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Viehschau: «Mit einem haarigen Euter gehe ich nicht»

Die Beständeschau aus einer etwas anderen Sicht: Ich bin eine Ophir-Tochter und heisse Astrid. Es ist Viehschau im Kemmeriboden – macht euch auf etwas gefasst, ihr alten Kuhweiber!


Publiziert: 21.10.2019 / 19:37
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Ich heisse Astrid, werde im Januar neun Jahre alt, bin schön rot gefärbt und eine stolze und robuste Swiss-Fleckvieh-Kuh. Mein Zuhause ist in Schangnau an der Schattenseite des Hohgants, genauer gesagt im Stall bei Fritz Bürki in der Schwandweid. Letzte Woche hatte ich meinen grossen Tag, denn ich wurde an der Viehschau im Kemmeribodenbad, trotz meines Alters, in der Kategorie 8 mit der Maximalnote von 55 55 98 punktiert. Endlich gehöre auch ich zu den schönsten Kühen in diesem Lande, so geil.

Das nehme ich ihm übel

Rückt der Herbst näher, ist auch die Viehschau nicht mehr weit. In dieser Zeit bin immer ganz aufgeregt, denn an diesem Anlass trifft man wieder alte Bekannte oder auch solche, die man nicht sehen möchte. Gut, bei euch Menschen ist das wohl nicht viel anders. Auf jeden Fall gehe ich gerne an die Punktierung, denn es ist wie ein Klassentreffen. Das letzte Mal nahm mich mein Chef vor zwei Jahren mit, das nehme ich ihm heute noch übel. Nicht nur ich bin vor der Viehschau ziemlich aufgeregt, auch mein Chef, der Bürki Fritz, führt sich in dieser Zeit ganz komisch auf. Nicht dass ich es das Jahr hindurch nicht schön hätte bei ihm, nein, im Gegenteil. Mit meinen Stallkolleginnen verbringen wir jeweils den Sommer auf der Alp Gepsli. Gut, ein wenig stotzig ist es schon dort und das Gras ist nicht so schmackhaft wie auf dem Talbetrieb. Rückt aber die Viehschau näher, hätschelet und tätschelet mein Chef uns Kuhweiber besonders intensiv. Wir werden verwöhnt, gründlich gewaschen und bekommen sogar eine Ganzkörperrasur. Will man einen guten Rang an der Kemmeriboden-Viehschau erobern, muss man gepflegt erscheinen und nicht noch mit einem haarigen Euter aufkreuzen wollen. Nein, die Konkurrenz ist riesengross, ich denke da nur schon an die Kuhweiber von Gerbers, Gfellers, Hadorns oder Stettlers und wie die alle noch heissen.

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Mit Würde und Stolz an die Schau

Endlich ist er gekommen, der langersehnte Viehschautag. Für diesen Anlass hat mein Chef sogar Hilfe angefordert. Der Rüedu, der Kürtu und der Wäutu. Um halb acht am Morgen trage ich schon stolz eine schöne 13er-Treichel um den Hals, zum Glück nicht die Kleinste, die muss eine meiner 15 Stallgenossinnen tragen. Ich kann gar nicht begreifen, warum die Glockengegnerinnen uns das verbieten wollen, die sollten mal sehen mit welchem Stolz und Würde ich meine Treichel zur Viehschau trage. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass mein Chef und die Helfer an so einem schönen Tag nicht den Chüjermutz angezogen haben. Nun tönt es Abmarsch, wir wollen gehen: Der Reihe nach werden ich und meine Stallkolleginnen aus dem Stall getrieben. Jetzt heisst es, eine gute Position einnehmen, schliesslich will ich als Älteste zuvorderst und nicht zuhinterst an die Viehschau laufen. Gegen die jungen, unerfahrenen Dinger muss ich mich wohl noch nicht schämen, obwohl mein Euter etwas tiefer hängt und ich mein Alter langsam in den Beinen zu spüren bekomme. Mit strammen Schritten geht es Richtung Kemmeribodenbad, das Treichelgeläut ist wie Musik in meinen Ohren. Es geht der Strasse entlang durch den Wald, die Sonne scheint auf mein glänzendes Fell und von Weitem sehe ich den Schybegütsch. Dabei duftet es nach Herbst und Morgentau, wird es heute wohl für die 98 Punkte reichen?, denke ich während des 40-minütigen Fussmarsches. Denn mir fehlt noch immer die letzte fünf, und zwar im Euter. Am Ziel angekommen sehe ich, wir sind nicht die Ersten. Es wird schon tüchtig mit den Kuhweibern hantiert, dort ein Schwanz aufgebürstet hier ein Kuhfladen entfernt. Die Bauern ziehen dabei kräftig an ihren Stumpen, ein Rauch, der mir nicht sonderlich behagt, zum Glück raucht mein Chef nicht. Jetzt heisst es, uns mit dem Hochdruckreiniger noch einmal auf Vordermann zu bringen. Hoffentlich hat Rüedu den Reiniger nicht zu kalt eingestellt, denke ich, denn um halb neun am Morgen ist es im Kemmeribodenbad noch frisch und eine Erkältung ist in meinem Alter schnell erwütscht.

