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Schweiz-International
Publiziert: 03.03.2014 / 14:40
Neuer Verein will einen Kurswechsel in der Agrarpolitik

Mitte Januar entstand aus der Gruppe Joder/Graber der neue «Verein für eine proudzierende Landwirtschaft». Heute stellte der Verein sein Arbeitsprogramm den Medien vor.

Die Kulisse passte: Der schöne, noch keine zwei Jahre alte Kuhstall von Brigitte und Roland Knutti in Riggisberg BE. Hier präsentierte der «Verein für eine produzierende Landwirtschaft» (VPL) heute sich und sein Arbeitsprogramm.

Im am 14. Januar gegründeten Verein hat sich die ehemalige Gruppe Joder/Graber neu organisiert. Der VPL soll ein «Verein von Praktikern für Praktiker» sein, wie Sekretärin Vanessa Lincoln eingangs festhielt.

Der Verein wolle die Bedürfnisse der praktizierenden Landwirte erfassen und politisch angehen. Dies könne aber nur funktionieren, wenn zum einen Praktiker und zum anderen Personen mit den entsprechenden politischen Möglichkeiten am Werk seien.

Kurze Dienstwege


Im Vorstand des Verens sitzen daher kantonale und nationale Politiker, denen es möglich ist, entsprechende politische Massnahmen zu ergreifen. Präsident ist Nationalrat Rudolf Joder (SVP/BE), weitere Vorstandsmitglieder sind die beiden Berner Grossräte Thomas Knutti (Vizepräsident) und Samuel Graber (beide SVP). Die weiteren Mitglieder des Vorstandes sind entweder praktizierende Landwirte oder haben einen starken familiären Bezug dazu. «Der Verein hat keine langen Dienstwege oder komplizierte Gremien, er kann daher schnell und direkt agieren», so Vanessa Lincoln.

«Schrumpfungsprozess»

Die Hauptaktivität des VPL solle die Agrarpolitik sein, wie Präsident Rudolf Joder erläuterte. «Wir sind alle Zeugen eines totalen Schrumpfungsprozesses», schlug er Alarm und lieferte die Zahlen dazu: In den letzten 12 Jahren seien 13'000 Bauernbetriebe und 42'000 landwirtschaftliche Arbeitsplätze verschwunden. Die landwirtschaftliche Nutzfläche reduziere sich jährlich um mehr als 2000 ha. Das landwirtschaftliche Einkommen sei seit 1990 von 4,3 auf 2,7 Milliarden Franken geschrumpft.

Joders Fazit: «Die bisherige Landwirtschaftspolitik war und ist nicht erfolgreich.» Zu den Verlierern gehörten vor allem auch mittlere und kleine Betriebe im Berggebiet, doppelte Samuel Graber nach: «Im Berggebiet werden nur grossflächige Betriebe mehr Geld abholen können, die kleineren und mittleren Betriebe müssen ohne Tierbeiträge einmal mehr ums Überleben kämpfen.»

Ernährungssicherheitsinititative

Was also tun? Ein erster Schritt ist für den VPL die Initiative für Ernährungssicherheit, die er gemeinsam mit dem Schweizer Bauernverband (SBV) lanciert hat. «Mit einer hohen Unterschriftenzahl muss politisch Druck auf den Bundesrat und das BLW ausgeübt werden», hielt Rudolf Joder fest.

Weitere Ziele des Vereins: Die Inhalte der künftigen Agrarpolitik 18ff mit parlamentarischen Vorstössen beeinflussen und konkretisieren, die Extensivierung der AP sei zu korrigieren, die AP müsse mehr auf die Produktion ausgerichtet werden.

Selbstversorgungsgrad halten

Weiter soll der Selbstversorgungsgrad der Schweiz nicht weiter sinken, wenn es nach dem VPL geht. Der Wert und die Bedeutung von hierzulande hergestellten, landwirtschaftlichen Nahrungsmitteln will der Verein durch Information und Marketing stärken.

Der Staat müsse seine Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft verbessern. Und: «Zum Schutz der Ernährungssicherheit ist die Einfuhr von Lebensmitteln zu beschränken», sagte Rudolf Joder. Er will dazu eine parlamentarische Initiative lancieren.

Ein Dorn im Auge ist dem VPL auch der adminstrative Aufwand, dieser sei massiv zu reduzieren. Grossrat Thomas Knutti hat dazu heute eine Motion namens «weniger Bürokratie in der Landwirtschaft» eingereicht. Diese fordert den Berner Regierungsrat auf, den administrativen Aufwand zu reduzieren und die Betriebskontrollen auf ein Minimum zu beschränken.

Konkret sollen Betriebe, bei denen keine grundsätzlichen Veränderungen vonstatten gingen, nur noch alle fünf Jahre kontrolliert werden. Weiter sei die Anzahl von Verwaltungsangestellten beim Amt für Landwirtschaft und Natur (LANAT) zu reduzieren. Kurz: «Der Bürokratie-Dschungel muss ausgemistet werden!», wie es Thomas Knutti pointiert formulierte.

Nicht alle vier Jahre eine neue AP

Weiter möchte der VPL vom 4-Jahresrhythmus in der AP wegkommen. Für mehr Planungs- und Investitionssicherheit brauche es längere Übergangsfristen: «Ein dringendes Anliegen, dass der Landwirtschaft auch wieder etwas Sicherheit in Bezug auf Landwirtschaftliche Um- und Neubauten geben wird», sagte Samuel Graber dazu.

Der Verein für eine produzierende Landwirtschaft hat seine Mitgliederwerbung gestartet und wird sich in nächster Zeit an verschiedenen Veranstaltungen präsentieren.

Jeanne Woodtli

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