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Schadstoff-Cocktails in Schweizer Haaren

Neuer Zündstoff für die Pestizid-Initiativen: Haaranalysen von Schweizern zeigen Mehrfachbelastungen mit Schadstoffen bei unterschiedlichen Testpersonen. Aber nicht alle Substanzen stammen aus der (Schweizer) Landwirtschaft.


Publiziert: 09.05.2019 / 10:42

Ein aktueller Artikel des Konsumentenmagazins K-Tipp beschäftigt sich mit den Resultaten einer Haaranalyse von 20 Schweizerinnen und Schweizern. Untersucht wurden die Proben auf über 1'800 verschiedene Substanzen, die als gesundheitsgefährdend gelten.

Organische Schadstoffe und Metalle

Das vom K-Tipp beauftragte Labor in Frankreich suchte nach 1'800 verschiedenen organischen Schadstoffen. Darunter fallen Pestizide, Weichmacher und Konservierungsmittel (z.B. aus Kosmetika). Zudem wurden 46 Metalle und Schwermetalle berücksichtigt. Diese werden oft als Farbpigmente verwendet und sind daher in Kosmetika wie Lippenstift, Lidschatten und Kajal zu finden.

Die Haarproben waren jeweils 3cm lang. Somit konnte die Analyse die Belastung des Körpers mit Schadstoffen über die letzten drei Monate abbilden. Nicht miteinbezogen wurden Rückstände aus Abgasen.

Niemand war unbelastet

Alle der 20 untersuchten Proben waren mit Schadstoffen belastet. Dabei zeigten sich grosse Unterschiede, abhängig vom Wohnort sowie den Ess- und Lebensgewohnheiten. Weder (Klein-)Kinder noch Jugendliche, Erwachsene oder Personen im Rentenalter blieben verschont.

Der häufige Gebrauch von Schminkmittel liess sich klar in den Haaren einer jungen Frau nachweisen; verschiedene Metalle und Schwermetalle hatten sich eingelagert.

Auch der Wohnort hatte einen Einfluss: eine 77-Jährige auf dem Land hatte Pestizide aus dem Obst-, Weizen- und Maisanbau in ihrer Probe, ausserdem auch ein Medikament aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Die ältere Frau lebt auf dem Land, umgeben von Ackerflächen und in der Nähe einer Geflügelzucht. Diverse Schadstoffe aus der Umgebung fanden also den Weg in ihren Körper, obwohl die auf Frau biologische Lebensmittel achtet.

Vielfältige Wirkungen

Analysiert wurden nur Stoffe, die bei einer chronischen Belastung die Gesundheit beeinträchtigen können, so der K-Tipp. Verschiedene Schadstoffe stören das Hormonsystem. Das kann zu verringerter Fruchtbarkeit und beeinträchtigter körperlicher Entwicklung bei Föten und Kindern führen. Weiter gibt es viele potenziell krebserregende Substanzen, manche schädigen bestimmte Organe oder sind umweltschädigend.

Hinzu kommt, dass diese Stoffe meist als Cocktail auftreten und so auf bisher unbekannte Weise den Körper beeinflussen können.

Unterschiedliche Quellen

Viele der am häufigsten gefundenen Substanzen in den Haarproben waren Pestizide. Zwei davon (Atrazin und DNOC) sind allerdings bereits in der Schweiz und der EU verboten. Die Giftstoffe sind aber noch immer da, eingelagert in den Boden und werden langsam ausgewaschen. Auch der bekannte Weichmacher Bisphenol A wurde oft nachgewiesen. Dieser kommt in vielen Alltagsprodukten aus Plastik und in Kosmetika vor. Metalle und Schwermetalle können ebenfalls aus Pflegeprodukten stammen.

Keine Angaben zur Konzentration

Wie die 20 Minuten schreibt, macht der K-Tipp keine Angaben zu den nachgewiesenen Konzentrationen. Das kann verschiedene Gründe haben:

  1. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Mengen einer Substanz, die aus dem Körper in die Haare eingelagert werden (etwa das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper). Deshalb sind Haaranalysen nicht geeignet, um etwa einen Mangel oder Überschuss an Mineralien oder Vitaminen zuverlässig nachzuweisen, wie der Gesundeitstipp 01/2011 schrieb. Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa bei bestimmten Drogen und Giften.
  2. Schadschwellen sind umstritten. Das zeigen auch die Debatten um Grenzwerte in der aktuellen Politik. Zudem ist die Cocktail-Wirkung verschiedener Stoffe im Zusammenspiel unbekannt.
  3. Ohne Angaben der Konzentrationen liegt der Fokus des Artikels anders: es geht nicht darum, wie viel da war, sondern dass etwas nachweisbar war.

Ist die Landwirtschaft schuld?

Für die 20 Minuten scheint der Schuldige schnell gefunden: Pestizide im Haar heisst, die Landwirtschaft vergiftet quasi die Bevölkerung.

Es ist beunruhigend, dass auch eine biologische Ernährung nicht vor Pestiziden im Körper schützt. Schlussendlich ist das aber nicht verwunderlich, wie auch der K-Tipp bemerkt; der Wind oder das Wasser tragen Schadstoffe weit über Gartenzäune und Grundstücksgrenzen hinweg.

Hier kommen wieder die Konzentrationen ins Spiel; es kann sein, dass man wenigstens eine geringere Menge an Pestiziden aufnimmt, wenn man auf Bio setzt.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Leute heutzutage nicht nur von inländischen Produkten ernähren. Daher können die Schadstoff-Quellen auch im Ausland liegen.

Jeder ist verantwortlich

 Was lässt sich aus dem Ganzen schlussfolgern? Hier einige Punkte:

  1. Der Lebensstil und der Wohnort beeinflussen die Belastung des Körpers mit Schadstoffen.
  2. In unserem Alltag gibt es viele Quellen potenziell schädlicher Substanzen. Im Falle von Pflege- und Reinigungsmitteln, aber auch bei der Nahrung lohnt es sich, auf natürliche Inhaltsstoffe und biologische Produktion zu achten (siehe Kasten).
  3. Pestizide zu verbieten bringt sie nicht zum Verschwinden. Viele Pflanzenschutzmittel sind schwer abbaubar und bleiben daher lange im Boden erhalten.
  4. Für Schadstoffe gelten keine rechtlichen Barrieren; sie können Landes-, Feld- und Grundstücksgrenzen überwinden.

Konsumenten können sich nicht der Verantwortung entziehen und der Landwirtschaft alleine die Schuld zuweisen. Schliesslich sind sie auf verschiedene Art und Weise für die Produktionsart mitverantwortlich.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Analyse.

Eine App zum Schutz

Die Inhaltsangaben von Pflege- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetika sind keine leichte Lektüre. Lateinische Fachbezeichnungen und diverse Namen für denselben Stoff machen es schwierig, bewusst einzukaufen.

Hier hilft die App «CodeCheck». Damit kann man den Strickcode im Supermarkt scannen und erhält Auskunft über möglicherweise problematische Inhaltsstoffe. Auch gibt es Informationen dazu, weshalb eine Zutat so eingestuft wurde.

«CodeCheck» ist kostenlos für Android und iPhones im AppStore erhältlich.

 

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