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Schweinepest soll draussen bleiben

Mit dem Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest wird in Dänemark eine Lösung nach dem Geschmack von Donald Trump diskutiert: Ein Grenzzaun. Schweinehalter sind gespalten, wie unsere zwei Beispiele zeigen.


Publiziert: 29.09.2018 / 11:51

«Die Lage ist ernst.» Das sagt Jorgen Popp Petersen von Logumkloster, einem kleinen Dorf, keine 20 Kilometer nördlich der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland. Popp Petersen ist Schweinezüchter und hätte viel zu verlieren, wenn die Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Dänemark auftreten würden; Popp Petersen hält 600 Muttersauen, und er wäre nicht der einzige mit einem grösseren Problem: 17 Millionen Mastschweine werden in Dänemark jedes Jahr geschlachtet, 13,5 Millionen Ferkel werden von Dänemark in die EU exportiert. «Heute gehen 50'000 Ferkel täglich über die Grenze», sagt Petersen.

Seit vorletzte Woche in Belgien ein Fall der Afrikanischen Schweinepest aufgetreten ist, gilt deshalb auch in Dänemark erhöhte Vorsicht. Zufällig hat das dänische Parlament noch vor den jüngsten Fällen einem Wildschwein-Zaun entlang der dänisch-deutschen Grenze zugestimmt. Trotzdem will Popp Petersen von einem Zaun nichts wissen; ein «Zaun wird das Problem nicht lösen.»

Export gefährdet


«Manche erkennen den Ernst der Lage nicht», bedauert deshalb Mogens Dall aus Abenraa. Dall mästet

jedes Jahr 10'000 Schweine und spricht sich dezidiert für den Grenzzaun aus. Sein Argument: Wenn ein Fall von Afrikanischer Schweinepest in Dänemark bekannt wird, dann fällt der Zugang zu den Exportmärkten weg. «Diese Länder würden ihre Grenzen dicht machen», sagt Dall. Da der Staat aber alleine vom Export aus der Schweinebranche jedes Jahr etwa elf Milliarden dänische Kronen (umgerechnet etwa 1,6 Mrd Franken) einnehmen könne, sei die ASP ein erhebliches Risiko. «Wenn ein Fall von ASP in Dänemark bekannt wird, werden diese Länder ihre Grenzen dicht machten», so Dall. «Wo soll dann das Geld für Spitäler und Schulen herkommen?», fragt er rhetorisch.


Mensch verbreitet Virus


Die Schweinepest hat sich in den letzten zehn Jahren trotz Vorsichtsmassnahmen ausgebreitet. Jorgen Popp Petersen zeigt auf seinem Mobiltelefon eine Tabelle vom Friedrich-Löffler-Institut; sie zeigt die Ausbreitung der ASP in Osteuropa. «Durch Wildschweine wird der Virus nur acht bis zehn Kilometer im Jahr verbreitet», erzählt Petersen. Sein Kollege, der eine halbe Autostunde weiter östlich wohnt, meint, es seien 60 Kilometer pro Jahr.


Verbreitet werde das Virus hauptsächlich durch Menschen, die Essensreste von nicht hinreichend gekochtem Fleisch wegwerfen. Das Virus bleibt mehrere Monate lang aktiv; findet ein Wildschwein in dieser Zeit die Abfälle, kann es sich mit der ASP anstecken. Besonders Militärangehörige und Lastwagenchauffeure aus Osteuropa nehmen mit Vorliebe ihre eigene Wurst mit auf den Weg – aus den täglich acht bis zehn Kilometer können so mehrere hundert werden. Ein Grenzzaun könnte den Warentransport nicht aufhalten, so Petersen. Ausserdem seien Wildschweine schlaue Tiere. «Der Zaun würde viele Lücken haben – für Strassen und Schienen, für Wild. Die Schweine werden einen Weg finden», so der Mäster.


Der Aufwand lohnt sich


Mogens Dall weiss, dass der Zaun kein voller Schutz gegen die ASP ist. Aber wenn nur ein krankes Wildschwein draussen bleibt, sei der Zaun den Aufwand wert. «Es werden weniger Wildschweine einwandern, weil es diesen Zaun gibt», ist er überzeugt.  Und die Wildschweine, die einwandern,«sind leichter zu lokalisieren und durch gezielte Jagd  zu dezimieren.» Auf kleinere Strassen soll ein Viehgitter die Schweine vom Grenzübertritt abhalten, bei Wanderwegen sollen schweinesichere Tore den Dienst erfüllen. Der Zaun soll 70 Mio Kronen kosten (zirka 10,6 Mio Franken).

Jorgen Popp Petersen sieht das als unnötige Investition an. Dall indes findet: «Dieser Betrag entspricht dem täglichen Export in Drittländer. Der Zaun ist wie eine Versicherung.» Ausserdem würde es Dall sehr gerne sehen, wenn Leute, die aus dem Osten kommen, per SMS daran erinnert werden, alle Essensreste in einem sicheren Abfallbehälter zu deponieren – und er sähe gerne ein Verbot gegen den Import von Wildschweinprodukten.


Penible Kontrollen

«Tiergesundheit ist heute schon ein grosses Thema hier», sagt Jorgen Popp Petersen. Sämtliche Tier-Transport-Lastwagen aus Osteuropa werden an der Grenze desinfiziert. Essensreste werden den Fahrern abgenommen; als Ersatz wird ein Lunchpaket angeboten. «Das alles wird von  der Branche finanziert.» Und er erzählt beunruhigt, wie die Rechtspopulisten sagen, wenn schon ein Zaun gegen Wildschweine, dann soll ein paar Meter höher gebaut werden, um Flüchtlinge draussen zu halten.»

Mit einem Zaun würden die Vorteile der offenen Grenze wieder verloren gehen. Mogens Dall weist diese Befürchtungen ab. «Jeder Mensch kann die Grenze überqueren.» Auch die Behauptung der Tierschützer, wonach Füchse, Rehe und Wildtiere nicht mehr zwischen den Ländern hin und her wechseln können, weist Dall

 zurück. Es werde kleinere Türen für Füchse und Stachelschweine geben, sagt er. Würde die ASP ausbrechen, ist Dall überzeugt, wären die Tierschützer auch über den schmerzhaften 
Tod seiner Schweine bestürzt.


In jedem Fall braucht es eine Aufklärungskampagne: in der Bevölkerung, bei den Jägern und bei den Landwirten. «Ich möchte gar nicht daran denken, was es für Dänemark heissen würde, wenn die Schweinepest hier tatsächlich ausbrechen würde», sagt Petersen deshalb.

Marianne Stamm

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