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Porträt: Ihr Herz schlägt für die reine Rasse

Unter den zwölf besten Simmentalerstieren kommt sage und schreibe die Hälfte aus dem Zuchtbetrieb Scherz. Ein Erfolg, der wohl einmalig ist.


Publiziert: 16.03.2019 / 08:17

Es dürfte in der Reinzucht wohl einmalig sein: Kommen doch die Nummer eins und die Nummer zwei bei den Simmentaler-Stieren nach Iset aus dem gleichen Stall, und zwar aus dem Betrieb der Familie Matthias und Cordula Scherz aus Aeschi b. Spiez BE.

Einmalige Fitnesswerte

Mit Kristall Rafaele und mit Roman Florin, führen diese zwei Stiere die Zuchtwertliste an und sind bei Swissgenetics im Einsatz. Beide Stiere stammen aus tiefen Kuhfamilien, vererben viel Milch, hohe Inhaltsstoffe, ein starkes Exterieur und auch ihre Fitnesswerte sind einmalig. "Mein Vater Christian ist massgebend an diesem Erfolg beteiligt", hält der Betriebsleiter Matthias Scherz fest. Schon seit Jahren schlage dessen Herz für die Reinzucht und trotz seiner 72 Jahren kenne er immer noch alle Abstammungen auswendig und als ehemaliger Viehschauexperte auch deren von "fremden" Kühen. «Unser Viehbestand, so wie er heute dasteht, geht klar auf den Züchterfleiss meiner Eltern zurück», nickt der Junior-Chef.

Ein klares Zuchtziel

Aber nicht nur Rafaele und Florin figurieren an der Spitze des Stierenklassements. Nein, unter den besten zwölf Stieren stammen sage und schreibe sechs Stiere aus der Zucht der Familie Scherz ab. Neben Rafaele und Florin sind dies: Farmer, Franz, Figo und Fabrizio.

"Mit dem Stier Roman hat eigentlich alles angefangen", erzählt der Betriebsleiter den Erfolg. Der Elton-Sohn Roman kam nach dem Natursprung in den KB-Einsatz und hinterliess sehr schöne und produktive Kühe. Überhaupt hat der Natursprung auf dem Betrieb Scherz eine sehr grosse Bedeutung. Fast alle Kühe werden mit einem eigenen Stier belegt. Auch Rafaele und Florin starteten ihre Karriere auf dem Heimbetrieb, bevor sie zu Swissgenetics kamen.

Das Zuchtziel auf dem Betrieb ist klar: "Wir streben eine mittelgrosse Kuh (140 bis 145 cm) mit viel Flankentiefe, einem guten Fundament und Euter an. Dabei steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund", sagt Matthias Scherz. Da die Winterfütterung nur aus Heu und etwas Kraftfutter besteht und die Kühe vom Frühling bis Herbst im Vollweidesystem gehalten werden, brauche er eine weidegängige Kuh, die möglichst viel Milch aus dem betriebseigenen Grundfutter produziert.

Eine enorme Sauberkeit

Höchstleistungen und extreme Exterieur-Merkmale seien zweitrangig. Mit 7000 kg Milch sei man zufrieden. Ein Paradespeispiel ist die 13-jährige und mehrfache Stierenmutter Roman Fabienne. Trotz ihres Alters ist diese Kuh immer noch top fit und zeigt ein eindrückliches Exterieur. Fabienne ist mit 55 55 98 punktiert und mit EX-92 beschrieben. "Sie widerspiegelt unser Zuchtziel auf eindrückliche Art und Weise", bringt es Scherz auf den Punkt.

"Chum, mir gö grad i Stau", sagt Matthias Scherz zum Besucher der BauernZeitung. In zwei Scheunen sind die 64 reinen Simmentalerkühe untergebracht. Beim Anblick verschlägt es einem fast die Sprache: So was sieht man wirklich nicht alle Tage. Formatstarke Tiere mit sehr schönen Eutern. Und noch eines fällt auf: Alle Kühe sind blitzblank sauber, keine hat nur etwas "Dreck am Füdle".

Eingespieltes Team

"Meiner Frau Cordula gilt hier ein grosser Dank, ohne sie und meinen Eltern, könnte ich diesen Betrieb unmöglich bewirtschaften", sagt der Betriebsleiter anerkennend. "Wir sind ein eingespieltes Team", lacht Cordula Scherz. So schaut Sie in der einten Scheune mit 27 Kühen zum Rechten. Dazu gehört unter anderem das Melken, das Füttern und das Putzen der Kühe - mit drei kleinen Kindern eine grosse Herausforderung.

