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SMP: «Schweizer Milch hat Zukunft» – auch in einer grünen Politik

Wie viel Politik braucht der Milchmarkt und wie gross ist der Druck der Gesellschaft? Das Milchforum der Schweizer Milchproduzenten (SMP) suchte nach Antworten.


In der Schweiz werden Fragen der Landwirtschaft immer öfter an der Urne entschieden, verschiedene Bewegungen verlangen mehr Nachhaltigkeit. Die Schweiz ist aber nicht allein, auch in der EU soll es in Richtung Nachhaltigkeit gehen, unter anderem mit einer neue Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Dennoch gibt es gewichtige Unterschiede.

Die Schweiz sei der EU voraus

In der EU und in der Schweiz sei die Entwicklung in Richtung mehr Nachhaltigkeit im Gang, sagte am Online-Milchforum auch Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Die Schweiz sei in den letzten Jahren Vorreiter gewesen. Was die EU aktuell bezüglich Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft plane, sei hierzulande schon länger Normalität. Ausserdem unterscheide sich die Schweiz auch, was die Marktmassnahmen angehe: Die Schweizer Landwirtschaft erhalte mehr direkte Unterstützung, der Anteil an staatlichen Geldern am Einkommen sei höher. Dies sei jedoch bezüglich Wettbewerbsfähigkeit ein Nachteil.

Weniger konkurrenzfähig, dafür ökologischer

Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten, der seinen Betrieb nahe der deutschen Grenze bewirtschaftet, kennt die deutschen Berufskollegen gut. In der EU gehe es viel mehr um Grösse und Masse, so Kern. Die Schweiz jedoch sei auch aus geographischen Gründen verpflichtet, kleine Betriebe zum Überleben zu motivieren. Damit sei man natürlich für dem Weltmarkt viel weniger konkurrenzfähig, aber bezüglich Ökologie weiter. Allerdings seien ökologische Massnahmen wegen der beschränkten Fläche in der Schweiz auch teurer, betonte Kern. Wenn die Bauern Flächen «stilllegten», müsse die Entschädigung entsprechend höher sei, sonst sei es nicht attraktiv genug.

In Spanien interessiert das Tierwohl wenig

Hélène Simonin, Direktorin der European Dairy Association (EDA), wies auf Unterschiede der gesellschaftlichen Ansprüche in der EU hin. So sei Tierwohl in Deutschland ein grosses Thema, während es in Spanien kaum jemanden interessiere. Diesbezüglich ist die Schweiz eher mit Deutschland vergleichbar.

Ein moderner Milchviehstall. Finanzielle Zukunftsängste beeinflussen auch die Investitionen. (Bild ji)

Finanzielle Zukunftsängste

«Wir können die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Verarbeiter nicht alle sofort in Echtzeit erfüllen», sagte Hanspeter Kern in der Diskussionsrunde. Die Massnahmen müssten umsetz- und verkraftbar sein. «Die Bauernfamilien sind bereit, sich weiterzuentwickeln, das muss aber Schritt für Schritt vor sich gehen.» Er merke, dass viele Produzenten Zukunftsängste hätten, ob sie die ganzen Anforderungen finanziell verkraften könnten. Tatsächlich sei es aber so, dass immer mehr «Kontrollen» durch Konsumenten stattfänden.

Riesige Erwartungen hätten die Konsumenten, aber dennoch müsse alles billig sein, stimmte auch Milchbauer Alexandre Cotting aus dem Kanton Freiburg zu und übte Kritik am widersprüchlichen Verhalten.

Neue Generation mit neuen Erwartungen

Es seien eher Vertreter gewisser Konsumenten, die sich bemerkbar machten, sagt Hélène Simonin. 80 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten sehe man nämlich nie, sie zeigten ihre Entscheide ausschliesslich im Regal im Laden. «Aber die restlichen sind sehr laut», so Simonin. Sie geht aber davon aus, dass die stärkeren Nachhaltigkeitsforderungen langfristig bestehen bleiben. Denn die heutige Generation wachse mit ganz anderen Erwartungen bezüglich Umwelt und Nachhaltigkeit auf.

Zahlungsrahmen  mit der Gesellschaft aushandeln

«Wenn viele Steuergelder aufgeworfen werden, ist klar, dass die Steuerzahlenden und das Parlament auch Anliegen haben», sagt Christian Hofer zum Einfluss der Gesellschaft auf die Agrarpolitik. Es sei eigentlich ein Aushandeln mit der Gesellschaft, wie hoch der Zahlungsrahmen sein solle und welche Leistungen dafür erbracht werden müssten. «Konsumenten sind aber nicht Treiber der Agrarpolitik, sondern Mitbestimmer», so Hofer. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass auch die Landwirtschaft mitzubestimmen habe.

