Auswandererblog
Publiziert: 30.09.2015 / 08:23
Auswandererblog: Hat die Kaktusfrucht Zukunft?

Mirka Lötscher ist mit ihrem Ehemann Jaime Ende 2013 in dessen Heimat Nicaragua ausgewandert, um dort den familieneigenen Hof zu übernehmen. Für die "BauernZeitung" berichtet sie alle zwei Wochen aus ihrem Leben. Die anhaltende Trockenheit bereitet der Familie Sorgen.

Die Hoffnung auf ein niederschlagsreiches Ende der Regenzeit schwindet. Der Fluss in der Nähe der Finca führt weniger Wasser, als ich je gesehen habe. Nicht auszudenken, was in der nächsten Trockenzeit geschehen wird. Viele Familien, beziehungsweise die Frauen, sind auf das Wasser des Flusses für die Wäsche der Kleider und die Körperpflege angewiesen.

Auf unserer Finca gibt es nur noch eine Wasserquelle (beim Stausee), die aber zum Glück noch alle Bedürfnisse zu decken vermag. Rinder und Kühe müssen täglich zum Tränken dorthin getrieben werden. Es wäre nun an der Zeit, Hirse oder nochmals Bohnen zu säen, aber ohne Regen besteht wenig Hoffnung auf Ernteerfolg. Die Stimmung im Haus ist oft bedrückt und zunehmend fehlt die Motivation, Neues anzupacken. Vor allem Jaime ist häufig niedergeschlagen und grübelt über die Zukunft.

Jaime pflanzte mit den Arbeitern im April, als ich in der Schweiz war, Pitahaya an. Es ist eine Kaktusfrucht, die in diesem trockenen Klima eventuell eine Zukunft hat. Diese Frucht hat mich schon immer fasziniert. Sie ist grellrot und färbt ähnlich wie Randen. Im Geschmack ist sie nicht sehr aussergewöhnlich, aber doch lecker. In Nicaragua wird sie vor allem zu einem Getränk verarbeitet.

Die Pitahayapflanze braucht Stützpfosten, um daran hochwachsen zu können. So haben wir neben den Kaktusstücken lebende Pfosten gesetzt; das sind Äste von speziellen Bäumen, die selbst wieder austreiben. Um genügend Platz für die Ernte zu haben, werden sie in grossen Reihenabständen gepflanzt. Ich nutzte die Abstände, um dazwischen verschiedene Gemüse zu säen.

Ich säte zu Beginn der Regenzeit verschiedene Kürbispflanzen, Wassermelonen, Melonen, Gurken und Papayas. Zusätzlich konnte mir ein Arbeiter von uns Karottensamen besorgen und hat mir Tomaten- und Peperonisetzlinge verkauft. Viele der gesäten Pflanzenvertrockneten, bevor ich etwas ernten konnte. So assen wir zum Beispiel nur ein paar winzige Wassermelonen. Die Tomaten und Peperoni litten neben Wassermangel auch an verschiedenen Schadinsekten. Da muss ich noch einiges dazulernen, möchte ich nicht die hier üblichen Insektizide spritzen. Nur für die Karotten hatte es offenbar zur richtigen Zeit genügend Feuchtigkeit; sie sehen prächtig aus. Mal sehen, wie viel ich ernten werde.

Mirka Lötscher

Die Bloggerin

Mirka Lötscher ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Ihre Ausbildung als Ing. Agronomin führte sie zu einer Arbeitsstelle am Inforama Bern. Sie ist mit Jaime aus Nicaragua verheiratet. Er ist ebenfalls Agronom und für die ersten gemeinsamen Jahre in die Schweiz gekommen. Ende 2013 sind die beiden mit ihrem kleinen Sohn Dario nach Nicaragua ausgewandert, um die Finca von Jaimes Familie zu übernehmen.

BauZ

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