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Wertschöpfung : Geht das? Ja das geht.

Infrastruktur, Ferkel, Futter und Absatz bietet die Mein Schwein GmbH. Der Landwirt bezahlt nichts.


Henggart Das Modell der Schweinemast von der Mein Schwein GmbH erstaunt in vielerlei Hinsicht. Nicht nur, dass ein Industriedesigner diese GmbH in einer fachfremden Branche aufgezogen hat, auch die Bedingungen für die beteiligten Landwirte sind so wohl noch nirgends in der Schweiz gegeben. 

Der Partner-Landwirt

Reto Schellhaas betreibt auf seinem Hof in Henggart im Zürcher Weinland Obst- und Ackerbau, Waldwirtschaft, Rebbau, Freiland-Legehennenhaltung und Freiland-Schweinehaltung für die Mein Schwein GmbH. Auf letztere ist er per Zufall gestossen: durch einen Kundenaufruf, den die Mein Schwein GmbH 
im Herbst 2014 per E-Mail aussandte. 

Die Nachfrage nach Mein Schwein-Schweinefleisch war gross genug, um weitere Standorte zu eröffnen. Reto Schellhaas stieg mit acht Schweinen ein. Heute hat er 16 auf seiner Weide. Das Weideland ist Teil seiner Fruchtfolgefläche und wird im Herbst umgepflügt. Beim Einhagen im Februar hat Fabio Müller, Inhaber der Mein Schwein GmbH, geholfen. Das tut er jedes Jahr, und zwar bei all seinen Partner-Landwirten. 

Enge Zusammenarbeit

Die zwei grossen Schweine-Iglus, die als Rückzugsort und Schlafplatz dienen, sowie die Fütterungsanlage hat Fabio Müller zur Verfügung gestellt. Und auch der Ferkel-Zukauf und -Transport sind komplett von Fabio Müller organisiert und finanziert. «Wenn ich sehe, dass das Futter langsam ausgeht, schreibe ich Fabio eine SMS, und spätestens zwei Wochen danach kommt die Lieferung», sagt Reto Schellhaas mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Die Abnahme der Schweine garantiert die Mein Schwein GmbH. Sie arbeitet mit Kundenmetzgern in der Region zusammen und übernimmt die Vermarktung. 

Die Mein Schwein GmbH hat in den eigenen Produktionsstandards ein Minimum von 300 Quadratmetern pro Schwein festgelegt; und eine Rottengrösse von maximal 16 Schweinen pro Weide.

Landwirt hat keine Kosten

Der Aufwand für die Landwirte ist überschaubar. Sie sorgen für das Wohl der Tiere mit Fütterung und der Aufbereitung der Schlafplätze (Einstreu). Dazu kommt die Pflege bei Verletzungen oder Krankheiten, wobei die Tierarztkosten auch zulasten der Mein Schwein GmbH gehen. Ausserdem sind Gesundheitsprobleme bei Freilandschweinen weit geringer als in Mastställen. 

Reto Schellhaas und seine Kollegen, die mit Mein Schwein zusammenarbeiten, erhalten etwas mehr als 200 Franken pro Schlachtschwein. Es fallen keine Direktkosten an und auch keine Anfangsinvestition ist nötig. Das Stroh für die Iglus und das Weideland, das den Schweinen zur Verfügung steht und so nicht für Futterbau genutzt werden kann, sind die Beiträge des Landwirts. Finanziell wirken sich diese aber kaum aus. Die Aufwand-Ertrags-Rechnung für Reto Schellhaas geht auf. Ein guter Zuverdienst für seinen Betrieb.

Andere Freilandschweine

Zum Vergleich: Ein Schweinehalter, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, ist im Februar ebenfalls in die Freilandhaltung eingestiegen. Er rechnet sich 100 Franken pro Tier aus, die er für Arbeit und Investitionen bekommt. Sein bestehender Stall für Remonten liefert die Jungtiere. Er hält 100 Schweine auf zwei Hektaren Weide, also gut 200 Quadratmeter pro Schwein. Mit drei Umtrieben will er im Jahr 400 Schweine halten. Futter und Infrastruktur bezahlt er selber. 

