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Serie Biodiversität 3/3: «Wenn die Natur zurückfindet»

Die Qualität der Biodiversitätsförderflächen lässt zu wünschen übrig. Nicht so auf dem Betrieb von Ruedi Bühler in Heimenhausen. Ein Wegweiser.


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Es ist unüblich. Aber nicht unmöglich. Biodiversität ist auf dem Hof von Vroni und Ruedi Bühler in Heimenhausen ein Betriebszweig. Der 33 ha umfassende Betrieb, zu dem 10 ha Wald gehören, befindet sich im letzten Jahr zur Umstellung auf die biologische Produktion. Die effektiv an der landwirtschaftlichen Nutzfläche anrechenbare Biodiversitätsförderfläche (BFF) beträgt 6,25 ha. Das entspricht knapp 19%. Eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, dass Bund und Kantone nur 7% fordern.

Ertrag und Nutzen

Ruedi Bühler kümmert sich weniger darum, was gefordert wird, sondern vielmehr darum, was effektiv ist. 7% der Fläche ausscheiden und darauf keinen Nutzen erbringen, passt nicht zu ihm. Auf den Produktionsflächen will er Ertrag und auf den BFF entsprechend einen Nutzen, der nicht nur der Natur, sondern auch seinem Betrieb zu Gute kommt, wie er erklärt. «Nur für Geld alleine ist es eher schwierig», erklärt der Landwirt seine Motivation in die Biodiversität zu investieren. Es brauche ein Interesse für die Zusammenhänge und den Nutzen, der daraus sichtbar wird, «wenn die Natur zurück auf den Hof findet.» Und bei Bühlers hat sie das schon vor längerer Zeit. Aber nur mit Bürokratie sei die Biodiversität nicht zu fördern. «Es braucht die Bauern!», sagt er. Ohne sie gehe es nicht. Die Studie, die der Bund vergangene Woche publizierte, gibt Bühler recht. Darin steht ausführlich, auf rund 200 Seiten, dass die Quantität der BFF zwar erreicht wurde, aber dass insbesondere im Ackerbaugebiet deren Qualität als mangelhaft zu bezeichnen ist (wir berichteten). Mit Ausnahme des Sömmerungsgebiets hat keine andere Region die erhoffte Qualität erreicht. Ein unbefriedigendes Resultat, auch für die Landwirtschaft.

Ein Weiher für Glögglifrösch und Kreuzkröte

Eines der Projekte zur Förderung der Biodiversität auf dem Hof der Familie Bühler in Heimenhausen ist ein Teich. Dieser wurde vor etwas mehr als einem Jahr unter dem Projekt «Aufwertungs- und Vernetzungsmassnahme für Geburtshelferkröten im Emmental und Oberaargau 2014 bis 2018» erstellt. An der Finanzierung waren verschiedene Organisationen beteiligt, unter anderen Pro Natura. Es flossen auch Naturschutz-Gelder vonseiten des Kantons.

Lebensraum für Kröten

Die Geburtshelferkröte (Glöggli­frösch) und die Kreuzkröte kommen im Gebiet des Landwirtschaftsbetriebs der Familie Bühler noch vor, gehören aber zu den stark gefährdeten Amphibienarten.

Kreuzkröte: Sie pflanzt sich in flachen, kaum bewachsenen Gewässern fort, die jeden Winter austrocknen. Sie ist nachtaktiv. Ihre weittragenden Rufe sind bei Regenwetter in den Monaten April bis Juni zu hören.

Geburtshelferkröte: Sie betreibt Brutpflege. Bei der Paarung übernimmt das Männchen die Eischnüre vom Weibchenund wickelt sie um seine Fersengelenke. Danach sucht es sich einen warmen Unterschlupf an Land und geht einen Monat später zum Weiher, wo die entwickelten Larven schlüpfen. Der Ruf des Glögglifrösch, wie die Geburtshelferkröte auch genannt wird, ist hell wie eine Glocke. Das erklärt auch die hiesige Namensgebung.

Umweltziele Landwirtschaft

Mit den «Umweltzielen Landwirtschaft» fördert der Bund die Umsetzung der Fördermassnahmen für Amphibien auf land­wirtschaftlichen Flächen auf nationaler Ebene. Die jüngst erschienene Auswertung zeigt mässigen Erfolg. Die Umwelt­ziele Landwirtschaft werden im Rahmen der AP 22+ überarbeitet werden.

