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Soll man den Fleischkonsum halbieren? Kleiner Disput zwischen Kilian Baumann und Jenifer Oswald

Die Forderung des grünen Nationalrats Kilian Baumann nach einer Halbierung des Fleischkonsums in der Schweiz ist der jungen St. Galler CVP-Politikerin Jenifer Oswald in den falschen Hals geraten. Sie schrieb uns eine Replik auf sein kürzliches Interview.


Am 17. Februar ist in diversen Zeitungen von CH Media und im Online-Portal Watson ein Interview mit dem neuen grünen Nationalrat und Biolandwirt Kilian Baumann erschienen (hier finden Sie das Interview integral).

«Fleischkonsum muss halbert werden»

In diesem Gespräch macht Baumann einige prägnante Aussagen zur Agrarpolitik, so fordert er unter anderem eine Halbierung des Fleischkonsums.

Hier einige Fragen und Antworten zum Thema Fleischkonsum und zum Verhältnis mit Markus Ritter aus dem erwähnten Interview:

In Ihrer Fraktion gibt es überzeugte Veganer und Vegetarier. Fühlen Sie sich da als Fleischproduzent wohl?
Kilian Baumann: Sehr. Ich schätze Leute, die keine tierischen Produkte essen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion. Unser Planet wird gegen die Wand gefahren. Der Fleischkonsum in der Schweiz muss halbiert werden. Ich setzte starke Hoffnungen in innovative Ersatzprodukte wie gepflanztes Poulet aus Erbsen und Soja. Bei Chicken Nuggets etwa könnte das Fleisch problemlos ersetzt werden. Es ist nur drin, weil es nicht als solches erkennbar ist und keinen Geschmack hat. Das wäre eine starke Klimaschutzmassnahme, unter der niemand leiden muss.

Sie sind Fleischproduzent und wollen den Konsum reduzieren. Wie geht das zusammen?
Ich habe eine Verantwortung. Aber ich stehe dazu, dass in der Schweiz auch in Zukunft tierische Produkte produziert werden. Viel Fleisch können wir ja nur produzieren, weil wir Futter importieren – das ist ein riesiges Problem.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt auch, dass Bauern kein Futter mehr zukaufen dürfen. Das würde die Landwirtschaftspolitik radikal verändern.
Ja, die Umsetzung wäre eine Herausforderung. Es bräuchte flankierende Massnahmen, damit regional noch Futter gehandelt werden könnte, finanzielle Hilfen und Härtefallregeln für Bauern, die viel in Masthallen investiert haben. Aber in den zentralen Punkten zeigt die Initiative, wie die Landwirtschaftspolitik aussehen müsste.

Zum Beispiel?
Es ist wichtig, dass ein Hof nur so viele Tiere hat, wie er mit seinem eigenem Futter versorgen kann. Sonst leiden Biodiversität und Artenvielfalt. Denn das zugekaufte Futter löst sich nicht in Luft auf, sondern wird zur Gülle oder Mist und muss auf die Äcker gebracht werden. Der Nährstoffeinsatz ist zu gross: Auf diesen Flächen wachsen die Kulturen gut, aber kein Blümlein mehr.

Ohne Futterimporte ist die Poulet- und Schweinemast in der Schweiz am Ende.
Ja, das ist so, oder zumindest wieder in einer Dimension wie früher. Pouletfleisch wird fast ausschliesslich mit Importfutter produziert. Daher sollten wir es, wenn möglich, durch Alternativprodukte ersetzen.

Dann steigen einfach die Importe.
Nein, das darf nicht die Lösung sein. Wir müssen weniger Fleisch konsumieren. Fast die Hälfte des Pouletfleisches wird übrigens bereits jetzt importiert, wir sollten nur noch Biopoulets aus den Nachbarländern einführen, dort wäre auch die Futtergrundlage für die Tiere vorhanden. Bei der Trinkwasserinitiative geht es aber nur um die Beiträge: Jeder Bauer kann weitermachen wie bisher, einfach ohne Direktzahlungen.

«Markus Ritter ist mein politisches Vorbild»

Bauernpräsident Markus Ritter hat sich für eine neue Agrar-Allianz zwischen Grünen und Bauern geäussert.
Wir sind froh, wenn wir bei den Importen die gleichen Ziele verfolgen wie der Bauernverband. Ritter hat die Zeichen der Zeit erkannt.

Er verlangt für die neue Agrarallianz ein Entgegenkommen und will die Vorschriften für die Tierhaltung «in einem vernünftigen Mass anpassen». Bieten Sie Hand dazu?
Die Massentierhaltungsinitiative verlangt, dass sich die Tierhaltungsbedingungen in den nächsten 25 Jahren verbessern. Wer möchte das nicht?

Wie verstehen Sie sich mit Markus Ritter? Er ist ja Bio-Bauer wie Sie.
Gut. Er ist mein politisches Vorbild (lacht).

Meinen Sie das ironisch?
Nein. Er kontert den Druck sehr gut und auf eine sympathische Art. Die Bauern haben ihm viel zu verdanken.

Er spricht von einem Schicksalsjahr für die Bauern.
Die nächsten Jahre werden Schicksalsjahre wegen der Klimakrise, aber nicht wegen der Landwirtschaftsinitiativen, die der Bauernverband bodigen will. Bei diesen Initiativen geht es um Konsumentenanliegen. Als Bauern können wir nicht mit Millionen gegen unsere Konsumenten ankämpfen.

Die Replik von Jung-CVP-Politikerin Jenifer Oswald:

«Der neue Shootingstar der Grünen Partei, Kilian Baumann, kritisiert im Interview den hohen Fleischkonsum in der Schweiz und fordert eine Halbierung. Dies obwohl der Fleischkonsum seit den 80er Jahren von knapp 70 kg pro Kopf auf 50 kg gesenkt wurde.

Nach neusten Kenntnissen der Wissenschaft, die auch den positiven Wert vom Grünland in der CO2-Bilanz berücksichtig, gehört seine Weidebeefproduktion zu den nachhaltigsten Produktionsformen. Nur kann ich mir schlecht vorstellen, dass man mit dieser Betriebsgrösse und der extensiven Weidemast ohne gutbezahlten Nebenerwerb oder Biolegehennenstall (max. 2000 pro Stalleinheit) eine Familie ernähren kann!

Herr Baumann kritisiert die hohen Getreideimporte, die 15% des gesamten Futterverbrauch ausmachen. Im Gegenzug schlägt er vor, auf Zölle für den Import von Biogetreide zu verzichten. Dies würde ausgerechnet den Bioackerbau in der Schweiz, den seine veganen Parteikollegen fördern wollen, treffen.

Auch ohne diese Importe zeichnen sich bei einigen Bioackerkulturen Überschüsse ab. Und was soll mit all den Mühlennebenprodukten passieren? Es macht für mich durchaus Sinn, diese via Schweine oder Geflügel im Lebensmittelkreislauf zu halten. Zumal in vielen Bioschweinemastställen, im Gegensatz zur Tofu-Produktion, gar kein Soja eingesetzt wird!

In einem Punkt teile ich die Meinung von Kilian Baumann. Die Bauern haben Markus Ritter viel zu verdanken. Ich begrüsse es auch, wenn der Bauernpräsident auf die Grünen zu geht. Diese können von seiner seinem grossen Fachwissen nur profitieren!»

Jenifer Oswald, JCVP Toggenburg

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