Direktverkauf
Publiziert: 27.05.2015 / 09:18
Direktvermarktung: Detailreiche Auflagen

Veredelte Produkte vom Hof für den Verkauf müssen deklariert werden. Dabei gilt es einiges zu beachten.

Mit grosser Leidenschaft werden Produkte vom Hof für die Vermarktung hergestellt und für die Kundinnen und Kunden im Hofladen oder am Markstand präsentiert. Ein schönes Produkt ist immer auch eine Visitenkarte für den Betrieb. Zu einem qualitativ guten Produkt gehört deshalb auch die korrekte Kennzeichnung auf einer ansprechend gestalteten Etikette. Das schafft Vertrauen bei Kundinnen und Kunden, steigert den Wiedererkennungswert und nimmt Mitbewerbern im Lebensmittelsektor den Wind aus den Segeln.

Das Lebensmittelgesetz und die verschiedenen dazugehörigen Verordnungen gelten in der ganzen Schweiz, für alle Betriebe und Personen, die mit Lebensmitteln arbeiten. Das heisst: Wer Lebensmittel herstellt, verarbeitet, behandelt, lagert, transportiert, kennzeichnet, anpreist oder abgibt, ist aufgefordert, die entsprechenden Verordnungen korrekt umzusetzen. 

Direktvermarktungsbetriebe haben also die gleichen Anforderungen zu erfüllen wie andere Lebensmittelbetriebe. In den Kantonen ist das jeweilige Amt für Verbraucherschutz (Lebensmittelkontrolle) mit dem Vollzug beauftragt. Konsumentinnen und Konsumenten werden so vor Lebensmitteln, welche die Gesundheit gefährden, können aber auch vor Täuschung geschützt, ausserdem wird der hygienische Umgang mit Lebensmitteln sichergestellt. 

Von den Ansprüchen als Konsument ausgehen

Die Umsetzung der verschiedenen Verordnungen aus dem Lebensmittelbereich gehört  zum Betriebszweig Direktvermarktung wie das Fachwissen zur Lebensmittelverarbeitung und die korrekte Verbuchung in der Buchhaltung. 

Ist man selber als Konsument unterwegs und kauft Lebensmittel ein, schätzt man die verlässlichen Angaben auf der Produkt­etikette, am Gestell oder eine klare Auskunft der Verkäuferin. Brütet man hingegen als Produzent(in) über der korrekten Kennzeichnung der hofeigenen Produkte, ist nicht immer alles auf Anhieb klar.  Die verschiedenen Anforderungen scheinen manchmal schier unendlich. Behält man die eigenen Wünsche an die Deklaration von Lebensmitteln im Hinterkopf, steigt die Motivation für die vollständige Kennzeichnung der Hofprodukte. Die Kundinnen und Kunden im Hofladen werden es auch zu schätzen wissen. 

Die Verordnungen finden und anwenden

In der «Verordnung über die Kennzeichnung und Anpreisung von Lebensmitteln» (LKV) sind die allgemein geltenden Angaben zu finden, für die Kennzeichnung von vorverpackten Lebensmitteln. Die spezifischen Anforderungen an die verschiedenen Lebensmittelgruppen sind in separaten Verordnungen festgehalten. Diese Vorgaben gilt es bei der Lebensmittelherstellung und Kennzeichnung ebenfalls umzusetzen. Angaben betreffend Produktionsform oder Label kommen als letzter Baustein dazu. 

Alle Angaben müssen an gut sichtbarer Stelle, in gut lesbarer Schrift und in einer Amtssprache aufgeführt werden. Ein schwungvoller Fantasiename für ein Produkt hat aber durchaus seine Berechtigung. Die korrekte Bezeichnung und Kennzeichnung kann trotzdem stattfinden. Als berühmtes Beispiel kann Coca Cola herbeigezogen werden. 

Mit etwas Übung und Geduld kommt jeder Direktvermarkter zu einer korrekten Produktkennzeichnung. In der Regel werden die Rezepte nicht im Wochentakt angepasst, so kann man auch längerfristig auf die korrekte Kennzeichnung zurückgreifen.  

Den Auftritt des Produkts ergänzen

Eine Produktetikette soll in jedem Fall auch optisch attraktiv sein und den Auftritt des Produkts positiv unterstützen. Je nach Produkt wird die Etikette auch zur gestalterischen Herausforderung. Ein Konzept für alle Produktetiketten ist deshalb unumgänglich. Die Kundinnen und Kunden werden die Produkte so immer wieder erkennen, und für die Kennzeichnung müssen nur noch Textinhalte abgefüllt werden. 

Steht man bei der Kennzeichnung von einzelnen Produkten an, kann die Beratung in Landwirtschaftlichen Zentren oft weiterhelfen. Für sehr komplexe Produkte kann auch eine Firma beigezogen werden, die im Auftrag für eine korrekte Kennzeichnung sorgt. 

Auch bei der Gestaltung von Vorlagen oder Etiketten gilt es herauszufinden, wer die richtige Person dafür ist. Oft findet sich im nahen Umfeld eine Person, die gut, gerne und speditiv am PC arbeitet. Für den Druck bietet sich der eigene oder ein externer professioneller Drucker an. Werden externe Dienstleistungen gezielt in Anspruch genommen, bleiben die Kosten im Rahmen.  Im Gegenzug dazu kann man sich ganz auf die anderen Arbeiten respektive auf die professionelle Herstellung der Produkte konzentrieren.


Lisa Vogt Altermatt, Hauswirtschaft, Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, Gränichen AG

Kennzeichnungsvorschriften


- Sachbezeichnung: Name des Produkts; eine Fantasiebezeichnung oder Handelsmarke alleine reicht nicht.

- Verzeichnis der Zutaten: In mengenmässig absteigender Reihenfolge; Zusatzstoffe mit Gattung, Name oder E-Nr. aufführen (Beispiel: Geliermittel: Pektin). Zutaten, die Allergien auslösen können sind immer aufzuführen. 

- Physikalischer Zustand: zum Beispiel pasteurisiert, geräuchert usw.

- Aufbewahrungshinweis: bei gekühlten oder tiefgekühlten Produkten.

- Datierung: zu kühlende Lebensmittel: zu verbrauchen bis    Alle übrigen Lebensmittel: mindestens haltbar bis   

- Warenlos «L ...»   : kann entfallen, wenn die Datierung (oder das Abpack- oder Erntedatum) mindestens mit Tag und Monat angegeben wird. 

- Menge des Produkts (Gewicht oder Volumen): Bei Produkten wie Essiggurken ist immer auch das Abtropfgewicht anzugeben.

- Name und Adresse: des Herstellers, Verpackers, Verkäufers.

- Produktionsland: Sofern nicht aus der Adresse oder der Sachbezeichnung ersichtlich.

- Grundpreis und Detailpreis: Kann auch auf einem Schild am Gestell vermerkt werden.

lva/Quelle: Amt für Verbraucherschutz, Aargau

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