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Porträt: 
«Ich bin angekommen»

Die Meisterbäuerin Heidi Helfenberger ist früher oft gereist und hat kaum einmal länger als zwei Jahre am selben Ost gearbeitet.


Publiziert: 21.10.2018 / 06:07

Die fünfjährige Ricarda will zum Grosi, hat aber Angst, dass sie sie nicht findet. Victoria, die Dreijährige, kommt eben mit dem Papi zurück, der sich schnell einen Kaffee schnappt und schon wieder weg ist. Auch Dionys hat genug gespielt und schlummert kurz darauf im Tragtuch an Mamis Bauch.

Heidi Helfenberger (37) ist die Ruhe selbst. Klar be
antwortet sie die Fragen der Dreijährigen ebenso klar und prägnant wie diejenigen der Zeitungsfrau. Sie streicht dem Jüngsten zärtlich über den Haarschopf und nimmt sorgfältig die fertigen Sterilisiergläser aus dem Ofen.

«Bei uns läuft vieles gleichzeitig und unsere Kinder gehen einfach mit», sagt die Bäuerin, die auf einem Bergbauernhof mit eigener Alp im Toggenburg aufgewachsen ist. Erst viel später merkte sie, dass es andernorts noch ganz andere Landwirtschaftsbetriebe gibt als den überschaubaren Hof ihrer Eltern in Krinau SG. Auch wenn sie sich schon damals vorstellen konnte, einmal Bäuerin zu werden, schlug sie vorerst einen anderen Weg ein.


Freude an Truten erwacht


Nach verschiedenen Praktika und dem Besuch der Bäuerinnenschule im Custerhof Rheineck SG absolvierte Heidi

Helfenberger die Lehre als Pflegefachfrau an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Chur GR. Der Beruf erfüllte sie und aus Neugier am Neuen wechselte sie oft die Stelle. Sie war ungebunden, liebte die Abwechslung und je länger je mehr das Reisen. Als sie sich in Kanada auf einer Farm mit den ersten Truten anfreundete, war für sie klar: «Falls ich jemals sesshaft werde, will ich ein paar von diesen Vögeln in meinem Garten».

Als sie später ihren zukünftigen Mann Kolumban, klassisch auf dem Tanz, kennenlernte und sie zum Maitanz in den Thurgau fuhr, ging alles ziemlich rasch. Innerhalb von zwei Jahren heirateten sie. Ihre berufliche Herausforderung blieb zunächst aber das Spital und sie begann zwei Monate vor der Heirat eine Nachdiplomausbildung in Intensivpflege. «Mich interessierten die komplexen Sachverhalte und 
die sorgfältige Pflege von schwer kranken Menschen», sagt sie heute und bereut die Weiterentwicklung nicht.

Die vielseitige Landwirtschaft mit Ackerbau, grössere Betriebe mit Angestellten und ganz anderen Möglichkeiten als jene im Toggenburg, waren für sie Neuland. Sie vervollständigte ihre Bäuerinnenausbildung von früher und machte die Berufsprüfung Bäuerin mit Fachausweis.

Auf Augenhöhe sein


In den Jahren 2013 und 2015, nach weiteren Reisen nach Amerika, Australien und Neuseeland, kamen ihre beiden Töchter zur Welt. Heidi Helfenberger blieb in einem Teilzeitpensum berufstätig. Wenn sie arbeitete, betreuten ihr Mann und die Schwiegermutter die Kinder. In dieser Zeit war ihr Mann Kantonsrat mit den Kernthemen erneuerbare Energie und Landwirtschaft. Er engagierte sich politisch und hatte viele Visionen für zukünftige Veränderungen in der Landwirtschaft und der Gesellschaft. So wuchs in Heidi Helfenberger der Wunsch, mit ihm auf Augenhöhe zu sein. All das motivierte sie, die Meisterprüfung für Bäuerinnen in Angriff zu nehmen.

«Was ich in dieser Weiterbildung gelernt habe, hat meinen Blickwinkel verändert», erzählt die Berufsfrau und schildert, wie sie strategische Planungen wälzte und sich mit Businessplänen herumschlug. Mit dem neuen Wissen erlebte sie ihren Hof, den die beiden Betriebsleiter gemeinsam führen, anders und es machte ihr Freude, Betriebsanalysen zu berechnen und auszuwerten.

Sie erinnerte sich an ihre Freude an den grossen Vögeln in Kanada. Und es stellte sich heraus, dass sich eine Trutenhaltung nicht nur ideal als neuen Betriebszweig zum vorhandenen Milchwirtschafts- Ackerbaubetrieb eignet. Er ist zudem geradezu innovativ, weil die Abwärme der geplanten Biogasanlage optimal zum Heizen des Trutenstalls genutzt werden kann. Nach einer intensiven Projekt- und Bauphase wurden der Trutenstall und die erste Feststoffvergärungsanlage in der Schweiz auf ihrem Hof in Betrieb genommen.


Im «Frauenfelder-Virus»


Heidi Helfenberger hat bis zur Geburt von Dionys und bis zwei Monate vor Start der Trutenaufzucht im Spital gearbeitet. Als die ersten 4000 Küken eingestallt wurden, sei sie sehr angespannt gewesen. Schweizweit gibt es nur wenige Kombimastbetriebe wie den ihren. Deshalb musste sie sich Wissen selber zusammensuchen und konnte nicht auf Unterlagen aus dem Schulbuch zurückgreifen. Zusätzlich unterstütze sie auch die Firma Frifag, die ihre ausgewachsenen Truten vermarktet.


Doch auch bei der vierten Einstallung, die erst vor wenigen Tagen erfolgte, sei sie noch alle zwei Stunden für einen Kontrollgang im Trutenstall gewesen. Nicht mehr aus Nervosität, sondern weil sie davon überzeugt ist, dass dies zu einer erfolgreichen Startphase der Küken beiträgt. Auf die Frage, wie sie die Familie, die Truten, den Haushalt und den Betrieb unter einen Hut bringt, erzählt sie von ihrem schriftlichen Planungssystem. Damit organisiere sie ihre vielfältigen Aufgaben auf dem Hof und im Haushalt. «Meine verschiedenen Listen helfen mir, über den Berg zu schauen und mich auf den Moment zu konzentrieren und mich auch an diesen Momenten zu freuen.»


In einem kleinen Pensum betätigt sie sich zudem als Expertin bei den Bäuerinnenprüfungen. Eine Aufgabe, die sie mehr fasziniert, als sie je vermutet hätte und sie fachlich am Ball hält. Zwischendurch gelinge es ihr auch, in der Trachtengruppe Wattwil an der Tanzprobe teilzunehmen oder mit dem Lauftreff eine Runde zu joggen. Von ihrem Mann, der vom «Frauenfelder Virus» befallen ist, wurde sie einst motiviert, den Halbmarathon mitzulaufen. In ein paar Wochen wird sie wieder am Start sein, genau so, wie sie es schon all die Jahre zuvor getan hat.

Ruth Bossert

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