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Wie kann man die Schweizer Mehrwerte vermarkten?

Wie kann die Schweiz den zweifellos vorhandenen Mehrwert gegenüber ausländischer Konkurrenz besser vermarkten? Quintessenz einer Tagung: Ohne Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette und bessere Kommunikation geht es nicht.


Publiziert: 04.01.2019 / 18:02

"Nachhaltigkeit in Wert setzen", lautete das Thema des achten Podiums Berner Landwirtschaft, der schon traditionellen Zusammekunft der Berner Branche zum Jahresauftakt. Ausgehend vom irischen Branchenstandard Origin Green befasste man sich zunächst mit einem möglichen Vorbild. Hier ein Imagefilm der Iren, der zum Auftakt gezeigt wurde:

Adrian Aebi, Vizedirektor im Bundesamt für Landwirtschaft beschäftigt sich seit drei Jahren mit "Origin Green" und mit der Rolle, welche seine Behörde in einem ähnlichen Programm spielen könnte. "Origin Green" verlangt nicht viel, es ist nur das gesetzliche Minimum, das gefordert wird, aber das Ganze wird gut verkauft. Laut Aebi gibt es sieben obligatorische und über 100 freiwillige Massnahmen, es werden nicht Eintrittskriterien festgelegt, sondern solche, die zum Betrieb passen.

Bund will im Rahmen von AP 22+ Mehrwertstrategien fördern

Bei Fleisch und Milch machen bereits 80 bis 90 Prozent der Betriebe mit, obwohl es keine Labelprämie gibt. Der Nutzen sei ein höherer Preis im Gesamtsystem. "Rentiert es für den Landwirt", fragte Aebi. Die Kurve sei ohne wisenschaftlichen Anspruch sowohl volumen- wie auch umsatzmässig am steigen, wobei Brexit zum Einbruch führen könnte, so der BLW-Vize. An bürokratischem Aufwand falle bei Origin Green ein Tag pro Jahr an. Man arbeite zusammen entlang der Wertschöpfungskette, eingebunden sind auch Verarbeitung und Handel.

Ist so etwas wie Origin Green auch für die Schweiz denkbar? Grösster Unterschied ist gemäss Aebi die Exportorientierung der Iren. Er nahm das zum Anlass, einen Blick auf die Geschichte der Schweizer Exporterfolge zu werfen. "Wir haben uns nie mit Commodities (Massenware) profiliert", erklärte er. Was braucht es also für eine Mehrwertstrategie?. Ziel muss aus Sicht des BLW-Vertrerters sein, dass wir uns mit unseren Produkten abgrenzen können. "Der Konsument muss wissen, dass die Mehrwerte drin sind, wenn er ein Schweizer Produkt kauf", sagte Aebi.

Er kündigte an, dass man im Rahmen von AP 22+ mit branchen-spezifischen Mehrwertstrategien starten wolle, ähnlich, wie es die Branchenorganisation Milch mit dem "Grünen Teppich" aufgegleist hat. Das BLW wolle dabei gute Koordination mit den Labels und nur noch das ausgleichen, was vom Markt nicht abgegolten wird.

Vertikale Zusammenarbeit ist entscheidend

IP-Suisse-Geschäftsführer Fritz Rothen erwähnte den von IP-Suisse erwirtschafteten Mehrertrag von 50-60 Mio Fr. jährlich durch IP-Suisse-Prämien. "Das sind Peanuts im Vergleich zu den 2,8 Mrd Fr. des Bundes", so Rothen. Am meisten Sorgen bereite ihm, dass sich der Produzentenpreis immer mehr entferne vom Ladenpreis.

Das wichtigste Erfolgsrezept seiner Organisation sei "die Zusammenarbeit mit Partnern, nicht mit Deppen, auch wenn sie es sind". Die Verarbeiter seien enorm wichtig, "das kannst Du nicht in einem halben Jahr aufbauen", sagte Rothen, "man muss zwischendurch auch zu ihnen stehen, man kann nicht einfach alles ausnutzen und nichts für sie tun". Was in Sachen Pflanzenschutz abgehe, erstaune ihn selber, jetzt sei die Zeit reif, um zu handeln. "Ich staune, was die Maschinenindustrie in Sachen mechanischem Pflanzenschutz alles macht", sagte Rothen.