Seinem Abnehmer verkauft er die Schlachtschweine mit einem  1-Franken-Zuschlag auf den QM-Preis. 

Finanziell prekärer sieht es bei den üblichen Schweinehaltern aus. Für das Schlachtschwein bekommt ein QM-Schweinemäster mit Maststall 81 Franken Bruttomarge, also nach Direktkosten-Abzug. So zumindest im Januar und Februar dieses Jahres gemäss  Agristat-Statistik des Bauernverbands. Bekannt ist, je nach Marktlage entstehen wesentlich tiefere Erträge.

Eine einfache Rechnung

Wenn man Fabio Müller fragt, wie es kommt, dass er so gute Preise bezahlen kann, zuckt er mit den Schultern. Er habe für sich diese Rechnung gemacht, mit dem Ziel, alle Partner fair zu entlohnen. 30% des Verkaufserlöses gehen an den Kundenmetzger, 15% kostet das Futter, 15% bekommt der Landwirt. Der Rest wird in die Infrastruktur sowie in den Ferkeleinkauf investiert. Und schliesslich werden Transportkosten, Auslagen für die Direktvermarktung, Versicherungen, Mietzinsen und sein Lohn bezahlt. Auch für Fabio Müller geht die Rechnung auf.

Hochwertiges Futter

Dank Direktvermarktung und Freilandhaltung kann die Mein Schwein GmbH das Kilo Fleisch zu 28 Franken verkaufen. Die Kunden können im Mischpaket Viertel-, halbe oder ganze Schweine bestellen. Ein Viertel bedeutet dann zirka 17 kg. «Interessanterweise besteht ein beachtlicher Anteil unserer Kunden aus Landwirten. Diese wissen

zu schätzen, wie wir arbeiten», stellt Fabio Müller fest.  Das Futter lässt er nach seinen Vorgaben von der Mühle Brunner in Oberembrach ZH herstellen. 99 Prozent der Zutaten stammen aus der Region. Auf Soja wird verzichtet.

Hochzeit wird zum Geschäft

Am Anfang der Geschichte der Mein Schwein GmbH steht eine Hochzeit: Fabio Müller wollte als Trauzeuge dem Brautpaar ein glückliches Schwein schenken respektive dessen Fleisch. Er suchte also jemanden, der ihm ein Schweinchen auf der Weide halten und mästen würde. Ein Landwirt aus dem weiteren Familienkreis stellte sich dafür zur Verfügung. Und damit das Hochzeits-Schweinchen nicht alleine war, kaufte Fabio Müller zwei Tiere, half beim Einhagen, besorgte Futter und baute ein Häuschen. Für das zweite Schwein hatte er im Nu im Freundeskreis Abnehmer gefunden. Und weil das Ganze so gut funktionierte, brauchte er beim zweiten Umtrieb keine Hochzeit mehr als Anlass. Aktuell ist er auf vier Höfen stationiert mit seinen Schweinchen, hat drei Stammmetzger, mit denen er sie verarbeitet, und hat im letzten Jahr über 100 Freilandschweine verkauft. Das System und die Arbeitsaufteilung sind geblieben, die Infrastruktur ist optimiert worden. 

Vollends eingetaucht

Er baut die Häuschen für die Schweine nicht mehr selber, sondern importiert Iglus aus England. Dort hat er Betriebe besucht, die eine ähnliche Haltung pflegen. Statt einfacher Tröge stehen jetzt Fütterungsanlagen, die nur alle zwei Tage nachgefüllt werden müssen. 

Ja, der Industriedesigner ist zum Agrarwirtschafter geworden. Gerade in die Tierschutzgesetze musste er sich hineinknien – als Greenhorn. Zudem ist die Freilandhaltung von Schweinen nicht explizit geregelt. Er musste die Auflagen zusammensuchen. Im vergangenen Herbst hat er seinen Job in der Industrie an den Nagel gehängt und treibt nun seine Mein Schwein GmbH voran. Sein mittelfristiges Ziel ist es, zwei bis drei weitere Betriebe mit aufzunehmen.

Nadine Baumgartner

Artikel aus Printausgabe Nr. 15

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