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Betriebsaufgabe: «Ich hatte Tränen in den Augen»

Beat Lerch aus dem bernischen Tramelan hat nach 30 Jahren seine Pacht verloren. Das war nicht ganz einfach für den 62-jährigen Meisterlandwirt.


«Geschlafen habe ich letzte Nacht nicht viel», sagt Beat Lerch nachdenklich. «Es ging mir viel durch den Kopf.» Heute Morgen wird der Bauer seine Kühe zum letzten Mal melken, ihnen das letzte Mal ein frisches Strohbett herrichten. «Als ich den kleinen Kälbern die Milch brachte, wischt ich mir tatsächlich eine Träne aus den Augen», sagt der Landwirt. Heute muss Lerch von all seinen Tieren Abschied nehmen, denn der Landwirt verlor seine Pacht, der Betrieb wurde verkauft. Der Moment ist gekommen, um allen Adieu zu sagen.

Sich nicht entmutigen lassen

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlässt