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Recycling von Silofolien: Warum es noch immer nicht klappt

Das Siloballen-Recycling sei eine sehr frustrierende Geschichte, tönt es aus der Landwirtschaft auf die Frage, wie weit die Projekte zu einer Erhöhung des Recycling-Anteils gediehen seien. Eine Umfrage bestätigt: Im Grund ist man keinen Schritt weiter. Einige aber haben die Hoffnung nicht aufgegeben.


Der  Beginn des letzten Kapitels dieser Geschichte ist auf den 11. Juni 2009 zurückzuführen. An jenem Tag reichte der frühere Bündner CVP-Nationalrat Sep Cathomas ein Postulat ein mit dem Titel «Rückführung von verbrauchten Polyethylenfolien zur Wiederverwertung». Begründung: In der Landwirtschaft komme Polyethylen (PE) immer mehr für die Siloballenverpackung zur Anwendung. Weil aber konkrete Anreize für die Rückführung fehlten, sei anzunehmen, dass ein wesentlicher Anteil dieses wertvollen Materials nicht einer Wiederverwertung zugeführt werde. Zwei Monate später erklärte der Bundesrat, er sei bereit, die «Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten».

Ökologisch die beste Variante

Acht Jahre später publizierte die Landesregierung den versprochenen Bericht. Aufgezeigt wurden darin «Vorschläge für Anreizsysteme zur erhöhten Rückführung der verbrauchten PE-Folien zur Verwertung, insbesondere zum werkstofflichen Recycling». Fazit: Die stoffliche Wiederverwertung der PE-Folien oder der Ersatz von Kohle durch PE im Zementwerk stellten die ökologisch besseren Varianten dar als die Entsorgung via Kehrichtverbrennungsanlage (KVA). Durch eine effiziente Verwertung der Folien könnten bis zu 80 Prozent nicht-erneuerbare Energie eingespart werden. Leider aber, so der Bundesrat, würden immer noch rund 70 Prozent der Folienabfälle in KVA verbrannt.

Der Aufwand wäre klein

Markus Tonner, Geschäftsführer der Innorecycling in Eschlikon TG freute sich über solche Aussagen, hatte er doch schon vor dem Erscheinen des Berichts bedauert, dass nur eine Minderheit der Landwirte ihre Plastikfolien regelmässig recyclen liessen. Weil Siloballen sortenrein seien und in grossen Mengen anfielen, könnten diese nämlich mit wenig Aufwand separat gesammelt werden.

Für eine vorgezogene Gebühr

Kurz nach Erscheinen des Berichts der Landesregierung fand auch der Bauernverband Gefallen an der Idee. SBV-Präsident Markus Ritter schlug eine vorgezogene Recyclinggebühr für Plastikfolien vor, vergleichbar mit der vorgezogenen Recycling-Gebühr bei Elektrogeräten. Das Geld aus diesem Zuschlag sollte in einen Fonds fliessen, aus dem Sammlung, Transport und Recycling des Plastiks finanziert würden. Auf diese Weise müssten die beteiligten Landwirte weniger oder zumindest nicht mehr bezahlen, als wenn sie die Folien weiterhin an die Kehrichtverbrennungsanlagen liefern würden. Ritter hoffte, dass die Gebühr bereits 2019 eingeführt werden könnte.

Freiwilligkeit statt Vorschriften

Einen Strich durch die Rechnung machte dann aber nicht zuletzt das Parlament, das eine Verpflichtung zum Folienrecycling nicht in die Abfallverordnung aufnehmen wollte, sondern an die Freiwilligkeit der Beteiligten appellierte und auf den Erfolg von Sensibilisierungsmassnahmen setzte.

Gute Idee – negative Reaktionen

Wer sich über den aktuellen Stand der Dinge informieren möchte, tippt als Erstes die Internetadresse www.resi.ch ein. Resi ist die Abkürzung von «Recycling von Silofolien» und bezeichnet sich «erstes Projekt dieser Art auf nationaler Ebene». Das Ziel: Erhöhung der Recycling-Quote von 12 auf 70 %; Nutzen für die Landwirte: Kurze Wege, günstig und ökologisch.» Zur Trägerschaft gehören neben dem Unternehmen Innorecycling u.a. der Schweizer Bauernverband, die Lohnunternehmer Schweiz, AgroCleanTech und das Bundesamt für Umwelt (Bafu).

Importeure wehren sich, Landwirte fürchten Kosten

Der Bauernverband erinnert daran, dass «wir eine vorgezogene Recyclinggebühr einführen wollten, damit der Anreiz da ist, alle Folien ins Recycling zu geben». Die Importeure hätten sich aber gewehrt, obwohl die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa sei, das noch keine Gebühr kennt. Was man aus anderen Quellen auch hört: Auch viele Landwirte selber hätten der Idee einer vorgezogenen Gebühr skeptisch gegenüber gestanden, mit der Begründung, das sei zu kompliziert und werde am Ende wohl viel kosten.

