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Stillstand gleich Rückschritt?

Die Digitalisierung macht keinen Halt vor der Landwirtschaft. Wo stehen wir, und wo führt das noch hin? Ein Interview mit Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft, Strickhof.


von Stefan Tanner, Kilian With, Daniel Peter, Jann Gabathuler, BauZ
Publiziert: 13.04.2019 / 10:03

Pragmatischer könnte eine Sichtweise nicht sein: Smart Farming muss im Endeffekt zu Zeiteinsparungen auf dem Betrieb und/oder zu verbesserter Wirtschaftlichkeit führen. Wie Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft bei AgroVet-Strickhof, auf diese Aussage kommt, und was er zur Schweizer Landwirtschaft und deren Entwicklung sagt, zeigt sich im Interview. 

Herr Schick muss die Landwirtschaft überhaupt digital werden?

Matthias Schick: Grundsätzlich stellt sich die Frage gar nicht mehr. Die Schweizer Landwirtschaft ist bereits digital. Die Frage ist, wie die Landwirte damit umgehen. Wir können mit alter Technik weiterarbeiten. Das geht eine gewisse Zeit. Heute ist jedoch kaum noch ein Auto, Traktor oder Melkstand zu finden, in dem keine Elektronik standardmässig eingebaut ist. Deshalb müssen die Landwirte in Zukunft verstärkt lernen, für sich das Beste aus der Digitalisierung heraus zu holen und immer weiter zu optimieren.

In welchem Bereich sehen Sie die grössten Chancen?

Das grösste Potential haben wir überall da, wo wir repetitive Arbeiten haben. Sei es beim Melken, Futternachschieben oder Misten. Ein weiterer Vorteil ist das zuverlässige Erledigen von Arbeiten, die wir regelmässig machen müssten, dies jedoch zu wenig gewissenhaft tun. Ein Beispiel dafür ist ein Futterzuschieberoboter. Während der Landwirt an stressigen Tagen das Futter nur zwei Mal am Tag nachschiebt, erledigt der Roboter diese Arbeit zuverlässig alle zwei Stunden.

Zum Text

Dieser Text stammt aus der Feder von Lernenden der Höhere Fachschule für Agrarwirtschaft des Strickhofs. Die BauernZeitung unterrichtete sie anfangs 2019 in Medienkunde. Statt einer Schlussprüfung wurde ein Text zu einem selbst gewählten Thema verfasst. 

Lohnt es sich für die kleinstrukturierte Schweizer Landwirtschaft überhaupt, in solche Technik zu investieren?

Es lohnt sich in der Schweiz überall da, wo die Arbeitskräfte knapp sind und die freiwerdende Arbeitszeit anderswo eingesetzt werden kann. So kann z. B. die Milchwirtschaft stark automatisiert werden, um dann in anderen Betriebszweigen oder auch ausserlandwirtschaftlich Geld zu verdienen. Das tut zwar manchmal weh, aber so sehe ich persönlich die Zukunft.

Wo sehen Sie die grössten Gefahren?

Wenn die Kosten hoch sind und die Wertschöpfung ausbleibt. Wir investieren in teure Technik und es kommt nichts zurück. Die Arbeitsentlastung bleibt aus oder die Kapitalbelastung ist zu hoch. In beiden Fällen hat der Landwirt keinen Nutzen davon. Die zweite Gefahr ist, dass zwar eine körperliche Entlastung entsteht, jedoch eine psychische Belastung resultiert. Dies geschieht zum Beispiel, wenn der Roboter nicht zuverlässig arbeitet und häufige Alarmmeldungen versendet.

Wie verändert sich die Beziehung zum Nutztier?

Eigentlich könnte die Beziehung besser werden, weil der Landwirt durch die Digitalisierung mehr Zeit für die Tiere hat. Das Problem ist aber, dass viele Landwirte, wenn sie einen Roboter installieren, die Tierzahl erhöhen und gleichzeitig auch noch mehr Land bewirtschaften. Dadurch wird der Arbeitszeitbedarf insgesamt wieder grösser. Ziel wäre es aber, dass der Landwirt mehr Zeit hätte, seine Tiere zu beobachten und seine Herdenführung zu optimieren.

Leidet das Tierwohl darunter?

Das Tierwohl leidet immer dann, wenn zu wenig Zeit für das Einzeltier aufgewendet wird. Ein PC, ein Smartphone und auch ein Herdenmanagementsystem kann immer nur unterstützend für den Betriebserfolg sein. Der direkte Kontakt zwischen Landwirt und Kuh wird auch in Zukunft immer erfolgsentscheidend sein.

Wie weit ist die Automatisierung der Schweizer Bauernhöfe fortgeschritten?

Die Schweiz ist relativ weit, weil die Investitionsbereitschaft in neue Technik vergleichsweise hoch ist. Die Fremdkapitalbelastung ist dadurch in der Schweiz auch höher als im umliegenden Ausland. In meiner Heimat, Deutschland, wird ein Traktor beispielsweise nur mit Eigenkapital bezahlt.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen (ach bezogen auf AgroVet-Strickhof)?

Mir gefällt an der Robotertechnik, dass sie mich wirklich von monotonen, körperlichen Tätigkeiten entlasten kann, wenn sie funktioniert. Dies ist leider nicht bei allen Robotersystemen so. Besonders gefällt mir bei AgroVet-Strickhof die Stallüberwachung mittels Kameratechnik. Dadurch haben wir stets einen guten Überblick über die Tiere. Was mir ebenfalls bei uns gut gefällt, sind die möglichen Systemvergleiche bei AgroVet-Strickhof. Wir können automatisches Melken direkt mit konventionellem Melken im Melkstand und auch im Anbindestall miteinander vergleichen. Dadurch können wir sehr gut die Vor- und Nachteile sehen und dem Landwirten objektive Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellen.

Wie wird ein durchschnittlicher Bauernbetrieb im Schweizer Mittelland in zehn Jahren aussehen?

Wenn im Mittelland die Direktzahlungen so bleiben, wird sich aus meiner Sicht der durchschnittliche Landwirtschaftsbetrieb strukturell kaum verändern. Aufgrund der Direktzahlungen steht nur sehr wenig Pachtland zur Verfügung und ein Betrieb im Nebenerwerb ist weiterhin sehr attraktiv. Funktionsfähige Robotersysteme werden diesen Trend eher unterstützen.

Im Berggebiet hingegen wird der Strukturwandel schneller stattfinden, da weiterhin viel Handarbeit und teure Technik eingesetzt werden muss. Zudem hat es im Berggebiet immer weniger Leute die Zuhause auf ihren Betrieben bleiben wollen. Die Automatisierung der Arbeitsprozesse wird allerdings im Berggebiet deutlich langsamer stattfinden als im Tal.

Dies sind jedoch nur Prognosen. Prognosen sind immer schwierig, insbesondere wenn sie in die Zukunft gerichtet sind (lacht).

Zur Person

Zuhause ist Matthias Schick in der Region Nordrhein-Westfalen (D). Er betreibt dort einen Futterbaubetrieb in einer Betriebsgemeinschaft. Schick ist habilitierter Professor.

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