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Porträt: «Ich liess meine Berge hinter mir»

Vor zwölf Jahren hat die Bäuerin einen sardischen Viehzüchter geheiratet, seither lebt sie auf einem Betrieb mit 230 Kühen in Italien.


Publiziert: 11.11.2018 / 12:27

«Es ist deine Lieblingspasta», sagt Cornelia Balliana zu ihrem elfjährigen Sohn Enrico, als dieser zusammen mit seinem jüngeren Bruder Andrea in die Küche stürmt und wissen will, was es zum Mittagessen gibt. Cornelia Balliana fügt dem Gericht eine Büchse Thunfisch und einen Löffel Pesto hinzu und schon sitzt die ganze Familie am Tisch. 

Während sich die Buben mit dem Vater auf dem Sofa lümmeln, erzählt die 42-Jährige, wie sie auf dem Hasliberg BE in einer Bergbauernfamilie aufgewachsen sei, eine kaufmännische Lehre auf der Gemeindeverwaltung absolviert habe und weshalb es sie schliesslich vor zwölf Jahren auf die Ferieninsel Sardinien (I) verschlagen hat. Ihre strahlenden Augen verraten es. Für die grosse Liebe zog die junge Frau zu ihrem Mann Emanuele auf die Mittelmeerinsel. 

Von den Bergen ans Meer

Immer schon habe sie die Abwechslung und das Reisen geliebt. So verbrachte sie einen Sommer auf einer Bündner Alp, später kamen Sprachaufent-
halte und Reisen in Kanada, in den USA, in Frankreich und selbstverständlich in Italien dazu. Beruflich engagierte sie sich während zehn Jahren beim Braunviehzuchtverband und war deshalb oft an nationalen und internationalen Viehausstellungen. Und so kam es, wie es kommen musste. Der Sarde und die Haslitalerin begegneten sich zum ersten Mal an der Swiss Expo, sahen sich später an der Viehausstellung in Verona (I) wieder und «dann ging alles sehr rasch», sagt sie. «Ich liess meine geliebten Berge hinter mir, wir heirateten und ich zog zu Emanuele nach Arborea ans Meer.»

Als Emanuele bei ihrem ersten Besuch auf dem Hof mit dem Auto durch den Stall fuhr, konnte sie sich kaum mehr erholen. Noch nie hatte sie einen derart grossen Milchwirtschaftsbetrieb (damals mit 170 Kühen) gesehen. Heute stehen 230 Kühe (vorwiegend Holstein und wenig Braunvieh) in Laktation im Stall. Gemolken wird im 8 × 8-Melkstand, durchschnittlich gibt eine Kuh um die 33 Liter am Tag, wobei es im Winter auch bis 37 Liter sein können. Rein für das Melken müssen zwei Arbeitskräfte pro Melkgang dreieinhalb Stunden aufwenden, erklärt sie. Der Familienbetrieb gehört ihrem Schwiegervater und seinem Bruder, beide im Pensionsalter. Heute arbeitet der Bruder von Emanuele und seine beiden Cousins plus zwei Melker auf dem Hof. Zu den eigenen 40 Hektaren Landwirtschaftsfläche kommen nochmals so viele Hektaren Pachtland, wo Grundfutter angebaut wird. Zusätzliches Futter wird zugekauft. Die Kühe bleiben im offenen Laufstall, geweidet werden sie nicht. 

Grosse Investitionen

Die Region Arborea ist ein trockengelegtes Sumpfgebiet. Es gibt um die 120 Betriebe, die durchschnittlich 100 bis 120 Milchkühe im Stall haben. Der Balliana-Betrieb ist einer der fünf grössten. Im Moment steht die Familie vor grossen Investitionen. Wenn alles rund läuft, wird der Betrieb mit vier Melkrobotern aufgerüstet. So können die Kühe selber bestimmen, wann sie den Melkroboter aufsuchen. Dadurch verspricht man sich eine um zehn bis fünfzehn Prozent höhere Milchmenge. Ballianas rechnen mit dem Einsparen von zwei Arbeitsstellen. Zudem soll ein Futterroboter den Kühen jederzeit frisches Futter zur ­Verfügung stellen. Wenn der Betrieb umgestellt ist, wird er der erste dieser Art in Sardinien
sein. 

Cornelia Balliana erklärt, dass sie für den Betrieb lediglich die Buchhaltung mache, daneben aber ihr eigenes Business betreibe. Sie sei «Agente di Commercio» und verkaufe Genetik, Ergänzungsfutter, Milchpulver sowie Produkte für Eutergesundheit. Es sei nicht immer einfach, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, aber es sei eben wichtig, zwei Einkommen zu haben, sagt sie ernst und schildert die angespannte Situation der Milchwirtschaft in der EU. Vor zwei Jahren haben sie gut
30 Eurocent für einen Liter Milch erhalten, heute können sie bei guter Qualität mit 42 bis 43 Eurocent rechnen. Nur dank diesem guten Preis sei es möglich, zu investieren. Auch wenn es im Moment gut läuft, führt die Familie kein Luxusleben. «Wir wohnen recht bescheiden und eine Putzfrau habe ich mir bislang auch noch nicht geleistet.» Die Freizeit verbringt die Familie am Meer und beim Velofahren. 

Kinder reden «Haslidiitsch»

Zweimal im Jahr verbringen sie Ferien auf dem Hasliberg, wo Cornelia Balliana im Elternhaus eine kleine Ferienwohnung besitzt. Auch deshalb spricht sie mit ihren Buben konsequent Haslidiitsch und wenn sie mit ihnen auf den Skipisten ihrer Heimat unterwegs sei, hüpfe das Herz. In Sardinien gebe es im Winter knappe Minustemperaturen, ansonsten sei es tagsüber zwischen zehn und fünfzehn Grad warm. Auf die Frage nach dem Heimweh schüttelt die blonde Frau heftig den Kopf: «Meine Heimat ist Sardinien, hier bei meinem Mann und meinen Kindern bin ich angekommen.» 

Ruth Bossert

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