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«Viele sehen im Gemüsebau das schnelle Geld»

Lorenz Gutknecht aus Ins BE baut auf 70 Hektaren Lagergemüse an. Besonders stolz ist er auf sein jüngstes Kind in Gemüseform: Flower Sprout. 



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Fragt man Lorenz Gutknecht nach seinem Lieblingsgemüse, kommt die die Antwort wie aus der Pistole geschossen: «Flower Sprout.» Wie es der englische Name verraten könnte, stammt die Mischung aus Rosenkohl und Federkohl aus Grossbritannien – 
das dortige Saatguthaus «Toozer Seeds» tüftelte jahrelang an der Züchtung (siehe Kasten). 2010 wurde die neuartige Gemüsesorte vom bekannten englischen Einzelhandelsunternehmen «Marks & Spencer» auf den Markt gebracht.


An Messe entdeckt


Vor vier Jahren kam Lorenz Gutknecht an der Messe Fruit Logistica in Berlin (Deutschland) auf die Idee, Flower Sprout in der Schweiz anzubauen. Gesagt, getan. Seit 2013 produziert er mit seinem Partner Urs Johner aus Kerzers FR Flower Sprout. Vermarktet wird das Trendgemüse über die Proveg AG in Ried bei Kerzers. Konkurrenz haben Lorenz Gutknecht und Johner nicht, denn die Lizenz für Flower Sprout läuft auf Gutknechts Name.


Verkauft wird das Gemüse bei Migros und Coop. Aktuell bauen die beiden Produzenten auf rund zehn Hektaren Flower Sprout an. Sie erhoffen sich jedes Jahr ein leichtes Wachstum. Stolz ist Lorenz Gutknecht  auch auf die Werbekampagne mit Schwinger Christian Stucki, die «gut eingeschlagen hat».


Lagergemüse


Lorenz Gutknecht bewirtschaftet einen Gemüsebaubetrieb von über 70 Hektaren. Er konzentriert sich dabei vor allem auf Lagergemüse. Das hat Tradition: «Schon meine Eltern haben Zwiebeln und Karotten angebaut», sagt Gutknecht. 1977 siedelte sein Vater Walter Gutknecht aus Ins BE an den heutigen Standort etwas ausserhalb des Dorfes aus. Damals betrug die Anbaufläche neun Hektaren. Mit Landzukäufen und -pachten stieg die Betriebsfläche ständig an.

2002 übernahm Lorenz Gutknecht den Betrieb. Heute wachsen auf dem Betrieb gelbe und rote Zwiebeln, die am meisten Fläche einnehmen, Schalotten, Chinakohl, Krautstiel, Weiss- und Rotkabis, Karotten, Knollensellerie, Randen und Zucchetti. 2500 Tonnen Gemüse können auf dem Betrieb gekühlt gelagert werden, weitere 3000 Tonnen im Normallager.


Das ganze Jahr am Markt


Der Fokus auf Lagergemüse hat für Lorenz Gutknecht mehrere Vorteile: «Wir sind ein Freilandbetrieb ohne Gewächshäuser. So können wir den Betrieb auch über den Winter laufen lassen und sind 52 Wochen lang immer am Markt.» Zudem können die Mitarbeiter im Winter weiter beschäftigt werden. So ist die Anzahl Mitarbeiter übers Jahr praktisch konstant: Jetzt im Winter sind es elf, im Sommer zwölf 
bis 13. «Die Zeiten, als man als

Gemüseproduzent im Winter aufs Ofenbänkchen sitzen konnte, sind vorbei», sagt Gutknecht.


