Jonathan Bütikofer ist Direktvermarkter aus Überzeugung. «Der Kontakt zu den Kunden ist mir wichtig, ihnen zu zeigen, woher die Produkte kommen», erklärt er. Seit einem Jahr verkauft der Berner das Fleisch aus Mutterkuh-Haltung in Mischpaketen an Kundinnen und Kunden aus der Region. An einen grossen Abnehmer zu liefern, das sei nicht das Wahre, findet Bütikofer. Daher stehen im neuen Hofladen eigene Quinoa, Teigwaren, Popcornmais, Freilandeier, Süssmost und getrocknete Pilze und können zusätzlich online bestellt werden. Hauptberuflich aber ist der Berner Gymnasiallehrer und hatte nicht vor, in der Landwirtschaft zu arbeiten.

Einst reichte der Betrieb für zwei Familien 

«Meine Eltern haben mir damals davon abgeraten, Landwirt zu werden», erinnert sich Jonathan Bütikofer. Niklaus und Verena Bütikofer sind die 7.Generation auf dem Familienbetrieb und züchteten früher Holstein-Kühe, stellten dann aber aus Wirtschaftlichkeits-Gründen auf Fleischproduktion mit Mutterkühen um. Nun zeigt ihr Sohn in Gummistiefeln auf den alten Stall. «Zu Zeiten meiner Grosseltern konnten noch zwei Familien von diesem Betrieb leben», sinniert Bütikofer. Heute reiche die kleine Mutterkuh-Herde mit 13 Limousin x Braunvieh-Kühen und einem Limousin-Stier sowie 12 Hektaren LN nicht einmal, um für eine Familie den Unterhalt zu sichern.

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In Bütikofers Herde läuft ein Limousin-Muni mit. Die Kühe sind Kreuzungstiere aus Braunvieh x Limousin. 

Keine attraktive Ausganglage, zumal der Berner nach seinem Geografie- und Biologie-Studium mit seiner Lehrerstelle mehr verdienen könnte, als in der Landwirtschaft – «Wenn es ums Geld ginge, würden wird das nicht machen», bekräftigt Jonathan Bütikofer. Aber als er selbst eine Familie gründete und weil seine Eltern das grosse Bauernhaus nur zu zweit nicht recht mit Leben füllen konnten, zog er wieder nach Kernenried. «Meine Frau Andrea ist wie ich auf einem Bauernhof aufgewachsen und wir haben beide schöne Kindheitserinnerungen. Das wünschen wir uns für unsere Kinder auch», erklärt Jonathan Bütikofer.

Betriebsspiegel Freilandfarm

Arbeitskräfte: Klaus und Vreni Bütikofer (Betriebsleitende), Jonathan Bütikofer (Nebenerwerb), Mathias Bütikofer

LN: 12 Ha

Kulturen: Getreide, Popcornmais, Quinoa, Artischocken, Speisekürbisse, Kartoffeln, Kunstwiese, Silomais, Hochstammbäume

Betriebsform: IP Suisse, Verzicht auf Insektizide

Tierbestand: 13 Mutterkühe, ein Muni

Weitere Informationen: https://www.freilandfarm.ch

Weiterhin als Lehrer tätig, aber vorsichtig 

Beide Ehepartner haben ihre Stellen als Lehrkräfte behalten. Die Familie ist damit finanziell abgesichert, was Freiheit zum Ausprobieren schafft. Das nötige Wissen für die Mitarbeit auf dem Betreib, der noch immer hauptsächlich von seinen Eltern geführt wird, holte sich der Bauernsohn im Nebenerwerbskurs auf dem Bio-Schwand in Münsigen.

Zwar entlasten die beiden Einkommen, die vorhandenen Maschinen, die Arbeit der Eltern und die Tatsache, dass Jonathan Bütikofer keinen Pachtzins für die Ackerfläche zahlen muss das Budget, trotzdem geht er vorsichtig vor. Da der Betrieb für die Direktvermarktung nicht unbedingt ideal liegt (abseits viel befahrener Strecken), dient seit zwei Monaten ein Container als Hofladen. «So mussten wir nichts neu- oder umbauen», erläutert Bütikofer. Investitionen würden ihn für Jahre an den Hof binden, um sie zu amortisieren. Der Container ermöglicht es, kostengünstig das Potenzial für einen Hofladen auszuloten.

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Der neue Hofladen ist sorgfältig eingerichtet, jedes Produkt trägt ein selbst entworfenes Etikett. 

