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Porträt: Mehr Zeit für Wollduvets und Schafe

Barbara Widmer hat ihre Teilzeitarbeit im Büro aufgegeben und engagiert sich nun vermehrt in der Schafhaltung und Wollverarbeitung.


Vor ein paar Monaten hat Barbara Widmer ihre Teilzeitarbeit in der Administration der Hauswirtschaftskurse für Gymischüler gekündigt. «Die Arbeit am PC hat mir gut gefallen und auch der Kontakt mit den fachkompetenten, motivierten Lehrpersonen. Weil mir die Haushaltskurse wichtig sind, habe ich gerne meinen Beitrag geleistet, damit der Betrieb effizient läuft.» Einer der Gründe für ihre Neuausrichtung ist die Arbeit von ihrem Mann. Er hat von einer Teilzeit- zu einer Vollzeitanstellung bei der Gemeinde gewechselt.


Es wurde eine Leidenschaft


Vor 15 Jahren wünschte sich Guido Widmer zum runden Geburtstag zwei Auen mit Jungtieren. Was damals als «lebendige Rasenmäher für kleine Parzellen» begann, wurde im Laufe der Jahre zur Leidenschaft von Familie Widmer. Heute halten sie 120 Muttertiere, je nach Jahreszeit kommen gegen 200 Jungtiere dazu. «Zu Beginn war die Rasse nicht so wichtig, unterdessen haben wir nur noch Schwarzbraune Bergschafe», erklärt die Schafhalterin. «Diese Rasse ist feingliedrig, eignet sich zur Fleischproduktion und zeigt eine gute Klauengesundheit.»

Den Sommer über sind die meisten Schafe auf der Alp in der Innerschweiz. «Ein gutes Verhältnis mit den Alpverantwortlichen und eine zuverlässige Betreuung ist uns wichtig.» Von November bis April lammen die Schafe. «Der Grossteil der Lämmer kommt in die Mast, denn der Vater ist ein fleischbetonter Charollais-Bock. Bis zur Schlachtreife leben sie auf einem Mastbetrieb in der Innerschweiz. Andere Auen werden mit einem Zuchtbock gedeckt, diese Lämmer sind unsere Zuchttiere», erläutert Widmer fachkundig.


Eng mit der Schafhaltung verknüpft ist die Herstellung von Wollduvets. Barbara Widmer hat dieses Wissen in einer Weiterbildung im Zürcher Oberland erworben. Zwei Mal im Jahr werden die Schafe geschoren. «Die Wolle ist dann zwar nicht so lang, dafür sind unsere Tiere besser vor Parasiten geschützt», erklärt sie. Gewaschen und gekardet wird die Wolle in Huttwil BE. Die Vliese in Duvetgrösse und in zwei verschiedenen Gewichten kommen aufgerollt per Post zurück ins Säuliamt ZH. Im Estrich hat Barbara Widmer ihr Atelier. Ihr Mann hat ihr einen extragrossen Tisch gezimmert. Und darauf wird die Wolle zwischen feinem Baumwollstoff aus dem Glarnerland gleichmässig ausgebreitet. Regelmässig angeordnete Knoten aus Baumwollgarn sorgen dafür, dass das Wollvlies im Duvet seine Form behält und überall gleich warm gibt. «Wollduvets geben nicht wärmer als Federduvets – aber die Wolle sorgt für ein angenehmes, ausgeglichenes Bett-Klima, weil Feuchtigkeit viel besser entweichen kann. Es gibt keinen Hitzestau», meint Widmer überzeugt.


Das Duvetgeschäft läuft


Ihre 100. Decke hat Barbara Widmer geschickt in der Regionalzeitung mit einem Bericht dokumentiert. Und seither läuft das Geschäft! Laufend kommen Aufträge herein, die meisten aus der Region über Mund-zu-Mund-Werbung, einzelne auch über ihre Website. Neben den kleinen Kissen mit Fettwolle zum Wärmen bei Erkältungen, will sie als nächstes auch Kissen mit Wollfüllung vermarkten. Der Verarbeiter liefert dazu kleine Wollkügelchen, die für Stabilität im Kissen sorgen. Man spürt, dass ihr an einer ganzheitlichen Vermarktung gelegen ist. Sie weiss viele Details über die Verwendung von Wolle als Dämmmaterial oder gar als Dünger. Und natürlich ist ihr auch der Direktverkauf von Lammfleisch ein Anliegen: «Schweizer Lammfleisch hat einen anderen ökologischen Fussabdruck als Lammfleisch aus Neuseeland, ganz abgesehen von der Transportzeit für lebende Tiere. Unsere Schafe sind Zweinutzungstiere. Diese sind nicht einseitig nur auf grosse Fleischstücke gezüchtet.»


Absage bekommen


Ursprünglich wollte Barbara Widmer Kinderkrankenschwester werden. Weil man damals die Ausbildung erst mit 18 Jahren starten konnte, entschied sie sich für das bäuerliche Haushaltslehrjahr in der Westschweiz. Nach einem Praktikum als Schwesternhilfe stand dann die Aufnahmeprüfung für die dreijährige Ausbildung an. Wegen Umstrukturierungen im Kinderspital gab es genau in dieser Zeit massiv weniger Ausbildungsplätz und sie erhielt eine Absage.

Zeit für Jammern und Enttäuschung blieb wenig, denn vor dem geplanten Sprachaufenthalt in Florenz musste sie sich für eine Ersatzausbildung entscheiden. Eine Verkaufslehre in einer Papeterie schien ihr passend, später folgte noch die Kaufmännische Ausbildung. Nach der Heirat und der Geburt der ersten beiden Kinder kam sie dank Kontakten aus der Landjugendzeit zu einer Teilzeitarbeit im Treuhandbereich des Zürcher Bauernverbandes.

«Auch nach der Geburt von Patrick, unserem Jüngsten, genoss ich diesen Tag auswärts. Als aber die Geschäftsstelle nach Dübendorf zog, kündigte ich. Der Weg war mir zu umständlich.» Eine Bekannte gab ihr den Tipp, sich beim Strickhof am Standort in Affoltern ZH zu melden. Dort war eine Teilzeitstelle für die Administration der Haushaltkurse frei. So kam sie zu einer passenden Arbeit im Nachbardorf. «Die ganzen Jahre konnte ich auf die Unterstützung meiner Eltern zählen. Wenn ich auswärts am Arbeiten war, haben sie die Kinder gehütet und ihnen, als sie grösser wurden, nach der Schule bei den Hausaufgaben geholfen.»

Margreth Rinderknecht

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