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Stickstoffeinträge setzen Pilzen und Waldbäumen zu

Die Luftverschmutzung setzt den Pilzen und mit ihnen als Mineralstofflieferanten auch den Waldbäumen zu. Dies zeigt eine grossangelegte Studie unter Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Grenzwerte für die Stickstoffbelastung zu hoch angesetzt sind.


von sda
Publiziert: 14.06.2018 / 10:48

Wissenschaftler in 20 europäischen Ländern haben insgesamt 40'000 Wurzeln aus 13'000 Bodenproben genetisch untersucht. Darunter befanden sich auch fünf Flächen in der Schweiz, wie die WSL am Donnerstag mitteilte.

Die Studie unter Leitung des Imperial College London in Grossbritannien ist die erste dieser Grösse, welche die mit Bäumen in Symbiose lebenden Pilze detailliert untersucht. Zu diesen sogenannten Mykorrhiza-Pilzen, welche die Bäume mit Nährstoffen versorgen und dafür von diesen Zucker erhalten, gehören viele bekannte Pilze wie Steinpilz, Fliegenpilz oder Trüffel.

Die Studie auf insgesamt 137 Flächen ermöglichte es den Wissenschaftlern, grossflächige Trends bei den Bodenpilzen zu identifizieren. Dazu gehört auch dessen Toleranz gegenüber der Luftverschmutzung. Dabei hat sich gezeigt, dass die Stickstoffeinträge aus der Luft sowie das Klima den grössten Einfluss auf die Pilze hätten.

Bäume leiden unter Stickstoffeinträgen

Insbesondere Stickstoffeinträge, die unter anderem aus der Landwirtschaft und der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stammen, können die Pilze und über diese auch den Ernährungszustand und die Gesundheit der Bäume beeinträchtigen.

"Ein bedeutendes Resultat dieser Studie ist, dass die europäischen Luftverschmutzungs-Grenzwerte vermutlich viel zu hoch sind", wird Studienleiter Martin Bidartondo vom Imperial College London in einer Mitteilung zitiert.

Für die Schweizer Wälder sind diese Befunde laut WSL von grosser Bedeutung. Die Stickstoffeinträge haben seit den 1950-er Jahren deutlich zugenommen und liegen trotz eines allmählichen Rückgangs heute in grossen Teilen des Mittellandes immer noch bei rund 20 oder mehr Kilogramm pro Hektare. Dies ist derzeit der obere Grenzwert für Stickstoffeinträge.

"Wenn die Grenzwerte herabgesetzt würden, dann wären deutlich grössere Anstrengungen nötig, um die Luftreinhalteziele in der Schweiz einhalten zu können", wird der Co-Autor der Studie, Peter Waldner, von der Forschungseinheit Waldböden und Biogeochemie an der WSL zitiert.

Europaweites Beobachtungsprogramm

Die in der Studie verwendeten Daten und Standorte stammen vom europäischen Waldbeobachtungs-Netzwerk "International Co-operative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests" (ICP Forests). Das WSL-Programm der Langfristigen Waldökosystem-Forschung ist der Schweizer Beitrag dazu.

Seit 2017 hat ein Forscher der WSL den Vorsitz von ICP Forests. Es handelt sich dabei um eines der grössten Netzwerke der Welt, das Landökosysteme beobachtet und überwacht. In ganz Europa werden in jedem Land bei der Probenahme und Analyse vergleichbare Methoden angewendet, was einen europaweiten Vergleich der Auswirkungen der Luftbelastung auf den Wald ermöglicht.

sda

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