Bei Kühen, aber vor allem bei Erstkalbenden kommt es häufig am Ende der Trächtigkeit zu einem Euterödem. Normalerweise verschwindet der sogenannte «Fluss» nach dem Kalben innerhalb von zehn bis zwölf Tagen wieder. Bildet sich das Euterödem nach dieser Zeit aber nicht zurück, muss dieses unbedingt behandelt werden.

Schmerzhafte Angelegenheit für das Tier

Ein starkes Ödem kann an mehreren Körperregionen festgestellt werden. «Am auffälligsten ist es an der Brust bzw. Triel, um den Nabel sowie im Bereich des Euters und in seltenen Fällen auch an den Gliedmassen», weiss Iwan Locher. Er ist Tierarzt an der Wiederkäuerklinik der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern.

Weil das geschwollene Eutergewebe und die Zitzen sehr schmerzhaft für die Kuh sind, reagieren die betroffenen Tiere mit einem grösseren Abwehrverhalten während des Melkens. Auch treten Verhaltensweisen auf, die normalerweise bei Euterentzündungen beobachtet werden, so etwa eine verringerte Liegezeit, häufiges Treten im Melkstand und empfindliche Euter und Zitzen.

Schwerwiegende Folgen

Bei einer gewissen Schmerzempfindlichkeit bleibt es aber nicht. «In ganz schweren Fällen, was die Ausnahme darstellt, sterben die Zitzen ab, da die Versorgung mit Nährstoffen nicht mehr gewährleistet ist», sagt Iwan Locher. Auch ist mit Folgeerkrankungen wie Mastitis oder Schenkelfaltendermatitis (eine starke Entzündung der Haut zwischen Euter und dem Innenbein) zu rechnen.

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Daneben wird durch die geschwollenen und empfindlichen Zitzen das Ansetzen der Melkeinheit erschwert; die produzierte Milchmenge ist aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen in den Geweberäumen verringert.

«All diese Elemente haben sowohl kurz- als auch langfristig eine wirtschaftliche Auswirkung auf den Milchviehbetrieb. Wenn die Schäden schwerwiegend sind, können sie zu einer frühzeitigen Ausmerzung der Kuh führen», warnt Iwan Locher.

Was kann also dagegen getan werden?

  1. Bei Rindern hilft vorbeugend eine Salzreduktion im Futter, sagt Iwan Locher. Denn sie würden anders als ausgewachsene Kühe auf (anionische) Salze im Futter reagieren. Locher empfiehlt deshalb für Rinder in der späten Trächtigkeit separates Futter bereitzustellen, um die übermässige Aufnahme von Salzen (Viehsalz und Kaliumchlorid) zu überwachen.
  2. Rinder sollten entweder auf genetische Linien mit geringerer Milchproduktionoder auf Linien die selten/nie von Euterödemen betroffen sind, selektiert werden.
  3. Eine ausreichende Zufuhr von den Vitaminen A, C und E sowie Selen in der Fütterung hilft, um schädigende Stoffwechselprodukte zu reduzieren.

Wenn das Euterödem bereits vorhanden ist, kann mit Medikamenten die Wasserausscheidung gefördert und so die Wasseransammlung in den Geweberäumen reduziert werden. Aber auch vor der Geburt können Medikamente vorbeugend eingesetzt werden. Iwan Locher empfiehlt, für weitere Informationen den Tierarzt zu Rate zu holen.

Mittel der Naturheilkunde

Eine Linderung der Symptome verschaffen auch verschiedene Mittel aus der Naturheilkunde, wie Riccarda Hofmann vonder Tiergesundheitsdrogerie Fischer, Belp BE mitteilt.

Homöopathische Mittel nach Dr. Jürg Waser: Bei der Homöopathie wird Gleiches mit Gleichem bekämpft. «Beispielsweise kann eine Schwellung auch durch Bienengift verursacht werden, weshalb man hier mit einem Präparat aus potenziertem Bienengift, dem Apis vet. comp. von der Firma Herbamed, entgegenwirkt», erklärt die Drogistin. Das Kombiprodukt aus potenziertem Bienengift und weiteren Wirkstoffen, welche die Wirkung unterstützen, regt die Durchblutung im Euter und die Selbstheilung an. Das Produkt wird in flüssiger Form drei- bis viermal täglich ins Maul verabreicht. Apis kann auch als Einzelmittel (Globuli) verabreicht werden.

Schüsslersalze:Nummer 3, 8 und 10 der Schüsslersalze nach Dr. Schüssler tragen ebenfalls zur Linderung bei. «Man verabreicht am besten alle drei Nummern, da sie zusammen eine bessere Wirkung erzielen», so Hofmann. Sie können entweder als Milchzuckertabletten (zehn Tabletten zwei- bis dreimal täglich) direkt oder aufgelöst, oder in Form von Pulver (drei bis vier Esslöffel pro Tag) ins Kraftfutter gegeben werden. Wenn dies nicht akzeptiert wird, empfiehlt Hofmann, es allenfalls mit Wasser in einer grossen Spritze oral zu verabreichen. Dabei spiele die Wassermenge keine Rolle.

Zur äusserlichen Anwendung:Arnikaöl oder Mittel mit den Wirkstoffen Ringelblume, Johanniskraut oder Wallwurz regen ebenfalls die Durchblutung an und helfen, die Wassereinlagerung besser abzutransportieren. Für eine gute Wirkung empfiehlt Hofmann, die betroffenen Regionen in der akuten Phase ein- bis zweimal täglich einzumassieren.

Konsequente Gabe der Mittel erforderlich

Werden diese Mittel konsequent verabreicht oder aufgetragen, sei mit einer Verbesserung innerhalb von zwei Tagen zu rechnen. Wer auf die Schnelle nicht an die genannten Mittel herankommt, kann sich vorübergehend mit Hausmitteln aushelfen. So etwa ist bekannt, dass getrocknete Brennnesselblätter oder Zimtpulver (ein Teelöffel zweimal täglich) im Futter ebenfalls anregend wirken.