Beratung ist zwingend

Der Landwirt ist sicher, ohne einzelbetriebliche Beratung werde man auch künftig kaum ans Ziel kommen. Er hat alle Elemente zur Förderung der Biodiversität auf dem Hof vorgängig mit Fachpersonen besprochen und deren Ratschläge genutzt. Gestartet ist er damals vor rund 20 Jahren. Er erinnert sich, wie er als Bub immer im Bach neben dem Bauernhaus spielte. Dieser war voller Leben. Später kam es zu einer Bachverbauung und als Bühler nach zehn Jahren, die er teilweise im Ausland verbrachte, auf den Hof zurückkehrte, «war der Bach tot.» Dieser Umstand und sein Wunsch, dass auch seine Kinder in einem lebendigen Bach spielen können, legten den Grundstein, in die Natur zu investieren. Mit Hilfe des Kantons hauchte der Landwirt dem Bach wieder Leben ein. Fische, Vögel und Insekten kehrten zurück und das innert kürzester Frist. «Ohne Fachleute ist eine solche Umsetzung kaum zielführend», erklärt Bühler, der in diesem Bereich ein grosses Netzwerk hat. So arbeitet der Landwirt neben Gemeinde und Kanton auch schon länger mit Organisationen wie Pro Natura und dem WWF zusammen. In den letzten Jahren kamen diverse Projekte zur Umsetzung, «genormte, bei denen die Finanzierung klar ist», wie Bühler erklärt, aber auch Pilotprojekte, wie im Naturschutzgebiet, dem Önztäli. Dort setzten Hochwasser und zunehmend auch der Biber den Bewirtschaftern zu. Das Amt für Naturförderung ANF, der Oberingenieurkreis IV und das Fischereiinspektorat des Kantons Bern erarbeiteten zusammen mit den Landwirten und der Gemeinde Heimenhausen eine Lösung. Diese sichert die natürliche Entwicklung der Önz durch die Ausscheidung des Gewässerraums und die Erstellung eines dazugehörigen Dienstbarkeitsvertrags zwischen Grundei­gentümer und Kanton. Bewirtschaftungsverträge regeln die Nutzung, die Entschädigung und den Unterhalt der Fläche. Das Land kann auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden und die Bauern können Direktzahlungen und Vernetzungsbeiträge beziehen.

Der Eisvogel nistet

Ruedi Bühler zeigt, was in den vergangenen sechs Jahren, seit der Fertigstellung des Revitalisierungsprojekts passiert ist. Die Natur ist zurückgekehrt und die Önz hat sich ein Flussbett erarbeitet, «das zu ihr passt». So sei sie in den letzten Jahren auch nicht mehr über die Ufer getreten. Hier nisten mittlerweile Eisvögel, die in der Schweiz sehr selten geworden sind. Derzeit geht man von einem Bestand von rund 400 bis 500 Paaren aus.

Ein Standbein aufbauen

Biodiversität als Betriebszweig – Für den Landwirt aus dem Oberaargau ist das Alltag geworden. Mit der finanziellen Unterstützung durch Direktzahlungen dieser Biodiversitätselemente durch Bund und Kanton könne sich ein Betrieb auch ein Standbein aufbauen. Nicht jeder Landwirt könne die gleichen Massnahmen am gleichen Ort umsetzen, aber dafür brauche es eben Beratung. Und diese müsste einzelbetrieblich durchgeführt werden, ist er sicher. Aber ohne Veränderung sei es nicht möglich. Denn als grösste Hürden in der Umsetzung solcher Projekte, wie jenem im Önztäli, nennt Bühler die geltenden Gesetze und das Gewinnen der Bauern für ein Anliegen. «Wir müssen uns entwickeln», sagt Ruedi Bühler. Er habe nicht im Sinn, auf gute Erträge in der Produktion zu verzichten, aber das sei auch nicht nötig. Auch nicht, wenn man wieder vermehrt mit der Natur arbeite. «Wir müssen das Gute stärken und nicht das andere töten», erklärt er im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung seines Betriebes. So setzt er im Ackerbau auf die regenerative Landwirtschaft. «Ich will ein Bauer sein, der produziert, aber im Einklang mit der Natur», sagt er. Und die Natur ist auf seinem Hof sichtbar. Und wenn man die Sinne öffnet auch hörbar und gut zu riechen.

Serie Biodiversität

Die BauernZeitung hat eine dreiteilige Serie zur Biodiver­sität abgebildet. Im ersten Teil erzählt Lehrer und Berater David Perler vom Inforama, wie die Biodiversität in die Bildung einfliesst. Im zweiten Artikel äussert sich Andreas Stalder, Präsident IP-Suisse im Interview zum Einfluss der Biodiversität auf den Markt und erklärt, mit welchen Herausforderungen ein Label konfrontiert ist. Der Artikel über Landwirt Ruedi Bühler ist der dritte und letzte Teil dieser Serie.

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