«In den letzten drei Jahren hatten wir immer einen grossen Befall mit Kartoffelkäfern», schilderte Mirjam Lüthi, die bei IP-Suisse für die Kartoffeln zuständig ist. Man habe so viele Sonderbewilligungen für den Einsatz von Coragen ausstellen müssen, dass es nicht mehr zum Mehrwert des Käfer-Labels gepasst habe.
«Ausserdem hat ein Resistenzmonitoring gezeigt, dass die Wirkung von Audienz gegen Kartoffelkäfer abnimmt», so Lüthi weiter. Daher hat die Labelorganisation ihre Richtlinien angepasst und setzt neu eine mindestens zweimalige Anwendung des Bakterienpräparats Novodor voraus, bevor mit Sonderbewilligung Audienz oder ein chemisch-synthetisches Insektizid eingesetzt werden darf. Vor diesem Hintergrund informierten Mirjam Lüthi sowie Delia Schenk und Timon Wyss von Andermatt Biocontrol über die korrekte Anwendung von Novodor.
Zum Zeitpunkt der höchsten Eischlupfrate
Damit Novodor seine volle Wirkung entfalten kann, ist das richtige Timing entscheidend. «Der beste Zeitpunkt ist zur Zeit der höchsten Eischlupfrate», erklärte Timon Wyss. Denn das Bakterienpräparat wirkt am besten gegen möglichst junge Kartoffelkäferlarven in den ersten beiden Stadien (L1 und L2).
Die zweite Behandlung sollte anschliessend 8–10 Tage später erfolgen. Zu dieser Zeit sind die Larven bereits in unterschiedlichen Stadien vorhanden, weshalb eine höhere Dosierung empfohlen wird – Novodor wirke aber durchaus auch dann noch. Während für den ersten Einsatz – gegen die kleinsten Larven – eine Aufwandmenge von 3–5 L/ha empfohlen wird, rät Wyss für die zweite Behandlung zum Maximum von 5 L/ha.
Am besten abends oder am frühen Morgen
«Ideal ist es, Novodor am Abend oder am frühen Morgen auszubringen», ergänzte Timon Wyss. Die Larven seien vorwiegend nachtaktiv, weshalb vor einem Regenfall mindestens eine trockene «Frassnacht» liegen sollte. Da das biologische Mittel, solange es nicht angetrocknet ist, nicht vollständig UV-stabil ist, sei eine Applikation bei vollem Sonnenschein zu vermeiden.
Im Feld auf Eier und Larven kontrollieren
Um den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, führt kein Weg an Feldkontrollen vorbei. «Die Eier von Kartoffelkäfern sind orange – im Gegensatz zu jenen von Marienkäfern, die gelb sind», sagte Delia Schenk. Die Gelege befinden sich an der Blattunterseite, die Larven schlüpfen 10–14 Tage nach der Eiablage.
«Je nach Temperatur kann es schneller gehen», bemerkte Timon Wyss. Novodor sollte eingesetzt werden, wenn die kleinen Larven (bis 3 mm, mit schwarzem Hinterkopf) erscheinen. Ohne Regen ist zu erwarten, dass die Wirkung bis zur zweiten Behandlung 8–10 Tage später anhält.
Die Zugabe eines Haftmittels kann die Regenfestigkeit verbessern. Für die Menge Spritzbrühe gaben die Andermatt-Vertretenden mind. 300 L/ha Wasser für 5 L Novodor als Richtwert an. Sie rieten aber, bei grossen Stauden eher mehr Wasser zu nehmen, um den Bestand gut durchdringen zu können.
Wenn Regen droht, sollte das Mittel idealerweise zwei Tage vor dem Niederschlag ausgebracht werden, damit es antrocknen kann. Bei Bedarf sei auch eine dritte Behandlung problemlos möglich.
Nicht sofort tot, aber sofortiger Frassstopp
Zwar tötet das Bakterium Bacillus thuringiensis tenebrionis, das in Novodor enthalten ist, die Kartoffelkäferlarven nicht sofort. «Das Bio-Insektizid wirkt langsamer als die chemischen Alternativen. Die getroffenen Larven fallen nicht direkt bei Kontakt mit Novodor tot zu Boden, sondern es muss als Frassgift aufgenommen werden», hielt Timon Wyss fest.
Zumal bei Novodor die Larven bekämpft werden, nicht die adulten Käfer. Aber es kommt zu einem sofortigen Frassstopp, der zum Tod führt, wenn die Larven Novodor aufnehmen. «Sie hängen tagsüber lethargisch auf den Blättern, statt sich wie üblich zu verkriechen», beschrieb Wyss die Wirkung.
Manchmal sei auch Erbrochenes vor den Larven zu erkennen. Nützlinge kommen durch Novodor nicht zu Schaden, es gilt als sehr nützlingsschonend. Im Gegensatz zu Spinosad kann man so auch weiterhin auf Marienkäfer zählen, die die Blattläuse unter Kontrolle halten.
IP-Suisse-Prämie für Kartoffeln um zwei Franken erhöht
Weil Novodor relativ teuer ist, hat IP-Suisse die Prämie für ihre Labelkartoffeln um zwei Franken auf neu 6,50 Franken/dt erhöht. «Die Abnehmer sind bereit, diesen Mehrwert zu bezahlen», sagte Mirjam Lüthi. Man plane ein Monitoring und eine Produzentenbefragung zum Ende der Kartoffelsaison, um die Erfahrungen mit Novodor zu sammeln.
Risikoentschädigung zwischen 100 und 1000 Franken
Mit der erhöhten Prämie resultiert ein Mehrerlös von 600 Fr./ha, Mirjam Lüthi vor. Falls ein Betrieb alle seine Kartoffelflächen mit Novodor statt chemisch-synthetisch schützen kann, erhöht sich der potenzielle Mehrerlös dank des Produktionssystembeitrags (PSB) zum Verzicht auf Pflanzenschutzmittel um 800 Fr./ha.
Bei Kosten für Novodor zwischen rund 400–500 Franken (zwei Behandlungen inklusive Zeitaufwand für die nötigen Feldkontrollen und Beigabe des empfohlenen Haftmittels) resultiert doch eine beachtliche Risikoentschädigung: Mit PSB von rund 900 bis 1000 Franken.
Wer nicht vom PSB profitieren kann, kommt auf rund 100 bis 200 Franken, die vom Mehrerlös dank der erhöhten IP-Suisse-Prämie beim Einsatz von Novodor als Risikoentschädigung übrig bleiben.
Für einen günstigeren Preis zusammen bestellen
Andermatt Biocontrol ermöglicht beim Mittel Novodor, grössere Mengen zu kleinerem Preis zu bestellen. Daher richtete Timon Wyss den Appell an die Landwirt(innen), sich für die Bestellung zusammenzuschliessen.
Geliefert werde dann alles an einen Ort, aber die Rechnung könne das Unternehmen direkt aufteilen, sofern es über alle Beteiligten korrekt informiert werde. Novodor ist kühl zu lagern, am besten bei Temperaturen um 4–10 Grad. So sei es mindestens zwei, gut und gerne aber auch länger haltbar.