In der anderen Scheune, wo die restlichen Kühe untergebracht sind, hat Matthias das Sagen. Und warum ausgerechnet Simmentalerkühe, hat die Familie Scherz nie mit einer anderen Rasse geliebäugelt? "Doch", gibt Matthias Scherz lachend zu. "Ich habe ein Lehrjahr bei Hansruedi Liechti in Langnau BE absolviert. Liechti hatte einen sehr schönen Red-Holstein- und Holsteinbestand und die Kühe hatten wahnsinnig drüsige Euter, das hat mich immer beeindruckt", blickt er zurück.

"Mach doch was du willst"

Es kam, wie es kommen musste: Matthias der Lehrling kaufte sein Holsteinrind. "Mein Vater sagte nur, mach was du willst. Wahrscheinlich hat er schon gedacht, dass ich es selber merken muss, dass die reine Kuh die ideale Rasse auf unserem Betrieb ist", sagt er.

Das Holsteinrind kalbte ab und bekam ein Stierkalb. "Beim Verkauf des Kalbes fiel mir auf, dass es gar nicht so viel Geld gab, wie für ein reines. Und zudem gab das Holsteinrind auch nicht wesentlich mehr Milch als unsere gleichaltrigen Simmentaler-Rinder."

So war der Traum einer Holsteinherde doch schneller ausgeträumt als dem "Lehrling" lieb war. "Nein, unser Herz schlägt ganz klar für die reine Simmentaler-Kuh mit Hörnern", nicken Cordula und Matthias Scherz einstimmig.

Dank einer Reise in den Jura

Das Betriebsleiterehepaar ist ein eingespieltes Team. So bewirtschaftet die Familie nicht nur den Heimbetrieb in Aeschi, sondern auch einen Betrieb im neuenburgischen La Brévine auf 1100 m ü M. Und wie kommt ein Berner Oberländer zu einem Jura-Betrieb? "Ja das ist eigentlich eine lustige Geschichte", erzählt Matthias Scherz.

"Meine Eltern gingen über 30 Jahre lang ins Kiental BE z'Bärg und waren Bewirtschafter einer Alp. Dort verkästen sie die Milch von unseren damals 30 Kühen." Mit Sack und Pack verbrachte die Familie während rund hundert Tagen die Alpzeit dort oben. In dieser Zeit wurden auch ihre fünf Kinder, neben anderen "Alp-Kindern", von einem pensionierten Lehrer unterrichtet. "Neben dem Ziegenstall hatten wir unser Schulzimmer", lacht Scherz.

Eines Tages führte der alljährliche Ausflug der ehemaligen Viehschauexperten in den Neuenburger Jura nach La Brévine. Der Mitreisende Gottfried Oesch aus der Schwarzenegg BE, wusste durch einen Viehhändler, dass ein Betrieb dort zu verkaufen sei. "Mit etwas Glück konnten meine Eltern vor 15 Jahren diesen 40 Hektar grossen Betrieb kaufen", sagt der Junior-Chef.

Im Sommer auf der Alp

So zügeln im Frühling 40 Kühe von Aeschi in die Brévine, wo ein Gruyère-Kontingent von 100 000 kg Milch gemolken wird. Die restlichen 24 Kühe werden im Frühling verkauft und im Herbst durch abkalbende Rinder wieder ersetzt. Dabei verbringen die Rinder die Sommermonate auf verschiedenen Alpen im Berner Oberland.

Im Herbst wird getauscht: Die Rinder sind in der Brévine und die Kühe sind auf dem Heimbetrieb in Aeschi. Dabei schauen jeweils Matthias Eltern zum Rechten im Jura. Währendessen die junge Betriebsleiterfamilie in den Sommermonaten für das Heuen an beiden Standorten zuständig ist und im Winter die Obhut über die Kühe hat. Es gibt also viel zu tun für die Familien Scherz und dank ihrem grossen Zuchterfolg konnte bisher die gesamte Simmentalerrasse profitieren und ein Ende scheint nicht in Sicht: Denn im Stall stehen weitere junge Hoffnungsträgerinnen in den Startlöchern.

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