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Porträt: "Das Leben, das ich mir wünschte"

Annemie Straumann-Weber liegt eine naturnahe und nachhaltige Landwirtschaft näher als eine Karriere in der Wirtschaft. Obwohl zuerst anders eingefädelt, fand sie ihre Passion auf dem Bauernhof.


Publiziert: 31.03.2019 / 06:03

In der Stube ist es ruhig. Die Schwiegermutter von Annemie Straumann-Weber ist extra aus dem Baselbiet angereist und hat die drei Buben zwischen neun Monaten und dreieinhalb Jahren zum Einkaufen mitgenommen. Die Babyhängematte, das Laufgitter, Spielsachen und Hochstühle lassen das turbulente Familienleben mit den drei kleinen Kindern nur erahnen. "Bei uns läuft immer etwas", sagt die 28-Jährige. Man glaubt ihr sofort, wenn sie sagt, dass ihr Leben zurzeit sehr turbulent sei und sie kaum einen Moment für sich alleine habe.

Es wird gebaut

Auch draussen vor dem Riegelhaus und dem Stall tut sich viel. Auf dem Hofplatz steht ein Sattelschlepper mit Baumaterial. Eine Baumaschine wartet auf ihren Einsatz. Hinter dem Haus entsteht ein neuer Laufstall für behornte Kühe. Ausgerichtet ist er für 58 Stück. Die Bäuerin vermutet, dass sie zwischen 40 und 50 Kühe halten werden. Zur Aufzucht wird dann der jetzige Stall dienen.

Simmentaler statt Holstein

Man spürt das Herzblut für die Landwirtschaft, wenn Annemie Straumann vom 40 Hektar grossen, ehemals konventionell geführten Betrieb erzählt, den sie und ihr Partner Etienne Straumann vor vier Jahren gekauft haben. Straumanns wollten so rasch als möglich den Milchwirtschaftsbetrieb nach Bio-Suisse- Richtlinien umstellen. Seit diesem Jahr produzieren sie als Knospe-Betrieb "und der nächste Schritt zur Zertifizierung als Demeter- Betrieb steht bevor", schildert sie engagiert. Seit Beginn ihrer Tätigkeit auf dem Hof haben sie das Kraftfutter schrittweise reduziert. Heute werden die Tiere komplett kraftfutterfrei gehalten – "und es funktioniert", sagt sie strahlend. Als nächster grosser Schritt stehen der neue Laufstall und der sukzessive Wechsel von der Holsteinrasse zu den reinen Simmentalern im Mittelpunkt. Bereits in den vergangenen Jahren haben sie damit angefangen, und so stehen heute bereits sechs Simmentaler im Stall. «Mein Mann ist im Berner Oberland aufgewachsen, so hat er zu diesen Kühen einen Bezug», erzählt sie.

Landwirtschaft statt Bank

Annemie Straumann ist mit zwei Geschwistern in Herdern TG und später in Hüttwilen TG in einem Privathaushalt aufgewachsen. Mit der Landwirtschaft hatte sie wenig zu tun, einzig das Eselreiten bei den Nachbarn liebte sie. Als naturverbundenes Kind scheute sie sich nie, dreckige Hände zu bekommen. Doch Bäuerin werden, das stand damals nicht zur Diskussion.

Mit 15 Jahren folgte sie ihrem Bruder in ein Internat nach Zuoz GR, wo sie nach vier Jahren die Matura machte und danach in St.  Gallen an der Hochschule (HSG) begann, Betriebswirtschaft zu studieren. Ihren heutigen Mann hat sie in Zuoz kennengelernt, auch er begann in St. Gallen zu studieren. "Lern doch Landwirt", riet sie ihm, als er mit dem Studium nicht viel anfangen konnte. Das tat er dann auch, während sie das Studium mit dem Bachelor abschloss.

Annemie Straumann befasste sich in ihrer Abschlussarbeit mit Agrarpolitik und wusste genau, dass sie ihr Wissen nicht in der Wirtschaft oder im Bankwesen anwenden will. Für sie stand fest, dass sie nach der HSG die Bäuerinnenausbildung machen wird, was sie dann an der BBZ Arenenberg TG auch tat. Während dem anschliessenden Praktikum in der Kartause Ittingen TG lernte sie Traktor fahren, Gülle führen, zettete Mist und arbeitete sowohl in den Reben wie auch beim Hopfen. "Die Arbeit in der Natur hat mir Spass gemacht." Auch die Arbeit in der Gärtnerei, wo sie mit psychisch und geistig behinderten Menschen zusammenarbeitete, gefiel ihr sowie der Anbau und die Pflege von Gemüse und Heilpflanzen.

Der Kosmos ackert mit

Annemie Straumann wurde schwanger und ihr Mann schloss seine Ausbildung zum Landwirt ab. Die Suche nach einem geeigneten Hof dehnten sie auf die ganze Schweiz aus. Sie waren glücklich, dass sie ihr neues Zuhause im Thurgau fanden. Für die junge Frau war schnell klar, dass sie sich in Richtung Demeter-Produktion bewegen sollten. Diese Art der Bewirtschaftung erfolge ganzheitlich, die Richtlinien seien in jeglicher Hinsicht streng und bei der Tierhaltung werde nicht nur auf einen artgerechten, sondern auch auf einen wesensgerechten Umgang geachtet. Die biodynamische Landwirtschaft stärke den Boden, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen durch sinnerfüllte Kreisläufe. Pflanzliche Präparate und das Berücksichtigen des Einflusses von Mond und Planeten gehören zu den Demeter-Richtlinien, die als die nachhaltigste Form der Landbewirtschaftung auf der ganzen Welt gelten.