Neuer Anlauf im Nationalrat 

Vor einem knappen Jahr hat der Aargauer GLP-Nationalrat Beat Flach ein Postulat eingereicht, das einen ähnlichen Inhalt aufweist wie jenes seine früheren Kollegen Cathomas: «Der Bundesrat wird beauftragt, zu prüfen und in einem Bericht aufzuzeigen, wie der Gebrauch von Kunststoffen in der Land- und Bauwirtschaft vermindert, durch ressourcenschonendere Alternativen ersetzt und der Anteil des Recyclings erhöht werden kann.» Am 28. August 2019 beantragte der Bundesrat die Annahme des Postulats. Die Diskussion wurde in der Herbstsession allerdings verschoben, und angesichts der aktuellen Corona-Krise wird das Thema wohl auch nicht in der ausserordentlichen Frühlingssession im Mai zur Sprache kommen.

Ein Peilsender führt zu einer KVA

Im Übrigen erklären sowohl der SBV als auch AgroCleanTech, die Federführung habe inzwischen die Agrargenossenschaft Fenaco übernommen. Dort befindet man sich noch in der Planungsphase. «Wir arbeiten daran und evaluieren verschiedene Optionen», heisst es hierzu von Seiten der Fenaco.

Etwas ungehalten reagiert Daniel Haffa, Vize-Präsident der Lohnunternehmer Schweiz; es sei in der Vergangenheit viel Mist geschrieben worden. Zum Beispiel, dass die Lohnunternehmer grundsätzlich gegen das Folienrecycling seien, was nicht den Tatsachen entspreche. Man habe aber feststellen müssen, dass der Aufwand für das Sammeln und Transportieren hoch sei, die Folien dann aber dennoch – das habe ein Peilsender bewiesen – in Österreich in einer Kehrichtverbrennungsanlage gelandet seien. Da sei es für die Bauern billiger und einfacher, die Ware gleich in die nächste KVA zu liefern. Gegen ein Recycling wehrten sich die Lohnunternehmer jedoch nur, solange man nicht sicher sein könne, was mit dem Sammelgut wirklich passiere.

Zusammenarbeit mit Deutschland?

Motiviert und engagiert ist in dieser Angelegenheit  das Bundesamt für Umwelt. Sektionschef Michael Hügi betont, das Bafu biete sein Know-how allen an, die realisierbare Lösungen anstrebten. Dabei verweist er an den Verband der Kunststoffproduzenten «Swiss Plastics», der sich seit dem 1. Januar 2020 «Kunststoff.swiss» nennt und einen neuen Geschäftsführer hat. Kurt Röschli ist erfreut über die Anfrage des LID, weil er hofft, es werde dadurch ein bisschen Bewegung in die eingeschlafene Sache kommen. Röschli möchte ganz neue Wege beschreiten, in Zusammenarbeit mit der deutschen Initiative «Erntekunststoffe-Recycling Deutschland» (ERDE), die 2019 vom Deutschen Bundestag sogar prämiert worden sei. (Mehr zur Initiatve ERDE: Folien wiederverwerten statt entsorgen)

Bereits hohe Rücklaufquote in Deutschland

In diesem Projekt zusammengeschlossen seien Landwirte, Folien-Importeure und Wiederverwertungsunternehmen, wobei die Rücklaufquote bei den Plastikfolien in Deutschland bereits 50 Prozent betrage. Seine Kontakte mit Erde-Recycling.de hätten ergeben, so Röschli, dass man im Nachbarland begeistert wäre, wenn sich die Schweiz anschliessen würde. Die Idee ist, dass das Material zur Reinigung und Verarbeitung nach Deutschland geliefert würde – eine Ausnahmebewilligung für den Transport läge bereits vor.

Corona und China – schwierige Zeiten

Was Markus Tonner aber bestätigt ist, dass das Kunststoff-Recycling schon bessere Zeiten gekannt hat: Da seien einerseits die Auswirkungen des Corona-Virus: «Unterbrochene Lieferketten machen das Tagesgeschäft zurzeit zu einer grossen Herausforderung.» In Bezug auf das Silofolienrecycling sei die gesammelte Menge in der Schweiz im letzten Jahr zwar leicht auf über 1800 Tonnen gestiegen. Auch die Nachfrage nach Regranulaten sei gut, doch die sehr tiefen Preise für neue Kunststoffe drückten das Preisniveau der Regranulate und wirkten sich somit preislich auch auf die gesammelten Silagefolien aus. Gegenwärtig herrsche eine ähnliche Situation wie beim Altkarton, wo neuerdings vielerorts mangels Nachfrage und wegen Importstopps anderer Länder wie China sogar dafür bezahlt werden muss, wenn Karton zu den Entsorgungsstellen gebracht wird.

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