»

Der Betrieb der Familie Münger ist 27 ha gross, davon sind 14 a gepachtet. Neben der Eierproduktion halten Müngers 20 bis 25 Aufzuchtrinder im Aufzuchtvertrag. Sie bauen 6 ha Futterweizen, 3 ha Zuckerrüben, 1,5 ha Triticale und 1,5 ha Mais an. Dazu kommen 6 ha Wiesen inklusive Ausgleichsflächen und Hühnerweide. Das Getreide baut Thomas Münger aus «moralischer Verpflichtung» an, um einen Beitrag an den Engpass an Schweizer Futter zu leisten.

Für 2015 wünscht sich der Vater von vier Kindern ein Jahr «ohne Skandal und Negativschlagzeilen». Ein Schweizer Eierskandal wäre nämlich fatal, hält er fest.     

Jeanne Woodtli

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