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Porträt: Leidenschaft für Spezialitäten

Die Bäuerin Evelin Gisler betreibt ein vielseitiges Hoflädeli, in dem die Leute gerne einkaufen. Ihre Geschenkkörbe sind weit herum bekannt.


Publiziert: 28.10.2018 / 06:04

Noch sehen die jungen Truten fast gleich aus. Weiss, langer Hals, rosaroter feiner Kopf, schwarze Knopfaugen. «Bei einigen sieht man schon, dass es Männchen sind», erklärt Evelin Gisler und zeigt auf die roten Hälse der Tiere. Sie kniet sich inmitten der Schar hin und lockt einige zu sich. Es sind neugierige Tiere. Zwölf Wochen sind die Weibchen, achtzehn Wochen die Männchen auf dem Hof, danach werden sie geschlachtet.


Nicht von hier

Vom Steinhof aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Hof liegt etwas ausserhalb des Dorfes. «Wir sind hier für uns alleine und trotzdem schnell irgendwo.» Evelin Gisler gefällt es hier. Dass die Familie nicht aus dem Oberaargau stammt, hört man sofort. Der Zürcher Dialekt ist unverkennbar. «Meine Schwiegereltern verloren ihre Pacht im Zürcher Oberland und fanden 2005 diesen Hof hier in Rumis
berg BE», erzählt die Mutter von 
drei Kindern (9, 8 und 6).

Sie selbst wuchs ebenfalls auf einem Bauernhof auf, lernte Koch und arbeitete in einem Personalrestaurant in Zürich, später, bis zur Geburt des zweiten Kindes, in einer Landi im Aargau.

Dank des Schwingsports ihres Mannes Bruno Gisler fand die Familie nach dem Umzug sofort neue Kontakte. Als das Betriebsleiterpaar 2014 den Hof von Brunos Eltern übernahmen, suchten sie nach einem zusätzlichen Standbein zur Milchwirtschaft und kamen auf Truten. Zweimal pro Jahr beherbergen sie nun für

einige Monate rund 100 dieser Tiere und vermarkten das Fleisch direkt ab Hof. «Wir haben zuerst im Kollegenkreis herumgefragt. Es lief gleich von Anfang an gut», freut sich Evelin Gisler.


Das schmackhafte und fettarme Geflügelfleisch ist sehr beliebt, auch einige Restaurants der Region gehören zu den Abnehmern.

Leidenschaft Hofladen

Aus der reinen Vermarktung von Fleisch entwickelte sich nach und nach ein mittlerweile sehr vielseitiges Hoflädeli: Nebst tiefgekühltem Fleisch und Trockenwürsten gibt es Konfi, Eingemachtes, Essig, Meringues, Müslimischungen und vieles mehr. Alles ist professionell etikettiert und arrangiert. «Das ist meine Leidenschaft», sagt Evelin Gisler.

Sie probiert gerne etwas aus, kann am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, noch stundenlang in der Küche «nuschen», wie ihr Mann es nennt. Dann entstehen Spezialitäten wie beispielsweise das «Sommermüntschi» (spezielle Meringues). Ihre Geschenkkörbe sind weitherum bekannt und beliebt. «Ich schätze den Kontakt mit meinen Kunden extrem», sagt sie. Für Familien sei es oft ein richtiges Ritual, bei Gislers Fleisch zu holen.

Zusätzlich zur Familie, dem grossen Garten und dem Hoflädeli hilft Evelin Gisler auf dem Hof dort mit, wo es sie gerade braucht, beispielsweise beim Heuen oder auch im Stall. Sie und ihr Mann Bruno sind ein gutes Team und helfen einander, wenn es nötig ist – ob drinnen oder draussen. «Es spielt dann nicht mehr so eine Rolle, wie viel Arbeit man hat.»


Für die Familie arbeiten



Viel Arbeit im Hoflädeli gibt es immer vor Weihnachten, wenn viele Geschenkkörbe bestellt sind. Zusammen mit einer Kollegin führt Evelin Gisler jeweils Ende November eine Advents-Ausstellung durch. Dort sind dann auch ihre Näharbeiten zu bewundern: hübsche und praktische Kinderkleidchen und Accessoires im Edelweiss- und Chaletlook. Nähen ist ein Hobby der Bäuerin, doch dazu hat sie erst wieder im Winter Zeit. Ihre Tage sind lang und ausgefüllt. «Im Sommer ist es manchmal nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen.»

Mitte August fand auf dem Hof ein grosses Fest statt: zum Abschluss der Schwingerkarriere von Partner Bruno, aber auch zum zehnten Hochzeitstag und beider 35. Geburtstage. Für Ferien hat es schon lange nicht mehr gereicht, aber die vermisst sie nicht. Energie tankt sie aus dem Ganzen an sich: «Wir arbeiten hier ja für unsere Familie und erhalten viele positive Rückmeldungen. Wir sind alle gesund und zufrieden. Da kann noch so viel los sein – das Chrampfe lohnt sich.» Eigentlich habe sie ja nie einen Bauern gewollt, sinniert sie. Um dann mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: «Doch was sollte ich sonst den ganzen Tag machen?»

Renate Bigler

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