Auswandererblog
Publiziert: 04.08.2015 / 07:17
Auswandererblog: Strenge Zeit

Etwa drei Wochen lang hatten wir keine Haushaltshilfe. Ich fühlte mich ziemlich erschöpft und hatte keine Zeit für andere Dinge. Zudem musste ich den Umgang mit dem Feuerherd lernen.

Aus verschiedenen Gründen wollte unsere Nachbarin, die Frau des Chefarbeiters, nicht mehr für uns arbeiten. Die Suche nach einer neuen Haushälterin stellte sich als schwierig heraus. Ich brauchte vor allem eine Hilfe für den Vormittag. Deshalb sollte diese Person in der Nachbarschaft wohnen. Das schränkte die Auswahlmöglichkeiten natürlich ziemlich ein. Wir blieben erfolglos.

Dario betreuen, Kochen, Haushalt, Hunde, Hühner und Garten liessen sich kaum von mir allein bewältigen. Zum Glück ist Dario bereits etwas älter und gibt weniger zu tun. Er spielte meistens mit dem dreijährigen Nachbarsmädchen in der Nähe des Hauses, entweder in meiner oder der Sichtweite der Nachbarin.

Meine Küche – wie auch viele Küchen in den Haushalten im Dorf – besteht aus zwei Teilen: dem Gasherd, der bei uns im Haus steht und dem Feuerherd, der in einem separaten Holzlattenhaus neben dem Haus steht. Letzteren braucht auch meine Nachbarin.

Zuerst einmal musste ich lernen, wie ich ohne Zeitungspapier ein Feuer entfachen konnte. Mit einer Machete stellt man aus einem grossen Holzscheit feine Holzspäne her. Über diesen verbrennt man einen schwarzen Plastiksack oder ein Stück eines kaputten Plastikgefässes. Dies funktioniert fast so gut wie das Begiessen mit Benzin.

Auf dem Feuer werden vor allem Dinge gekocht, die eher lange dauern, denn Holz haben wir auf der Finca genug bzw. es kostet weniger als Gas.

Alle zwei Tage musste ich Hirsekörner kochen, welche ich gemischt mit Hühnerpfoten und –köpfen, unseren vier Hunden verfütterte. Alle vier bis fünf Tage säuberte ich zwei Kilo Bohnen und kochte sie auf dem Feuer. Auch das Säubern hat seine Tücken. Zuerst müssen die Blätter und Hülsen mit Hilfe des Windes von den Bohnen getrennt werden (siehe Foto).

Danach müssen von Hand schlechte Bohnen, Steinchen und Erdklümpchen aussortiert werden. Nach dem Waschen, liess ich die Bohnen über Nacht einweichen. Komischerweise machen das nur wenige Nicaraguanerinnen. Weshalb, habe ich (noch) nicht herausgefunden.

Während des Kochens muss man immer wieder Holz nachschieben. Da meine Holzküche nebenan steht und unser Leben sich im Haus abspielt, bedeutete das für mich ständig hin- und her zu rennen.

Mit dem Kochen der Bohnen ist erst die Bereitstellung des Grundnahrungsmittels erledigt. Dreimal pro Tag muss dann eine warme Mahlzeit mit weiteren Zutaten bereitgestellt werden. Manchmal habe ich bis acht hungrige Mäuler und oft noch zu verschiedenen Zeiten zu versorgen.

Seit gestern arbeitet unsere Nachbarin wieder mit vollem Einsatz in unserem Haus. Die Arbeiten können nun wieder aufgeteilt werden und ich kann mich mehr um die in letzter Zeit vernachlässigten Belange kümmern.

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

BauZ

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