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Schweizer Milchkühe leben durchschnittlich länger

Die durchschnittliche jährliche Milchleistung einer Milchkuh in der Schweiz beträgt knapp 7'000 Kilogramm Milch – die über 500'000 Schweizer Milchkühe produzieren zusammen also knapp 4 Milliarden Kilogramm Milch. Das sind Höchstleistungen wie bei einem Profisportler. Höchstleistungen bedeuten aber auch Verschleiss – wie sieht es mit der Lebenserwartung von Schweizer Milchkühen aus? Sie liegt höher als im Ausland.


Die Diskussion rund um die Lebenserwartung von Milchkühen ist schwierig oder zumindest nicht ganz einfach – und ganz sicher nicht schwarz und weiss. Bei Kühen, die als Nutztiere gehalten werden, muss man zwischen der natürlichen Lebenserwartung und der Nutzungsdauer unterscheiden.

Die natürliche Lebenserwartung von Kühen ist das Alter, das sie erreichen könnten, wenn sie nicht landwirtschaftlich genutzt würden. Mit Betonung auf «könnten»: Vor Krankheiten und Unfällen sind auch nicht landwirtschaftlich genutzte Kühe nicht gefeit – zudem hängt die Lebenserwartung von Kühen auch stark von der Rasse, der Pflege, der Haltung und der Fütterung der Tiere ab. Unter besten Bedingungen gehalten, hat eine Kuh eine natürliche Lebenserwartung von 20 bis sogar 25 Jahren.

Zur Produktion genutzte Nutztiere erreichen die natürliche Lebenserwartung in der Regel nicht. Bei diesen Tieren ist die Nutzungsdauer ausschlaggebend: Bei einer Milchkuh beginnt die Nutzungsdauer nach dem ersten Abkalben und dauert bis sie schliesslich aus dem Produktionsprozess ausscheidet und in der Regel beim Metzger landet. Die sogenannte Nutzungsdauer und damit die Lebenserwartung von Milchkühen liegt in der für sie bestimmten Nutzungsform entsprechend deutlich niedriger als die natürliche maximale Lebenserwartung.

Wie alt werden Milchkühe in der Schweiz

Der Alterszentralwert oder -medianwert lag bei Schweizer Milchkühen in den letzten 10 Jahren bei fünfeinhalb bis etwas über sechs Jahre alt. Dies geht aus der Zahlenabbildung «Alter von Kühen bei der Schlachtung nach Nutzungsart» der Identitas AG hervor. Die Auswertung erfolgte von Daten aller in der Schweiz in der Tierverkehrsdatenbank per Stichtag 28. Februar 2021 registrierten Milchrassen-Kühe für die eine Schlachtungsmeldung vorlag.

2020 lag der Medianwert bei den geschlachteten Kühen mit Nutzungsart Milchkuh bei 5,9 Jahren. Die Hälfte aller geschlachteten Milchkühe war dabei zwischen 54 und 92 Monate alt (die Streuung von 50 Prozent aller Stichproben – Interquartilbereich). Und: Bei den im Jahr 2020 geschlachteten Kühen wies das oberste Quartil – 25 Prozent aller Milchkühe – bei der Schlachtung ein Alter von mindestens 92 Monaten auf – ein Viertel der Kühe waren also mindestens 7,6 Jahre alt – das unterste Quartil zeigte einen Maximalwert von 54 Monaten oder 4,5 Jahren. Minimum und Maximum lagen im Jahr 2020 bei 20 respektive 149 Monaten.

Lebenserwartung ist rassen- und länderabhängig

Wie alt eine Milchkuh wird, ist aber auch rassenabhängig: Die Holstein-Rasse hat generell eine etwas tiefere Lebenserwartung als beispielsweise Braunvieh oder Swiss Fleckvieh. Trotzdem erreichten laut Eric Barras von der Organisation Holstein Switzerland die Schweizer Holstein-Milchkühe 2020 ein Durchschnittsalter von 5,9 Jahren. Die Nutzungsdauer beträgt durchschnittlich gut 3,5 Jahre. Das Durchschnittsalter der Holstein-Kühe in der Schweiz blieb in den letzten 10 Jahren konstant.

Von den typischen Milchrassen in der Schweiz gehört das Braunvieh zu den Rassen, die eine der längsten Nutzungsdauern und damit Lebenserwartung haben. Beim Verband Braunvieh Schweiz liegen aktuell bereinigte Daten zur Nutzungsdauer bis 2018 vor: Dabei wurden Abgänge aus dem Herdebuch ohne Schlachtung herauskorrigiert. «Die Braunvieh-Kühe hatten 2018 eine durchschnittliche Nutzungsdauer von gut 4 Jahren», erklärt Martin Rust, Verbandsvizedirektor und Fachbereichsleiter Zucht. Das Erstkalbealter lag bei durchschnittlich 31,8 Monaten – das heisst, Braunvieh-Milchkühe hatten 2018 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 6,7 Jahren. Die durchschnittliche Nutzungsdauer und damit die durchschnittliche Lebenserwartung beim Schweizer Braunvieh haben sich in den letzten Jahren erfreulicherweise auch leicht gesteigert. Weder die Zahlen von Holstein Switzerland noch die Zahlen vom Braunvieh-Verband sind allerdings direkt mit den Zahlen aus der Tierstatistik vergleichbar, da die Datengrundlage und -auswertung anders ist.

