Giswil Auf der Panoramastrasse zwischen Giswil OW und Sörenberg LU weist eine Tafel links auf die Fluonalp. Von dort führt ein schmaler, unscheinbarer Weg über die Rinderweiden und schlussendlich zur Alpkäserei. Die Aussicht und Lage dort oben sind fantastisch. Umrandet von Bergen und Hügeln, reicht die Sicht zum blau leuchtenden Sarnersee, zum Pilatus, zur Rigi und zum Vierwaldstättersee.

Immer mit der Ruhe

Das Beizli auf der Fluonalp ist typisch rustikal hergerichtet, so richtig heimelig. Eifrig bedienen in Edelweissblusen gekleidete junge Frauen die Gäste. Ein paar Kinder weisen hinüber zum Parkplatz. Ein Rind hat sich auf die andere Seite des Zauns verirrt und behindert dabei den Verkehr. Die Kinder schaffen es trotz aller Mühe nicht, das Rind zurück in die Weide zu bewegen. Schnell eilt ihnen ein junger Mann zur Hilfe. Es ist Pirmin Koster, der 20-jährige Käser auf der Fluonalp. Es ist nicht einfach, das Rind über den Rost zu bringen, welcher es eigentlich davon abhalten sollte, die Weide zu verlassen. Doch mit der Gelassenheit, die Pirmin Koster eigen ist, scheint für ihn nichts unmöglich. Gemeinsam brachten die Kinder und der Käser das Rind rasch dazu, mit einem Sprung zurück auf die Weide zu hüpfen.

Pirmin Koster ist nun bereits den zweiten Sommer auf der Fluonalp. Er käst ganz alleine. 
Jeden Tag von Mitte Mai bis September. Sogar wenn er von einem Landjugendfest nach Hause kommt, steht er morgens um fünf Uhr auf, um die Milch von gesamthaft 140 Kühen 
von drei Bauern zur Käserei zu transportieren. Die Milchmenge hat abgenommen, da es diesen Sommer schon etwa dreimal gehagelt hatte auf der Fluonalp. Die Weiden sind dementsprechend nicht mehr so ergiebig.

Doch kein Traktorendoktor

Trotzdem macht Pirmin Koster täglich immer noch mindestens acht Alpkäse. «Alpkäse darf man nur so bezeichnen, wenn die Milch und der Käse auf der Alp produziert werden», erklärt der Fachmann. Vor zwei Jahren hat er seine Lehre als Milchtechnologe abgeschlossen. Die Ausbildung hat er ebenfalls in der Molkerei Schnider gemacht. Damals konnte er noch nicht auf die Alp und käste das ganze Jahr im Molkereibetrieb in Giswil. In der Schulzeit wollte Pirmin Koster eigentlich Landmaschinenmechaniker werden. Doch sein damaliger Lehrer bewegte ihn dazu, seine Fühler noch für einen anderen Beruf auszustrecken. Wie so oft im Leben, können sich Wünsche und Träume schnell verflüchtigen, wenn man eine neue Leidenschaft entdeckt. So war es auch bei Pirmin Koster: Statt Traktorenarzt wurde der handwerklich begabte junge Mann, der im Übrigen nicht aus einer Bauernfamilie stammt, zum professionellen Verarbeiter von Milch mithilfe von Bakterien.

Mit seiner fröhlichen Art kann der Landjügeler auch Kinder, welche die Alp besuchen, gekonnt unterhalten. Bevor er jedoch selbst daran denkt, eine Familie zu gründen, will er nächsten Sommer die Fachausbildung beginnen. So hat er die Möglichkeit, später selber Lehrlinge ausbilden zu können. «Damit ich später einen Betrieb übernehmen kann, möchte 
ich auch die Meisterprüfung machen», erklärt Pirmin Koster.

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Eliane Baer, Präsidentin Schweizerische Landjugendvereinigung