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Tag der Tracht: «Schäppel zurück im Alltag wären schön»

Sander Kunz hat über die Barockmusik die Trachtenschäppel entdeckt. Das ist ein traditioneller Kopfschmuckt zur Tracht. Er bewahrt das seltene Kunsthandwerk in der Schweiz vor dem Aussterben.


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Einen Trachtenschäppel, auch Kränzlein, Festtags- oder Brautkrone genannt, trug man früher an wichtigen, meist kirchlichen Anlässen, als Kopfschmuck zur Tracht. «Wenn die ledigen Frauen ihn trugen, hatten sie einen aufrechten und erhabenen Gang und zeigten, dass sie ehrbare Personen waren», erklärt Sander Kunz. Er stellt in seinem Atelier in Agasul ZH, das sich in einem alten Bauernhaus, umgeben von einem wunderschönen Garten, befindet, Schäppel her. 

Unser grosser Trachtenwettbewerb - zeigen Sie sich!

Am 6. Juni ist Tag der Tracht. Er hat keinen geringeren Zweck, als dass man «sich in der Tracht zeigt» und alles, was man sonst in normalen Kleidern tut, in der Tracht macht. Schicken Sie uns ein Bild von Ihnen in oder mit der Tracht. Oder besitzen Sie sogar noch einen Trachtenschäppel? Dann ziehen Sie diesen unbedingt an! 

Als Hauptpreise verlosen wir drei Gutscheine vom «Märithüsli» im Gesamtwert von 600 Franken und ausserdem weitere Preise, wie Bücher und DVDs der Schweizerischen Trachtenvereinigung.

So können Sie mitmachen

Sie können Ihr Foto hochladen und das Formular ausfüllen. Wir freuen uns auf viele tolle Trachtenbilder.

Hier können Sie Ihr Trachtenfoto hochladen

Von der Farbe Weiss verdrängt

«Weil im 19. Jahrhundert Queen Victoria und Kaiserin Sissi von Österreich, die absoluten Stilikonen von damals, an der Hochzeit Weiss trugen, verschwanden die bunten Schäppel und viele ländliche Trachten. Sie waren nicht mehr modern.» Bis heute hat sich das Weiss von damals bei Kommunion und Hochzeit in Form von weissem Gewand und weissem Haarkränzchen gehalten.

Er selber besitzt keine Tracht. Als Junge trug Sander Kunz eine holländische Tracht «mit Holz-Zoggelis» (Klompen), da seine Mutter aus den Niederlanden stammt. Gerne kombiniert er jedoch traditionelle Elemente mit seinen Alltagskleidern, wie zum Beispiel ein Paar handgewobene Hosenträger oder etwa einen Hut. 

Parallelen zur Klosterarbeit

Das Handwerk des Schäppelns kann man in der Schweiz nicht einfach so erlernen. Sander Kunz kam über die Barockmusik, er war Musiker und lehrte Blockflöte, zur Klosterarbeit (sakrales Kunsthandwerk). Im Austausch mit Kunsthandwerk-Kolleginnen in Österreich entdeckte er dann die Schäppel. «Viele der handwerklichen Techniken in der Klosterarbeit sind gleich wie bei den Schäppeln», erklärt er den Zusammenhang. «Im Gegensatz zu Süddeutschland, dem Vorarlbergischen und Liechtenstein haben wir das Wissen um die Schäppel so gut wie ganz verloren.» Nur noch bei der Fribourgischen Senslertracht und im Val d’Hérens VS wird das Chränzli bzw. das Tsapelet getragen.

Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich Sander Kunz intensiv mit dem Thema Trachtenschäppel und wurde so zur Fachperson. Akribisch untersucht er die Originale in den Museen und kopiert sie perfekt: Er zählt Glasperlen und Flitter-Elemente, hinterfragt die Anzahl Blumen, skizziert und liest in alten Quellen nach. «Ich habe wohl an die hundert Bücher gewälzt», meint er begeistert. 

Oft sei es schwierig, die originalen Materialien zu bekommen, wie beispielsweise alte Pailletten. Sander Kunz zeigt auf ein üppig-buntes Kränzlein: «Diese pinken Pailletten sind von zirka 1900 und aus Gelatine. Sie lösen sich im Wasser auf.» Auch im Bereich Material forscht er eifrig und wird meist in Österreich oder Deutschland fündig. Wenn etwas nicht mehr auffindbar ist, versucht er es selber herzustellen; natürlich nach entsprechendem Quellenstudium. 

Das Handwerk soll überleben

Sander Kunz ist nicht etwa nur ein Bewahrer. «Falls eine Gegend wieder einen Schäppel zur Tracht haben möchte, bin ich gerne bereit, Neuinterpretationen, gemäss den regionalen Typen und der Symbolik, zu schaffen.» Für ihn ist wichtig, dass das Handwerk überlebt, das Endprodukt darf gerne auch eigenen Wünschen oder den finanziellen Möglichkeiten angepasst werden. «Schon früher war es
so, dass man das verwendete, was man hatte oder sich leisten konnte.» 

Er zeigt der Reihe nach auf drei verschiedene Ostschweizer Schäppeli. «Hier sieht man schön: wenig Geld, etwas wohlhabender und reich.» Das einfache Kränzchen besteht aus Materialien wie Karton, Pompons aus Wolle, Eisendraht und Messing. Beim teuersten verwendete man Seide, Gold- und Silberdraht und die pinken Pailletten aus Gelatine. 

Letztes Jahr konnte Sander Kunz das Handwerk des Schäppelns an der Olma während der Sonderschau der Schweizer Volkskultur zeigen. «Da kam es schon auch vor, dass Besucher behaupteten, dass es die Schäppel, wie ich sie herstelle, sicher nicht gegeben hätte.» Es erscheint eigenartig, dass die nüchternen Zürcher eine genauso bunte Brautkrone gehabt haben, wie die fasnachtstollen Luzerner. Doch das sei so. Da der Schäppel aus der Zeit vor der Reformation stammt, zählen auch Kantone wie Zürich ihn zu ihrem Kulturgut. «Es wäre schön, wenn die Schäppel zurück in unseren Alltag fänden, denn wer ist nicht gerne eine Prinzessin für einen Tag.»

Mehr Informationen unter: www.schnittgruen.ch

Kerzen gegen Unwetter

Sander Kunz stellt auch Wetterkerzen her. Das sind schwarze Kerzen mit der Madonna darauf. Ursprünglich benützte man den alten und verrussten Wachs der Osterkerzen, deshalb die Farbe. In bäuerlichen Kreisen glaubt man, wer eine solche Kerze bei Unwetter anzündet, vor Ernteschaden und Unglück bewahrt bleibt. 

 

 

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