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Thurgauer Landfrauentage: Herausforderungen als Chance

Der CVP-Nationalrat Christian Lohr erzählte im Rahmen der diesjährigen Thurgauer Landfrauentage von seiner speziellen Lebenssituation mit einer schweren Behinderung.


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«Auf dem Rübenfeld werden die schönsten Rüben unter dem üppigsten Kraut vermutet», sagt Regula Böhi, Präsidentin des Thurgauer Landfrauenverbands, eingangs der ersten Ausgabe der diesjährigen Thurgauer Landfrauentage am vergangenen Dienstag in Frauenfeld. Sie verweist damit auf die durch und durch menschliche Angewohnheit, andere Personen zunächst nach Ãusserlichkeiten zu bewerten. Doch sei es immer auch interessant zu fragen, so Böhi, welche Ideen, Ressourcen und Fähigkeiten im Gegenüber stecken, die darauf warten, zum Vorschein zu kommen. Mit diesen zum Nachdenken anregenden Worten hiess sie die Anwesenden in der voll besetzten Stadtkirche willkommen.

Mut zu Entscheidungen

Das Grusswort des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft überbringt Eveline Bachmann, Mitglied des Vorstands. Sie erinnerte daran, dass 2020 mit den anstehenden Abstimmungen ein wichtiges Jahr wird und es ein Privileg sei, mitentscheiden zu können. «Aber auch im Alltag gibt es zahlreiche Situationen, die Entscheidungen erfordern. Beispielsweise, wenn man in einem Laden steht und es darum geht, saisonal und regional einzukaufen», sagt Bachmann. Sie wünschte den Anwesenden viel Entscheidungsmut im neuen Jahr.

Contergan-Skandal nie vergessen

Für den Musiker Hanspeter Schär ist der Anlass heuer auch ein Abschied: Nach vielen Jahren sorgt er das letzte Mal für die musikalische Umrahmung an den Thurgauer Landfrauentagen. In der diesjährigen Formation spielen auch Peter Gubler und Hermann Stamm. Das abwechslungsreiche Musikprogramm reicht von leichter Klassik, beispielsweise mit «Die Forelle» von Franz Schubert, bis hin zur schwungvollen Polka.

Als Gastreferent der diesjährigen Landfrauentage spricht der CVP-Nationalrat Christian Lohr aus Kreuzlingen. Dabei stand jedoch nicht die Politik im Vordergrund, sondern menschliche Themen: Der 57-Jährige erzählt aus seinem Leben mit einer schweren Körperbehinderung. 1962 wurde er ohne Arme und mit missgebildeten Beinen geboren, nachdem seine Mutter während der frühen Schwangerschaft auf ärztliche Verordnung hin den Wirkstoff «Thalidomid » – bekannt auch unter dem Markennamen «Contergan» –  eingenommen hatte.

Grenzen machen stark

Weltweit gab es etwa 10 00 Contergan-geschädigte Babys, in der Schweiz waren es neun, einer davon ist Christian Lohr. Die Auswirkungen des Medikaments auf die fötale Entwicklung war damals noch nicht bekannt. Ebenso gab es in jener Zeit auch keine diagnostischen Mittel wie Ultraschall oder andere Untersuchungen. «Zum Glück nicht, sonst hätte mein Leben keine Chance gehabt», stellt Lohr heute fest. «Heute ist mir unter anderem wichtig, dass der Contergan-Skandal nie vergessen geht und ich etwas dazu beitragen kann.»

Seine Familie, die bei der Geburt komplett überrascht worden war, habe den Sohn von Anfang an so wie er war annehmen können und ihn als gleichwertig behandelt. Die Liebe der Familie, die Gemeinschaft und der Glaube hätten ihn immer gestärkt, so Lohr. Die Eltern seien normal mit ihm umgegangen. Nicht zuletzt deshalb habe er früh gelernt, das Leben anzunehmen, den Alltag zu meistern und Chancen zu packen. Lohr: «Dabei stiess ich auch immer wieder mal an Grenzen, die aber letztlich auch stärker machen.»

Dabeisein und mitmachen

Christian Lohr besuchte die Regelschule, machte die Matura und wurde Journalist, später auch Dozent. Seine journalistische Laufbahn begann er im Sport, für den er sich schon als Kind begeisterte und an dem er beispielsweise als Schiedsrichter teilnahm. Mitmachen und Dabeisein waren ihm schon immer wichtig, und das Thema Integration liegt ihm besonders am Herzen. «Für die Integration ist es grundlegend, sich gegenseitig ernstzunehmen.»

Und um auf Regula Böhis Metapher mit dem Rübenfeld zurückzukommen: Im Alltag begegnet Lohr aber auch immer wieder Menschen mit Berührungsängsten oder er erlebt, wie er auf seine Behinderung reduziert wird. Dennoch betont er, seine Beeinträchtigung empfinde er nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Privileg. Die Aussage sorgt zwar manchmal für Verwunderung, doch Lohr meint es ernst: «Ich fühle mich privilegiert, dass ich mich gerade als Mensch mit einer Behinderung im Leben einzubringen vermag, mich auch für andere Menschen einsetzen und dabei Mut und Zuversicht geben kann.»

Weitere Daten: 

Dienstag, 14. Januar, 19.30 Uhr, Evang. Kirche Weinfelden

Mittwoch, 15. Januar, 14.15 Uhr, Evang. Kirche Arbon

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