Die Konkurrenz ist gross

Nun werde ich in der ältesten Kuhklasse, also in der Klasse 8, angebunden. Schnell verschaffe ich mir einen Überblick über die Konkurrenz. Ah, die Ilona von Gerbers vom Schwand ist auch wieder hier. Diese reine Simmentaler-Kuh mit ihren schönen Hörnern wird schwer zu schlagen sein. Die ist jetzt auch schon zwölf Jahre alt, kann die nicht einmal zu Hause bleiben, damit wir auch einmal eine Chance auf einen Klassensieg haben, ärgere ich mich.

Antonja ist auch hier

Ah, Antonja von Hadorns ist auch anwesend. Die hat sich schon noch gut gehalten und ihr dunkler Kopf macht mächtig Eindruck. Heute werde ich aber angreifen, ihr «alten Weiber», geht mir durch den Kopf. Schliesslich bin ich den ganzen Sommer immer schön langsam gelaufen, damit mein Euter und meine Beine keinen grösseren Schaden nehmen. Und viel gefressen habe ich auch, damit ich auch in der Klasse 8 noch etwas darstellen kann. Etwas gelangweilt warte ich an der Latte, bis ich endlich an der Reihe bin. Ah, der Chefexperte persönlich, der Sommer Ruedi, begutachtet mich und möchte mich beim Laufen sehen. Jetzt keinen falschen Tritt, den Kopf ein wenig höher, so ist es gut. Nun bin ich gespannt: Ich bekomme eine Neun auf den Hintern – was, nur der sechste Platz? Ah, Sommer kommt noch einmal zurück. Sag ich doch. Gut, vorerst Vierte. Nun stehe ich neben Baleika von Gerbers, die konnte ich noch nie ausstehen, denn die hat noch Hörner und ich nicht.

Was schreibt der Experte?

Im Ring werde ich noch einmal alles geben, denke ich. Schon beim Einlaufen sehe ich die Augen der beiden Experten Sommer und Perren Toni auf mich gerichtet. Ich fühle, dass mein Chef an der Halfter fast mehr zittert als ich. Von hinten, von vorne, von links und von rechts – die beiden Experten schauen mich minutenlang an. Dass sie nicht noch auf die Knie gehen, verwundert mich. Jetzt strecken die Zwei ihre Köpfe zusammen, murmeln etwas und Perren zückt seinen Stift. Vor Anspannung kann ich fast nicht mehr atmen. Was schreibt er, 55 55 98? Ich traue meinen Augen nicht! Ich habe es geschafft, ich gehöre ab sofort zu den erlesenen Kühen, die 98 Punkte erreicht haben! Gut, die «blöde» Ilona von Gerbers konnte ich nicht schlagen, aber mit meinem vierten Platz bin ich mehr als zufrieden. Hoffentlich nimmt mein Chef auch genug Geld für den Züchterabend mit, denn so ein Ereignis wird im Kemmeriboden immer gebührend gefeiert. Auf dem Heimweg habe ich dann meine Treichel geschwungen, die war sicher im ganzen Schangnau zu hören. Und eins sage ich euch, nächsten Herbst bin ich wieder dabei und dann greife ich von hinten an, macht euch auf etwas gefasst, ihr alten Kuhweiber.

 

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