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Schliesslich dürfen Lebensmittel nichts kosten – Der SBV erläutert Marktrealitäten

Der Schweizer Bauernverband stellt fest: Die Marktrealität und die Idealvorstellungen der hiesigen Landwirtschaft klaffen weit auseinander. Er zieht dafür die Konsumenten und Konsumentinnen und den Detailhandel zur Verantwortung.


Kaum eine Branche steht in der Schweiz so oft in der Kritik wie die Landwirtschaft. Sie stemme sich ständig dagegen, ökologischer zu produzieren, so der Tenor. Damit will der Schweizer Bauernverband (SBV) jetzt aufräumen.

Anstelle der traditionellen Neujahresmedienkonferenz auf einem Hof, verschickt dieser eine Mitteilung unter dem Titel «Idealvorstellung versus Realität». Der SBV weist darauf hin, dass der Konsument mit seiner Kaufentscheidung die Zügel selbst in der Hand hält, in welche Richtung sich die Landwirtschaft bewegt. 

Gnadenloser Detailhandel

«Der Markt ist gnadenlos: Er kennt keinen Idealismus. Was im Laden liegen bleibt, wird ausgemerzt», schreibt der SBV weiter. Im Schnitt nehmen die Bauernfamilien vier von fünf Franken über den Verkauf ihrer Produkte ein. Biologisch, aber am Markt vorbei zu produzieren, könne sich niemand leisten. 

«Beim SBV ist niemand gegen Bio. Aber wir müssen auch diese Produkte zu kostendeckenden Preisen an den Markt bringen können. Beim Gesamtwarenkorb Lebensmittel machen die Bioprodukte im Moment rund zehn Prozent und bei den Frischprodukten zwölf Prozent aus. Dies ist die Marktrealität», sagt SBV-Präsident Markus Ritter auf Anfrage der BauernZeitung.

Zwar sei die Direktvermarktung am Boomen. «Aber schlussendlich ist auch sie über alles gesehen eine Nische», schreibt der SBV weiter in seiner Mitteilung. Die grosse Masse laufe über den Detailhandel, weil dort auch der Absatz stattfinde.

Dort gelten bei pflanzlichen Produkten strenge, klar vorgegebene Grössen-, Form- und Qualitätsvorgaben. «Für Äpfel mit Rost oder oberflächlichen Pilzflecken hat es genauso wenig Platz wie für von Schädlingen angeknabbertes, unförmiges oder zu kleines Gemüse.» Diese fehlende Toleranz führe dazu, dass der Produzent die ganze Ladung Salat zurückbekomme, wenn bei der Kontrolle auch nur eine Raupe entdeckt werde.

Wunschdenken, nicht Marktrealität

Der SBV äussert sich auch zum Thema Labelfleisch. In einer Studie hat Agroscope gezeigt, dass die Tierwohlprämie in der Rindermast zu tief und in der Schweinemast nur knapp kostendeckend ist. «Wenn Labelfleisch nicht ausreichend gekauft wird, dann reduzieren die Detailhändler ihre Bestellungen», schreibt der SBV. «Unbekümmert davon, dass die Bauernfamilien viel Geld investiert haben, um ihren Schweinen einen Auslauf zu bauen und damit die Konsumentenbedürfnisse zu befriedigen.»

Gibt es Lösungen für dieses kostspielige Problem? «Aus meiner Sicht ist es absolut wichtig, dass man mehr Transparenz und Fairness im Preissystem schafft», sagt SBV-Direktor Martin Rufer im Interview mit der BauernZeitung. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen sich bewusst werden, was der Produzent für das Endprodukt bekommt. «Das wird den Druck auf die Produzentenpreise mindern.»

Ritter holt weiter zum politischen Rundumschlag aus: «Die SP, die Grünen und Grünliberalen hätten am liebsten nur noch Biolandbau. Dieses Wunschdenken lässt sich auf dem Markt derzeit nicht abbilden.» 

Spannung für Initiativen steigt

Letztlich fokussiert sich der SBV in seiner Mitteilung auf die kommenden Initiativen, über die die Schweizer Bevölkerung am 13. Juni abstimmen werden. Die Trinkwasser-Initiative und die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» verlangen im Wesentlichen beide eine Schweizer Landwirtschaft ohne synthetische Pflanzenschutzmittel. 

Beide Volksvorlagen seien extrem und kontraproduktiv. «Sie fokussieren sich allein auf die Landwirtschaft und lassen die Nachfrage und den Sog des Konsums aussen vor.» Besonders die Trinkwasser-Initiative ist SBV-Direktor Martin Rufer ein Dorn im Auge. «Sie schadet der Umwelt mehr, als sie nützen würde», ist er überzeugt.

Viele Landwirte würden aus dem ÖLN aussteigen. «Und ein Grossteil der Produktion würde ins Ausland verlagert werden. Dort würden unsere Lebensmittel zu massiv schlechteren Umweltstandards produziert werden, was unter dem Strich negative Auswirkungen auf die Ökobilanz unserer Lebensmittel hätte.»

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