Auswandererblog
Publiziert: 22.07.2015 / 08:24
Auswandererblog: Tierische Transportmittel

Als ich letztes Mal über das Kastrieren geschrieben habe, ist mir plötzlich aufgefallen, dass ich noch nichts über die Wichtigkeit unserer Pferde und Maultiere berichtet habe. Das werde ich jetzt nachholen.

Vor allem die Maultiere, aber auch die Pferde, sind aus dem täglichen Finca-Leben nicht wegzudenken. Das Verhältnis der Menschen zu diesen Tieren ist aber im Vergleich zur Schweiz eine ganz nüchterne. Sie bekommen nicht einmal wirkliche Namen. Man nennt sie „die Stute“, „das Maultier“, manchmal erhalten sie gemäss ihrem Verhalten oder aus anderen Gründen Übernamen  wie „der Ausschlagende“ oder „das Zwiebelfeld“. Auf der Finca haben wir zwei Stuten mit Fohlen, einen Wallach und vier Maultiere.

Die Maultiere sind für den Transport von schweren Lasten nicht zu überbieten. Zum Beispiel tragen sie die beiden 40-Liter-Milchkannen ohne Probleme bis nach San Dionisio in die Käserei. Zusätzlich ist ihr sicherer Tritt in unwegsamem Gelände ein grosser Vorteil. Die Pferde sind etwas weniger robust, dafür aber schneller,  ihr Gang ist für den Reiter oft angenehmer und sie lassen sich leichter führen.

Maultiere werden jedoch, wahrscheinlich wegen ihrer breiteren Einsatzmöglichkeit, teurer gehandelt als die Pferde. Wir haben unter anderem aus diesem Grund entschieden, unsere Stuten in Zukunft von einem Eselhengst decken zu lassen.

Sind die Pferde und Maultiere nicht im Einsatz, können sie sich frei auf der Weide aufhalten. Einen Stall oder Unterstand gibt es nicht. Wird ein Tier gebraucht, muss es mit dem Lasso eingefangen werden. Doch einmal am Halfter sind sie erstaunlich zahm und willig. Das gesattelte Tier steht dann den ganzen Tag für irgendwelche Tätigkeiten zur Verfügung. Nur das Maultier, das die Milch zur Käserei bringen musste, hat nach getaner Arbeit «Feierabend».

Die Arbeiten, welche beritten ausgeführt werden, sind vielfältig: Treiben der Kühe, Kontrollritte auf dem weitflächigen Weideland, Aufsuchen der Arbeitergruppen oder Transporte verschiedenster Materialien. Sogar Gäste kommen gelegentlich zu einem berittenen Ausflug.

Auch ich beginne jetzt, da Dario etwas älter geworden ist, die Möglichkeit zu einem kleinen Ausritt zu nutzen. Um das Einfangen mit dem Lasso zu umgehen (das ich ohne Garantie auf Erfolg noch lernen müsste), startete ich einen Versuch eine der Stuten mit Mais anzulocken. Ich habe der angebundenen Stute zweimal etwas Mais in einem Plastikgefäss zu fressen angeboten. Danach habe ich versucht, sie mit diesem von der Weide zu holen.Das klappte nach wenigen Malen bestens. So kann ich in Zukunft auch kurzfristig Ausritte planen, da ich nicht auf einen Lassokünstler warten muss.

Übrigens: Wie Tierärzte gibt es in der Umgebung auch keine Hufschmiede. Hier wird kalt beschlagen und das machen Jaime oder Juan selber.

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

BauZ

 

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1 Kommentar
Anja - 29.09.2015 09:12:17
WOW...Alles ohne Auto oder Lkw wie in früheren Zeiten wird das Vieh als Troansportmittel benutzt. Klar Schade ist es, dass sie keinen hohen Wert haben mit Namen so wie wir es kennen. Aber ich denke die Leute dort kennen es nciht anders :-) Freue mich von dir zu lesen und denke einen größeren Transport mit Klavier und kompletter Einrichtung planst du mit einem <a href="http:\/\/www.multitransport.ch\/dienstleistungen\/offertanfrage\/offerte-klaviertransport">Klaviertransport Zürich oder Multi Transport<\/a>. Vielen Dank für den netten Beitrag :-)

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