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Schlafen im Stroh im Appenzell: Das Einfache und Traditionelle ist sehr gefragt

Ruth und Niklaus Signer haben ihr Angebot «Schlaf im Stroh» den Strukturen ihres Sömmerungsbetriebes angepasst. Das Angebot ist einfach gehalten und wird wohl gerade deshalb von den Gästen aus dem In- und Ausland geschätzt.


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Die Ortschaft Wasserauen im Kanton Appenzell Innerrhoden besteht aus ein paar Bauernhöfen und tritt vor allem durch einen Bahnhof, die Seilbahnstation auf die Ebenalp und einen riesigen Ausflugsparkplatz in Erscheinung. Wasserauen ist Ausgangspunkt für unzählige Wanderrouten auf die Ebenalp und ins Alpsteingebirge. Vor dieser beeindruckenden Kulisse liegt der Sömmerungsbetrieb von Ruth und Niklaus Signer. Sie profitieren direkt vom Tourismus, denn seit 20 Jahren bieten sie Schlafen im Stroh an. Niklaus Signer hält aber fest: «Wir wollen einen naturnahen Tourismus, der nicht auf Kosten der Landwirtschaft geht. Die Landwirtschaft hat für mich immer Vorrang.»

Einstieg nach Stallneubau

Angefangen mit dem Agrotourismus haben Signers, nachdem sie im Jahr 2000 einen neuen Stall bauten. Da kam die Frage auf, was man mit dem über 100 Jahre alten Anbindestall machen soll. Anstatt das ehrwürdige Gebäude im Appenzeller Baustil abzureissen oder leer stehen zu lassen, entschieden sie sich, es für die Beherbergung von Gästen umzunutzen. Sechs Schlafpätze gibt es im ehemaligen Stallteil der Kühe. Weitere acht Plätze richteten sie im oberen Stock neben dem Heuraum ein und vier Plätze in der Remise. Trotz oder vielleicht gerade wegen seinem Alter versprüht das Gebäude immer noch viel Charme. «In den ersten beiden Jahren hatten wir 80 Übernachtungen. Langsam stiegen die Zahlen auf 180 Übernachtungen», erzählt der Landwirt.

Im alten Stallgebäude (vorne) übernachten die Gäste, direkt dahinter ist der Stall für Kühe und Ziegen. (Bild sgi)

Um besser auf das Angebot dieser Beherbergung aufmerksam zu machen, baute der jüngste Sohn Andreas eine Hofbeschilderung. Das Gesuch zum Aufstellen dieser Hoftafel hatte verschiedene Auflagen zur Folge, die für das bisherige Angebot in keinem finanziellen Verhältnis standen. Familie Signer entschied dann, das Angebot mit einem Ersatz-Neubau neben der Alphütte zu erweitern, um langfristig eine Wertschöpfung aus diesem agrotouristischen Angebot zu generieren. Der älteste Sohn Stefan plante den Neubau von weiteren zwölf Schlafplätzen und führte die Holzarbeiten aus.

Das Angebot im Überblick

  • Schlaf im Stroh: 1. Raum für 12 Personen; 2. Raum für 6 Personen; 3. Raum für 8 Personen; 4. Raum für 4 Personen (für Gäste mit Haustieren).
  • Verpflegung: Frühstück; Nachtessen auf Vorbestellung und gegen Aufpreis; ansonsten Selbstverpflegung; Mitbenutzung von Küche und Grill.
  • Attraktionen: Ausgangspunkt für Wanderungen im Alpsteingebirge: Äscher, Wildkirchli, Seealpsee, Ebenalp (Gleitschirmgebiet), Säntis.

2017 liessen sie ihr Angebot auf der Plattform Airbnb eintragen. «Danach schossen die Buchungen durch die Decke», erinnert sich Signer, der damals selbst überrascht war über den Run. In jenem Jahr vervierfachten sich die Übernachtungen und auch in den Folgejahren blieb die Zahl so hoch – bis Corona kam.

Der Bauer macht das Frühstück

Allen Räumen gemeinsam ist, dass sie sehr hell und einfach eingerichtet sind. Die Bilder mit Appenzeller Malereien und die Hofbeschilderung hat Tochter Daniela gemalt. Die kleinen Holzkühe und Sennen in Appenzeller Tracht hat Ruth Signer geschnitzt. Zu jedem Schlafplatz gehören ein Kissen, Leintuch und Wolldecke. Schlafsack und Frotteewäsche müssen selber mitgebracht werden. Es gibt zwei Dusch- und WC-Räume, einer beim Neubau und einer im alten Stallgebäude. Eine Heizung in Form eines Kachelofens gibt es nur im Stübli der Alphütte, das bei schlechtem Wetter auch als Frühstücksraum benutzt wird.