Kohler empfiehlt den "Grünen Teppich" weiter

Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM) beschrieb den Weg zur Mehrwertstrategie für die Milchbranche. Das Projekt habe sich entwickelt und eine Dynamik erhalten. Der Prozess habe vor drei Jahren angefangen. Die dabei entwickelte gemeinsame Sprache heisse "Grüner Teppich". "Wir stehen ein paar Monate vor der Einführung", sagte Kohler. Er empfehle das Vorgehen auch allen anderen Branchen. Um die Anstrengungen auch am Markt abzubilden, plant die BOM ein neues Label, das ab Herbst auf den Milchpackungen sein soll.

Den Vergleich mit Irland brauche die Schweiz nicht zu scheuen: "Wir bauen beide auf bestehende Mehrwerte auf, arbeiten vertikal zusammen und der Export hat grosse Bedeutung", sagte Kohler. "Was uns aber unterscheidet ist, dass wir stark in föderalistischen Strukturen eingebunden sind". Das Resultat habe dann zwar Hand und Fuss, das System sei aber etwas träge, auch deshalb daure in der Schweiz alles etwas länger. Der Staat sei zudem in der Schweiz höchstens Partner, aber nicht wie in Irland Treiber. "Die Partner auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen braucht auch deshalb in der Schweiz etwas länger", sagte Kohler in Bezug auf das Weben des "Grünen Teppichs". Wir wollten zudem immer extrem korrekt ("kassensturztauglich") sein.   

"Ich hatte das Gefühl, ich sei im falschen Film"

In der abschliessenden Diskussionsrunde mit Bauern und Bäuerinnen brachte Moderator Christian Strübin das Gespräch auf den kürzlichen Rückzieher von Coop beim Naturafarm-Label. Renate Baumann aus Wichtrach BE, die für Naturafarm Labelkälber produziert erklärte, dass sie das "Gefühl hatte, ich sei im falschen Film". Dabei hätten sie alles richtig gemacht, sie habe sehr Mühe mit dem Entscheid, in einer guten Partnerschaft müsse man das weitere Vorgehen doch gemeinsam besprechen. "Um den Mehrwert zu generieren haben wir gebaut. Jetzt soll alles auf einmal weniger Wert haben", sagte sie.

Astrid Weber, Bäuerin aus Gerolfingen BE erklärte, dass sie drei Viertel der hofeigenen Obstproduktion direkt auf dem Markt verkaufe. An den Ständen in Solothurn und Zweisimmen könne sie den Kunden direkt in die Augen schauen und herausfinden, wie das Angebot verbessert werden könnte. Interessanterweise würden die teuersten Kirschen am schnellsten verkauft, sagte sie. Ihre Premium-Ware gehe zu 12 Franken pro Kilo. Die schmackhafteren kleineren Kirschen gälten nur die Hälfte.

Jürg Iseli berichtete über den aktuellen Stand des Käserei-Projekts von Aaremilch im Diemtigtal. Im November wolle man loslegen, erklärte er. Die Produzenten erhoffen sich damit einen Milchabsatz mit Mehrwert, vor allem im Winterhalbjahr, sagte Iseli. Mit dem Simmental-Label, das den Käse aus der neuen Käserei zieren wird, setzt man auf Kommunikation: "Es braucht eine Geschichte und die Geschichte muss man erzählen", sagte Iseli.

Mehrwert und gute Kommunikation

Hans Jörg Rüegsegger, Präsident der Berner Bauern erklärte in seinem Schlusswort, dass man die Mehrwerte besser kommunizieren müsse. Hier seien die Irländer uns wahrscheinlich ein Stück voraus. Wenn man allerdings den jüngst produzierten Film des nationalen Dachmarketings anschaut, ist dieser auch nicht von schlechten Eltern. Vielleicht liegt das Problem auch manchmal darin, dass wir zuwenig schätzen, was in der Heimat bereits alles getan wird. Hier dieser Film zur Ansicht: 

akr

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