Alpabzug im Entlebuch

Nicht nur Tradition, sondern auch Zukunft hat die Milchviehhaltung. Darüber waren sich die Referenten einig. (Bild lid)

Landwirtschaft ist Hauptbetroffene

Es brauche die Agrarpolitik, sie sei ein wichtiges Element, so Hofer. Wenn man eine Branche einfach machen lasse, ohne Regeln, ohne Ziele, dann fänden keine Entwicklungen statt. Der Markt orientiere sich dann nur an den Preisen, ohne das externe Kosten mitberücksichtigt würden.

Gerade bezüglich Klima werde die Politik deshalb eine sehr wichtige Rolle spielen. «Besonders die Landwirtschaft muss grösstes Interesse daran haben, denn sie ist eine der Hauptbetroffenen des Klimawandels», so Hofer. Extremereignisse wie Frostschäden oder Trockenheit in immer höherer Frequenz zeigten dies eindrücklich. «Es braucht dort die Politik, die mithilft, eine Kurskorrektur zu erhalten.»

Grosse Unwissenheit in der Bevölkerung

Es sei schwierig, dass die gesellschaftlichen Forderungen fast nur an die Produzentinnen und Produzenten gerichtet würden, sagte Kern. Bei den Käsern und anderen Verarbeitern frage niemand nach, da gehe man automatisch von einem guten Standard aus. «Bezüglich Landwirtschaft gibt es in der Bevölkerung eine grosse Unwissenheit», sagt Kern. Hier müsse man gut kommunizieren.

Angepasster Begriff «Ernährungswirtschaft»

Christian Hofer ist nicht der Meinung, dass alles der Landwirtschaft angelastet werde. Es gebe viele andere Bereiche, die auch unter Druck stünden. Aber aktuell kumuliere sich in der Landwirtschaft tatsächlich vieles, so Hofer. «Wir wollen deshalb auch von Land- und Ernährungswirtschaft sprechen», so Hofer. Damit man sehe, dass es nicht nur um die Landwirtin und den Landwirten gehe. «Die Konsumenten und ihr Warenkorb haben einen grossen Anteil am ökologischen Fussabdruck der ganzen Wertschöpfungskette», so Hofer.

Dass die Konsumentinnen und Konsumenten in der Pflicht stehen, ist auch für Kern klar. «Es gibt etliche, die ihr grünes Bedürfnis mit der Stimmkarte befriedigen, am Ladentisch haben sie es dann vergessen», so Kern.

So wenig Politik wie möglich, sagt Christian Hofer. Ohne gehe es aber nicht. (Screenshot Milchforum)

Die Milch hat Zukunft

«In der Schweiz als Grasland hat die Milch Zukunft», sagt Christian Hofer. Die Politik wolle so wenig wie möglich eingreifen. Sein Wunsch sei es, dass die Milchbranche Selbstverantwortung übernehme und möglichst gute Lösungen finde. Dass die Produzenten möglichst gut verhandelten, um gute Preise zu erreichen und die Politik subsidiär helfe, die Nachhaltigkeit sicherzustellen. «Es ist schade, wurde die Agrarpolitik 22+ sistiert, sie wäre diesbezüglich eine Superlösung gewesen», so der BLW-Direktor.

Bezüglich Bedeutung der Milch stimmte Hanspeter Kern zu. «Wir sind ein Grasland, wir müssen das Gras verwerten. Dazu braucht es Kühe oder Kleinwiederkäuer.» Deshalb sei die Milch eine unterstützungswürdige Branche. Wichtig für die Zukunft sei ihm, dass kommende Änderungen für die Betriebe auch durchführbar seien.  

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Gastbeitrag: Viel in Bewegung in Markt und Politik!
31.12.2020
Im Milchjahr 2020 wurde Milchfett zum raren Gut. Die Schweizer Milchproduzenten setzten viel daran, um hier wieder mehr Swissness zu gewährleisten, wie die Verbandsspitze im Gastbeitrag zum Jahresende schreibt
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2020 war auch in der Milchwirtschaft geprägt von Covid-19. Im Kräftefeld des neu formierten Parlaments mit Debatten rund um AP 22+, Absenkpfade, Zahlungsrahmen usw. ergab sich ein sehr anspruchsvolles, unsicheres Jahr. Die positive Absatzsituation wurde mit dem Lockdown vor allem im Detailhandel ohne Einkaufstourismus regelrecht befeuert. Die Schweizer(innen) kochen wieder zu Hause! Der ...
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