Auch nebst dem Stallneubau haben sie schon einiges im Sinne der Demeter-Philosophie umgesetzt. Die Obstplantage wurde um rund 100 neue auf 400 Hochstammbäume vergrössert, und die Früchte der neu gepflanzten Eichenallee sollen in ein paar Jahren den Freilandschweinen als Zusatzfutter dienen. Im Freilaufstall werde statt eines modernen Roboters ein Melkstand eingebaut, da ihre Kühe den ganzen Tag auf der Weide sind, um dort ihr Futter zu suchen und nur abends in den Stall kommen.

Leidenschaft für die Küche

Auch wenn das junge Paar mit den drei Buben, dem Betrieb, dem Neubau und der Umstellung stark gefordert ist, sagt Annemie Straumann strahlend: "Das ist genau das Leben, das ich mir gewünscht habe." Sie ist froh, dass die Grösse des Betriebs es zulässt, dass sie sich sowohl in der Landwirtschaft wie momentan auch im Haushalt, von Teilzeitangestellten unterstützen lassen können. Es sei ihr wichtig, ihre Familie gesund zu ernähren, oft backe sie das Brot selber und mit Leidenschaft pflege sie ihren grossen Garten mit dem Ziel, den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen. Und dass am Sonntagmorgen ein selbst gebackener Zopf angeschnitten wird, ist bei der Bäuerin selbstverständlich.

Ruth Bossert

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Kommentare (2)
Peter Gäumann am 04.04 2019 um 13:37
Den Wunsch nach einem eigenen Hof haben hierzulande viele ausgebildete junge Landwirte ohne eigenen Betrieb. Die Geschichte von Straumanns in der Bauern Zeitung habe ich mit Interesse gelesen. Bewundernswert ist ganz sicher die Leidenschaft die dahinterstecken muss. Wenn jemand der mit seiner Erstausbildung mit einer 40 Stunden Woche gut verdienen würde, einen solchen Haufen Arbeit auf sich nimmt. Doch etwas stört mich an diese Geschichte trotzdem. Wie kann Mann und Frau mit 24Jahren frisch ab der Ausbildung ohne die Möglichkeit vie Geld verdient zu haben, einen 40ha Betrieb kaufen und vier Jahren danach noch schnell einen Hornkuh tauglichen Laufstall für 58 Kühe neu bauen? Keine Bank der Welt hilft sowas finanzieren. Da muss also ein Millionen schwerer Sponsor dahinter stecken oder eine Erbsschaft. Verstehen sie mich nicht falsch, ich mag den Jungen Leuten die viele Arbeit gönnen. Es nervt mich einfach, wenn mit solchen Geschichten sugeriert wird, dass gut ausgebildete, innovative Betriebsleiter mit der Landwirtschaft erfolgreich sind. All jene die keinen Hof kaufen können sind halt zu träge. Auch die, die ,, nur,, konventionell bauern und es schlicht nicht stemmen einen neuen Stall zu bauen, werden so als wirtschaftliche versager hingestellt. Einen Satz in der Geschichte über die Finanzierung der ganzen Sache hätte mir gereicht. Freudliche Grüsse , Peter Gäumann
Esther Fischer am 05.04 2019 um 14:25

Sie haben absolut recht, Herr Gäumann! Auch wenn sogar Freunde finanziell mithelfen, das ist kaum zu stemmen! Ich gehe davon aus, dass der Kauf eines solchen Betriebs + noch der Bau ein Laufstall total mind. 3 - 4.5 Millionen gekostet hat. Da haben bestimmt wieder einige anthroposophische Stiftungen mitgeholfen zu finanzieren. Hauptsache, ein neuer Demeter-Hof konnte eröffnet und nach den kosmisch-esoterischen Prinzipen des Begründers der Anthroposophie (Rudolf Steiner) bewirtschaftet werden. Was mir langsam sauer aufstösst, ist aber die Tatsache, dass einmal mehr behauptet wird, die bio-dynamische Bewirtschaftung (anthroposophisch) sei die ökologischste Anbauweise. Wer kann das beweisen? Freundliche Grüsse Esther Fischer

Annemie Straumann-Weber am 05.04 2019 um 21:13

Vielen Dank für Ihren Leserbrief. Wir möchten keinesfalls den Eindruck erwecken, dass ein Hof wie unserer sich aus in kurzer Zeit im Bauerngewerbe erstanden Mitteln finanzieren liesse. Selbstverständlich stehen hinter unserem Hof diverse Menschen aus unserem Familienumfeld die entweder organisatorisch, finanziell oder mit Arbeit einen ideellen Beitrag leisten. Ohne diese Unterstützung wären viele Aspekte unserer landwirtschaftlichen Produktion undenkbar. Wie den meisten Bauern geht es uns nicht um die von Ihnen genannten Begriffe aus der Wirtschaft. An die Stelle von finanziellem Erfolg rückt eine nachhaltige und zum Stadtleben konträre Lebensweise im Einklang mit der Natur.

Peter haas am 03.04 2019 um 15:57
Wurde der kritische aber treffende kommentar eiines lesers bereits entfernt.? In diesem kommentar wurde bemängelt, dass die finanzierung dieser schönen Geschichte mit keinem Wort erwähnt wird.
Die Redaktion am 04.04 2019 um 13:35

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