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Woher kommt das Chlorothalonil im Grundwasser?

Neben der Gefährlichkeit von Chlorothalonil und seinen Metaboliten gibt auch die Herkunft von Verunreinigungen mit Chlorothalonil zu reden. Wir haben nachgeforscht.


Chlorothalonil ist ein Fungizid-Wirkstoff, wird also gegen Pilzbefall eingesetzt. Diese Wirkung ist nicht nur in der Landwirtschaft nützlich, wo Chlorothalonil seit den 1970er Jahren im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt wurde. Auch bei Fassadenfarben oder Holzanstrichen kommen Fungizide zum Einsatz, um Schimmel zu verhindern. 

Wieviel Chlorothalonil kommt aus Fassadenfarben und Co.?

Die aktuellste Studie zu den Bioziden in Schutzmitteln in der Schweiz stammt von 2013. Sie aktualisierte und verbesserte die Schätzungen eines früheren Berichts von 2005 (die sogenannte Biomik-Studie). 

Über alle Produktgruppen hinweg (Filmschutzmittel für Bautenfarben/-putz, Schutzmittel für Mauerwerk, Holzschutzmittel, Antifouling-Produkte) kam man in der Studie von 2013 mit Zahlen von 2011 zum Schluss, das total pro Jahr 61,8 Tonnen der verschiedenen Wirkstoffe eingesetzt werden. 

Chlorothalonil wird nicht mehr eingesetzt

Während in der Biomik-Studie Chlorothalonil noch als Wirkstoff in Antifouling-Produkten (Schutzmittel für Boote, an Ausrüstung für Aquakultur oder andere im Wasser eingesetzte Bauten) angegeben wurde, ist Chlorothalonil laut dem neueren Bericht seither nicht mehr verwendet worden. Man nutze stattdessen nur noch kupferbasierte Verbindungen.

Mögliche Wasser-Verunreinigungen mit Chlorothalonil aus diesen Quellen müssten demnach von vor über 10 Jahren stammen. Es ist bekannt, dass sich Biozide nur langsam abbauen, hohe Konzentrationen von Chlorothalonil aus Farben und Lacken scheinen heute, basierend auf oben genannten Daten, aber dennoch unwahrscheinlich.

In der Landwirtschaft bis 2019 verkauft

Gemäss den Zahlen zur den Verkaufsmengen von Chlorothalonil des Bundesamts für Landwirtschaft BLW wurden Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff bis zum Verbot 2019 in unterschiedlichen Mengen verkauft:

Zwar sind diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen, da sie die verkauften Mengen angeben und nicht, wieviel des Wirkstoffs tatsächlich eingesetzt wurde. Trotzdem zeigen die Zahlen, dass in der Landwirtschaft, im Gegensatz zu Farb- und Lackbranche, bis vor einem Jahr Chlorothalonil eingesetzt worden ist. Ende 2019 folgte dann das Verbot.

Es gibt einen räumlichen Zusammenhang

Chlorothalonil sei bis Ende 2019 beim Anbau verschiedener Kulturen eingesetzt worden und auch für Zierpflanzen und Rasen zugelassen gewesen, führt das Bundesamt für Umwelt Bafu auf Anfrage der BauernZeitung aus. Wie gross die Mengen des Wirkstoffs in den jeweiligen Bereichen sind (z. B. Zierpflanzenbau oder Rasen), lässt sich nicht nachvollziehen. Es fehlen dazu die Statistiken.  

Generell bestehe ein «eindeutiger Zusammenhang» zwischen der Ackerfläche im Einzugsgebiet der einzelnen Messstellen und der Belastung des Grundwassers mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, schreibt das Bafu: «Je höher der Ackeranteil im Einzugsgebiet einer Messstelle, desto höher sind die Konzentrationen insbesondere von Pflanzenschutzmittel-Metaboliten im Grundwasser.»

Keine weitere Aufschlüsselung möglich

Nahezu alle Messstellen, an denen erhöhte Konzentrationen von Chlorothalonil-Metaboliten im Grundwasser gemessen wurden, haben demnach einen hohen Ackeranteil. «In Anbetracht der hohen Fragmentierung der Bodennutzung in den Einzugsgebieten und fehlender Detailstudien lässt sich der genaue Anteil der Herkunft der Belastungen aktuell jedoch nicht weiter aufschlüsseln», schliesst das Bafu.

Fazit: Heute deutet vieles daraufhin, dass das Chlorothalonil bzw. seine Metaboliten im Grundwasser vor allem aus der Landwirtschaft stammen.

Kommentar

Dass die Verunreinigungen mit Chlorothalonil und seinen Metaboliten im Schweizer Grundwasser wahrscheinlich vor allem aus der Landwirtschaft stammen, ist eine Feststellung. 

Dass daran «die Bauern schuld sind» ist hingegen falsch. Schliesslich halten sich Landwirtinnen und Landwirte beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln an behördliche Vorgaben zu den zugelassenen Wirkstoffen, Abständen zu Gewässern usw. 

Schuldzuweisungen bringen wenig, man wurde mit der Zeit, erhöhter Sensibilität und besseren Messmethoden einfach klüger und hat dank neuer Studien geschlussfolgert, dass Chlorothalonil wahrscheinlich krebserregend ist. Die Metaboliten wurden vorsorglich ebenfalls als relevant eingestuft, ob nun gesundheitsgefährlich oder nicht. Damit folgt die Schweiz dem Vorsorgeprinzip, das in der Bundesverfassung verankert ist. 

Nun darf Chlorothalonil nicht mehr eingesetzt werden. Wie lange Rückstände davon noch in der Umwelt messbar sein werden, ist unklar. Es dürften aber Jahre sein. Das ist eine Tatsache und nicht irgendjemandes Schuld. 

Mehr zur Einschätzung der Relevanz Metaboliten: Dokument von BLW, BLV und Agroscope

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