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Publiziert: 25.01.2015 / 07:06
Bäuerinnenporträt: Das nächste Ziel ist gesetzt

Die Bäuerin Mirjam Weidmann aus Embrach ZH geniesst die Tage im Winter. Im Sommer gibt der Beerenbetrieb die Struktur vor.

Weidmanns Betrieb liegt am Westhang eines Hügelzuges, wenigen Minuten vom Flughafen Kloten ZH entfernt. Mirjam Weidmann bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Werner einen flächenmässig kleinen, aber intensiven Beeren-Betrieb. Das meiste Land liegt in unmittelbarer Nähe zu Wohnhaus und Ökonomiegebäude. Oberhalb der Zufahrts-strasse stehen die Tunnels, in welchen den Sommer über Gemüse wie Tomaten, Peperoni und Zucchetti  gedeihen. Dazu bauen Weidmanns auf einer knappen Hektare auch Bohnen, Mais und Erbsen an.


In einem weiteren Tunnel werden Weidmanns in den kommenden Tagen die Erdbeerpflanzen putzen, damit im Mai die ersten, verfrühten Erdbeeren geerntet werden können. «Die Pflanzen wachsen in der Erde auf Gestellen, das ist praktisch für die Ernte. In den Freilandkulturen müssen wir uns noch genug bücken», sagt die Bäuerin lachend. Am Hang unterhalb des Hauses wachsen die Strauchbeeren: Johannis-, Sommer- und Herbsthimbeeren, Stachel- und  Brombeeren und seit kurzem auch Heidelbeeren.

Familienanschluss für Praktikanten


Freilandgemüse und Beeren werden als Selbstpflückanlagen geführt, ausserdem fährt die Familie dreimal pro Woche auf Märkte in der Region und betreibt in Embrach unter der Woche einen Feierabendstand. Die Arbeit ist klar aufgeteilt: Werner ist für den Ver- und Zukauf im Engrosmarkt und für den eigenen Marktstand zuständig.

Mirjam schaut zu Hause zum Hofladen, zur Selbstpflückanlagen und beaufsichtigt die Praktikanten. «Es ist uns ein Anliegen, dass wir diesen jungen Leuten in den vier monatigen Arbeitseinsätzen auch ein bisschen Familienanschluss vermitteln können. Das ist schon nur von der Sprache her nicht einfach», erklärt sie. «Die einen möchten in dieser Zeit Deutsch lernen, andere lieber Englisch. Und bei Leuten, die aus Tadschikistan oder von noch weiter her kommen, ist die Verständigung an sich schon aufwändig. Aber irgendwie klappt es dann doch, und die Leute sind auch im Kundenkontakt in der Selbstpflückanlage und am Beerenstand einsetzbar.»

Im Sommer werden die Tage lang


Die Arbeitstage im Sommer sind lang. Übriggebliebene Früchte und Beeren werden eingefroren und später verarbeitet. Bei den Konfitüren setzt sie auf konventionelle Mischungen wie Erdbeeren mit Johannisbeeren oder mit Rhabarber oder auf Gelees aus verschiedenen Beeren.

Seit einigen Jahren produzieren Weidmanns auch Pfirsiche und Nektarinen. Den Versuch mit Aprikosen haben sie gestoppt, als sie feststellen mussten, dass die Bäume vom Borkenkäfer befallen wurden. Werner, der viele Jahre im Vorstand der Beerenproduzenten engagiert war, schüttelt nur den Kopf. «Wir standen kurz vor der ersten Ernte und dann das – dieser Wald-Schädling wird vom süsslichen Duft des Holzes angezogen. Viel kann man da nicht machen: so nahe am Wald – die kommen ja immer wieder.»

Dank der ruhigeren Zeit im Winter kann die vierköpfige Familie im Winter regelmässig eine Ski-Woche organisieren. «In den letzten paar Jahren waren wir mit guten Bekannten im Engadin und haben dort neben dem Schnee auch die Gemeinschaft genossen», meint sie in Vorfreude auf die kommende Ferienwoche. Die beiden Jungs sind 12 und 14 Jahre alt; der ältere besucht bereits die Kantonsschule, der Jüngere bereitet sich selbständig auf die Aufnahmeprüfung vor. «Er muss selber arbeiten und ins Gymi wollen – wir unterstützen ihn moralisch – teure Nachhilfestunden braucht es nicht», finden die Eltern.


Geistige und körperliche Herausforderungen


«Mit dem eben begonnen Englischkurs möchte ich bei meinen bereits bestehenden Kenntnissen anknüpfen. Ich  hoffe, dass ich so mit unseren künftigen Praktikanten besser kommunizieren kann», erzählt die Mittvierzigerin. In den letzten Jahren hat sie Malkurse im Dorf besucht und mit Freude verschiedene Techniken ausprobiert.


Und als Ausgleich zur körperlichen Arbeit auf dem Betrieb hat sie wieder angefangen zu laufen. Ihr Jahresziel ist ein paar Läufe in der Halbmarathon-Distanz zu absolvieren. «Seit ich mit einem regelmässigen, selbständigen Training angefangen habe, merke ich, wieviel Spass mir das Laufen macht. Natürlich liegen keine Samstagsläufe drin wegen unseres Betriebes, aber am Hallwiler-, am Greifensee- und am Rheinfall-Lauf  habe ich teilgenommen. Und dabei habe ich gespürt, dass ich das gut schaffe und es mich zufrieden macht», und stolz zeigt sie Startnummern und ein Foto von unterwegs.


Margreth Rinderknecht

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