Deutsche Kühe leben im Durchschnitt 4,5 Jahre

Ein Blick ins benachbarte Ausland nach Deutschland zeigt: Schweizer Milchkühe werden tendenziell älter als ihre ausländischen Nachbarinnen. Laut dem Deutschen Bauernverband werden die deutschen Milchkühe im Durchschnitt 4,5 Jahre alt. Diese Zahl beruht auf den Jahresberichten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter. Allerdings sind rund 60 Prozent der in Deutschland gehaltenen Milchkühe der Rasse Holstein-Friesian zugehörig und diese werden durchschnittlich etwas weniger alt als die deutschen Fleckvieh-Milchkühe, die durchschnittlich 4,9 Jahre alt werden und ein Viertel der deutschen Milchkuh-Population ausmachen.

Potential wird (noch) nicht ausgeschöpft

Wie eingangs erwähnt, erbringen Milchkühe Höchstleistungen. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Milchleistung von knapp 7'000 Kilogramm gibt die Schweizer Milchkuh jeden Tag rund 20 Kilogramm Milch. Eigentlich würde sie aber sogar noch mehr schaffen – rund 25 Liter pro Tag sind bei einer gesunden und fitten Kuh möglich. Das Leistungsoptimum wird aber erst in der dritten bis fünften Laktationsperiode erreicht, also wenn eine Kuh drei- bis fünfmal abgekalbt hat. Die meisten «Milch-Profisportlerinnen» werden also aus dem Verkehr gezogen, bevor sie ihr volles Leistungsvermögen ausschöpfen konnten.

Je älter eine Kuh also wird, desto wirtschaftlicher und gewinnbringender wird sie. Es ist also auch den Landwirtinnen und Landwirten ein Anliegen, dass ihre Kühe möglichst lange leben. Allerdings wird eine Milchkuh mit zunehmender Leistungssteigerung auch anspruchsvoller in der Haltung, anfälliger für Krankheiten und der Betreuungsaufwand wird höher. Zucht, Haltung, Fütterung, Hygiene, Management und weitere Voraussetzungen spielen eine Rolle – gerät auch nur ein Aspekt leicht aus dem Gleichgewicht, macht das die Kuh anfällig für Krankheiten. Über zwei Drittel sind darum unfreiwillige und krankheitsbedingte Abgänge – die häufigsten Abgangsursachen bei Milchkühen sind Fruchtbarkeitsstörungen und Euterkrankheiten.

Zucht, Fütterung und Komfort sind wichtig

Unter anderem mit einer besseren und robusteren Zucht versuchen Landwirtinnen und Landwirte zu frühe Abgänge zu vermeiden: Es wird nicht mehr nur auf Leistung, sondern auch auf Fitness gezüchtet. Doch auch durch stark verbesserte Fitnessmerkmale konnte die Nutzungsdauer von Milchkühen bisher nicht signifikant verlängert werden. Auf rein züchterischem Weg können Kühe das entsprechende Alter für ihr Leistungsoptimum also nicht erreichen. Deshalb wird auch bei der Fütterung weiter geforscht und die Haltungsbedingungen werden, wo möglich, nachhaltig optimiert.

«Management und Kuhkomfort haben sehr viel Einfluss auf die Kühe», sagt auch Daniel Seematter, Präsident der IG Swiss Fleckvieh. «In der aktuellen Agrarpolitik rund um die Diskussion der CO2-Ausstösse ist eine langlebige Kuh sicher auch der richtige Weg. Bei Swiss Fleckvieh sind wir deshalb bestrebt, auf langlebige Kühe zu setzen.» Mit Zucht, Tierhaltung und Ernährung soll also die Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit der Profisportlerin Milchkuh verbessert werden.

«Alte» Kühe gibt es

Tatsächlich gibt es durchaus ältere Damen unter den Schweizer Milchkühen – und damit zurück zu den Zahlen aus der Tierverkehrsdatenbank der Identitas AG. Erfasst ist auch das Streuungsmass vom Alter, dass die Kühe bei der Schlachtung hatten. Die Zahlen sind in sogenannte Quartile eingeteilt: Zwischen dem oberen und unteren Quartil liegt die Hälfte der Stichproben, unterhalb des unteren Quartils und oberhalb des oberen Quartils jeweils ein Viertel der Stichproben. Und die Stichproben der 25 Prozent über dem oberen Quartil zeigen: In den letzten zehn Jahren hatte ein Viertel aller Schweizer Milchkühe bei der Schlachtung ein Alter zwischen 7,4 und 13,9 Jahren. Allerdings zeigt die Zahlenabbildung der Identitas AG auch, dass die Entwicklung der Nutzungsdauer von Milchkühen aktuell leicht negativ ist.

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17.12.2020
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