GES hat sich etabliert


Die Herausforderungen beim Lagergemüse seien das Erreichen einer guten Qualität («wie man einlagert, lagert man auch wieder aus») und das Einhalten der Fruchtfolge. Dafür tauscht er Flächen ab. Seine Abnehmer sind Seeland Handel und die Gemüseerzeuger Seeland (GES), bei der er Mitglied der Geschäftsleitung ist. Die Produzentengenossenschaft aus dem Seeland arbeitet mit der Fenaco zusammen. 86 Produzenten sind heute Mitglied. «Der Name GES konnte sich auf dem Schweizer Markt gut etablieren», sagt er zufrieden.

«Bringt nichts, wenn man an der Lieferrampe flucht»


Lorenz Gutknecht ist auch Vizepräsident der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg (GVBF) und engagiert sich in der Landwirtschaftlichen Organisation Seeland (LOS). Gutknecht findet es wichtig, dass sich Gemüseproduzenten auch politisch engagieren. «Es bringt nichts, wenn man an der Lieferrampe oder abends in der Beiz flucht und die Faust im Sack macht.» Man müsse die Probleme am richtigen Ort anbringen: «Wenn mir etwas nicht passt, rufe ich den Verband an», sagt er dezidiert.


Ohne seinen stellvertretenden Betriebsleiter Peter Liem könnte sich Lorenz Gutknecht aber nicht dermassen ausserhalb des Betriebs engagieren. «Peter ist meine rechte Hand. Er führt den Betrieb mit bestem Wissen und Gewissen –  ohne ihn ginge es nicht.» Liem hat den Anbau und den Pflanzenschutz unter sich, der Chef selbst kümmert sich um das Marketing und den Verkauf. Auch Lorenz Gutknechts Frau Angelika und eine Büroangestellte sind auf dem Betrieb tätig.


Immer mehr Papierkrieg


«Gemüsebau kann schon nervenaufreibend sein», sagt der langjährige Produzent. «Viele unterschätzen den Gemüsebau und sehen darin das schnelle Geld.» Aber man müsse auch die Ausfälle – etwa durch Hochwasser – rechnen. Und: «Die Preise, die in der Zeitung stehen, entsprechen nie dem, was am Ende ausbezahlt wird.»


Neben den Wetterkapriolen beschäftigt ihn auch die Politik. «Dass immer mehr Pflanzenschutzmittel im Gemüsebau wegfallen, ist eine unserer grössten Herausforderungen.» Bei den Karotten sei mit Linuron ein wichtiger Wirkstoff verboten worden, beim Sellerie werde der Anbau bereits stark eingeschränkt.

«Das wird den Anbau verändern», sagt Gutknecht. Zu schaffen macht ihm auch die zunehmende Administration: «Langsam wächst der Papierkrieg ins Unermessliche.» Vom Projekt «Administrative Vereinfachung» des Bundesamts für Landwirtschaft  verspricht er sich wenig. Auch die Qualitätsanforderungen der Detailhändler würden stetig steigen: «Früher hatten wir bei den Karotten 15 Prozent Ausschussware. Heute sind es bis 50 Prozent.»


Wertschätzung fehlt


Mehr Wertschätzung würde sich Lorenz Gutknecht von den Konsumenten wünschen. «Wir produzieren schliesslich Lebensmittel. Ein Mittel zum Leben, wie es das Wort schon sagt. Leider ist es gerade in, die Landwirtschaft zu mobben», findet er. Er denkt dabei an die Diskussionen über die Direktzahlungen oder auch die Gewässerschutz-Kampagne von Pro Natura, in welcher die Bauern denkbar schlecht wegkommen.


Die Lage der Schweizer Landwirtschaft stimmt Lorenz Gutknecht nachdenklich. «Die Preise für Milch, Getreide und Zuckerrüben stagnieren oder sinken. Auch der Gemüsebau ist schon unter Druck.» Trotzdem bleibt er für die Zukunft der Branche zuversichtlich. Wohin die Reise auf dem eigenen Betrieb geht, weiss er noch nicht. «Die nächsten zehn Jahre machen wir sicher weiter. Man muss immer vorwärtsschauen.»


Jeanne Woodtli

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