Dass es sich um einen Container handelt, ist allerdings kaum erkennbar: Die Fassade ist mit Holz verkleidet und innen wurde ein dunkler Boden eingelegt, auf dem ein grosser Schrank aus dunklem, altem Holz steht. Jedes der Produkte ist in plastikfreie Sandbodensäckchen verpackt und mit einer von Andrea Bütikofer sorgfältig kreierten Etikette versehen. «Freilandfarm» prangt auf den Verpackungen, auf dem Hofladen und auf Plakaten rund um den Hof. Der Name unterstreicht die Haltung im Freien, denn die Mutterkühe stehen nur zwei Stunden pro Tag im Stall. Die restliche Zeit verbringen sie im Laufhof oder auf der nahen Weide.

Produkte für den Hofladen austauschen

Das Angebot im Hofladen möchten Bütikofers möglichst divers gestalten und nehmen auch Produkte anderer Betriebe ins Sortiment auf, um im Austausch etwas von ihnen in deren Hofläden anbieten zu lassen. Sie gehen beim Ausbau ihrer Produktepalette schrittweise vor, fangen klein an und verkaufen alles selbst. Das bringt bisweilen Probleme mit sich. So war bei den 25 Aren Quinoa in diesem Jahr der Anfahrtsweg fürs Dreschen der teuerste Posten. Für die Reinigung konnte Jonathan Bütikofer mit einem Getreidebauern zusammenarbeiten. Glutenfrei ist das Produkt somit nicht, «aber es sind ja auch nur 10 Prozent der Bevölkerung von Glutenunverträglichkeiten betroffen», meint er dazu. Ihn allerdings eingeschlossen, was ihn überhaupt erst auf die Idee mit der Quinoa gebracht hat.

Die Herdengrösse passt auf den Betrieb

Mit der eignen Quinoa den Linsen eines ehemaligen Schulkollegen aus der Region und den Pilzen, die auf Holz aus dem eigenen Wald am schattigsten Platz des Betriebs hinter der Abkalbebox gedeihen, spricht die Freilandfarm auch Vegetarier und Veganer an. Der Popcornmais, den Jonathan Bütikofers Bruder hobbymässig auf einem Streifen Land anbaut, passt ebenfalls zu diesem Sortiment. Für ihn selbst gehören Tiere aber zum Kreislauf dazu: «Unsere Mutterkühe bekommen nur hofeigenes Futter und sie liefern Dünger für die Felder. Kunstwiesen als Weiden bieten dem Boden Ruhe.» Eine grössere Herde würde diesen Kreislauf seiner Meinung nach aber sprengen.

«Vielleicht würde sich auch einmal ein Gastronomie-Betrieb in der Region finden, der unsere Produkte mit entsprechender Herkunftsdeklaration auf seine Karte setzt», überlegt er, während er einen frischen Shiitake-Pilz vom Holz pflückt und dessen Schneehäubchen abschüttelt.

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Die Freilandfarm bleibt ihrem Namen auch bei den Pilzen treu: Die Shiitake wachsen draussen an Baumstämmen aus dem eigenen Wald – auch im Winter. 

Mit Social Media und Infotafeln 

Zusammenarbeiten, ein Netzwerk bilden – das ist auch ein Wert der Freilandfarm. Auf der Website des Betriebs sind alle Partner angegeben, sei es der Metzger in Aefligen, die Teigwarenhersteller in Büren zum Hof oder der Linsenproduzent in Niederösch. Um als Direktvermarkter erfolgreich zu sein, braucht es aber vor allem auch einen treuen Kundenstamm. An dem arbeiten Bütikofers noch, mit Zeitungsinseraten, Flyern und Werbung auf Social Media. Letzteres habe sich als die effizienteste Variante herausgestellt, meint Jonathan Bütikofer. Die Mischpakete mit Fleisch werden vor Ort abgeholt, «das ist gut, so nimmt der eine oder andere noch etwas aus dem Hofladen mit». Um die Kunden über den Hof und die Mutterkuh-Haltung zu informieren, zieren diverse Tafeln die Wand des Bauernhauses. «Das gab schon eine Diskussion mit meinem Vater, als ich erstmal für 500 Franken Infotafeln bestellt habe», erinnert sich Jonathan Bütikofer mit einem Blick auf die farbenfrohe Sammlung.

Vielfältiger statt grösser 

Grösser werden ist nicht das Ziel der Freilandfarm. Aber vielfältiger soll der Betrieb in Zukunft sein. «Wir haben noch sehr viele Ideen», versichert Jonathan Bütikofer. Viele Ideen – und auch eine Vision: Irgendwann soll es wieder möglich sein, mit dem Betrieb eine Familie zu ernähren. Die Direktvermarkung mit ihrem Kundenkontakt, der lokalen Wertschöpfung und besseren Margen ist für ihn der richtige Weg dorthin.