Das Stübli im Erdgeschoss des Wohnhauses ist Aufenthaltsraum und Frühstücksraum bei schlechtem Wetter. (Bild Signer)

Niklaus Signer verbringt von Mai bis Oktober einen Grossteil seiner Zeit auf dem Sömmerungsbetrieb in Wasserauen, während seine Frau Ruth auf dem Heimbetrieb in Eggerstanden, zehn Fahrtminuten entfernt, die 50 Mutterschweine versorgt. Weil Signer in Wasserauen übernachtet, ist er für die Gästebewirtung zuständig. Er richtet das Frühstück, das entweder draussen oder im Stübli eingenommen wird. Frische Milch, Joghurt, Butter, Eier und Konfitüre sind aus eigener Produktion. Das Brot kaufen sie beim Bäcker, der Käse kommt aus der Bergkäserei Gais, wo die Milch von den Kühen im Sommer verkäst wird.

Ansonsten verpflegen sich die Gäste selber. Sie dürfen die Küche und den Kühlschrank in der Alphütte mitbenutzen. Auf Vorbestellung kocht Ruth Signer auch etwas Einfaches: Spaghetti, Chäs-Flade oder Chäs-Hörnli mit Siedwurst und Apfelmus. Der obere Stock ist Privatbereich. 

Direkt neben dem Wohnhaus (rechts) steht der Neubau mit zwölf Schlafplätzen. (Bild Signer)

Die Gäste müssen sich dem Betrieb anpassen

«Wir zeigen, wie wir wirklich leben und arbeiten. Das kommt recht gut an», sagt Niklaus Signer. An eine Ausnahme mag er sich aber gut erinnern: «Letzten Sommer bat mich ein Gast, den Geissen in der Nacht die Glocken abzunehmen – was ich natürlich nicht gemacht habe.» Die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Sogar Chinesen haben sich im Gästebuch eingetragen.

«Letztes Jahr hatten wir viel mehr Schweizer Kundschaft, vor allem aus der Westschweiz», sagt Ruth Signer. In besonderer Erinnerung bleibt ihr ein Gast, der etwas naserümpfend auf den Betrieb kam. «So à la ‹wir machen das nur den Kindern zuliebe›. Am nächsten Morgen war er wie ausgewechselt. Er ist so richtig auf den Boden gekommen», erzählt sie. Das sei für sie ein sehr schönes Erlebnis gewesen.

Sehenswürdigkeiten bei gutem und schlechtem Wetter

Die meisten Leute, die bei Signers übernachten, suchen die Ruhe und etwas Einfaches. Die Lage ist für Wandervögel prädestiniert. Es gibt Wanderrouten in allen Schwierigkeitsgraden. Sogar den Säntis kann man von hier aus besteigen. Diese Wanderung ist aber nur routinierten Bergsteigern zu empfehlen.

Ein sehr beliebtes Ziel ist das Berggasthaus Äscher oder der Seealpsee. Niklaus Signer verrät: «Ich habe schon noch den ein oder anderen Geheimtipp für Wandertaugliche auf Lager.» Diese Perlen möchte er dann aber doch für sich behalten.

Bei schlechtem Wetter empfehlen Signers einen Besuch im Dorf Appenzell, die Appenzeller Schaukäserei in Stein, das Naturmuseum St. Gallen oder den Säntispark in Abtwil mit Badewelt und Sportanlagen.

Die Kühe hält Niklaus Signer mit Sohn Bruno in einer Tierhaltergemeinschaft. (Bild Signer)

Von der Landwirtschaft geprägt

Das Appenzellerland mit seiner schönen und gepflegten Landschaft habe halt schon seinen Reiz, werben Signers für ihre Heimat. Diese Schönheit habe man der Viehwirtschaft zu verdanken und den Bauern, die dem Land Sorge tragen. Sie halten sehr viel auf Traditionen. Sie treiben ihr Vieh aber nicht in der Tracht auf den Sömmerungsbetrieb. Niklaus Signer sagt, dass sie nur auf stark befahrenen Hauptstrassen auf den Sommerbetrieb gelangen und deshalb den Viehtransport vorziehen. Die Alpauffahrt im Appenzeller Senntum ist aber sicherlich ein Erlebnis, das man einmal live erlebt haben sollte, finden sie.

Betriebsspiegel

Name: Ruth und Niklaus Signer, Eggerstanden (Appenzell Innerrhoden)

LN: 13 ha, reiner Graslandbetrieb.

Tierbestand Heimbetrieb: 50 Muttersauen, im Winter Jungvieh und Galtkühe.

Tierhaltergemeinschaft mit Sohn Bruno: 24 Milchkühe, eigene Aufzucht und Kälbermast; im Winter in Gonten, im Sommer in Wasserauen; zirka fünf Appenzeller Ziegen in der Sömmerung.

Weitere Betriebszweige: Agrotourismus «Schlaf im Stroh».

Arbeitskräfte: Niklaus und Ruth Signer.

Website: erlebnis-auen.ch

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