Auswandererblog
Publiziert: 24.11.2015 / 12:20
Eigentlich Beginn der Trockenheit

Der November brachte auf dem Betrieb von Auswandererin Mirka Lötscher in Nicaragua für die Jahreszeit unüblich viel Regen. Aber dieser war auch bitter nötig.

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Die diesjährige Regenzeit, offiziell von Juni bis Oktober, bereitete uns grosse Sorgen. Die Auswirkungen werden wir in der nächsten Trockenzeit bestimmt noch zu spüren bekommen. Aber vorerst sind wir unendlich froh, dass der November wenigstens noch aussergewöhnlich viel Regen brachte.

Die schwache Regenzeit war entmutigend: geringe Mais- und Bohnenernte, ausgetrocknete Wasserquellen und Flüsse mit einem prekären Wasserstand. Zwischendurch gab es zwar kleine Hoffnungsschimmer, wenn es einige Tage wieder mehr regnete, aber die Trockenheit holte uns jeweils schnell wieder ein. Während einer solchen regnerischen Phase säten wir relativ spät noch Hirse. Im Nachhinein gesehen war dies eine sehr gute Entscheidung. Denn der November zeigte sich von der nassesten Seite. Den etwa zweieinhalb Hektaren Hirse geht es sehr gut. Etwa die gleiche Menge Hirse streuten wir breit (säten wir nur oberflächlich). Dieser Teil überlebte eine dreiwöchige Trockenphase gleich nach der Saat nicht.

Mais ernteten wir im Vergleich zum letzten Jahr wie erwartet sehr wenig. Trotzdem waren unsere Arbeiter einige Tage beschäftigt, den Mais für das Trockensilo herzurichten. Zuerst entkernten sie den grössten Teil der Kolben mit der Maschine. Die für die folgende Saat selektionierten Kolben hingegen, entkernten sie von Hand, was für die Samen viel schonender ist. Auf einem Gitter säuberten die Arbeiter dann den Mais. Er wurde von Restspreu, Spindelteilchen und ersten Konservierungsschädlingen befreit (siehe Foto 2).

Unterhalb dieses Gitters befindet sich ein Paradies für die frisch geschlüpften Küken unserer Truthenne. Die herunterfallenden Insekten sind neben den kohlenhydratreichen Maisstückchen ein willkommenes Eiweissfutter.

Von wegen Truthenne: der genaue Beobachter kann auf dem Foto feststellen, dass es sich um frisch geschlüpfte Hühnerküken handelt. Wir hatten der Truthenne Hühnereier unterlegt, die sie erfolgreich ausbrütete. Mit der eigenen Brut der Truthenne hatten wir sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Keines der geschlüpften Küken hatte den ersten Monat überlebt.

Unsere Truthenne ist eine ausgezeichnete Leihmutter. Nur die Truthenne bringt die Küken unter das Gitter, die Hühnermütter sind viel zu scheu. Auch für unseren Sohn Dario hat die Truthenne Vorteile. Sie lässt ihn grosszügig zu den Küken heran, so dass er bereits eine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Die Mutterhühner hingegen verteidigen ihre Küken so energisch, dass man Angst haben muss, sie könnten ihm in die Hand oder noch schlimmer ins Auge picken, wenn er sich zu ihnen hinunter beugt.

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

BauZ

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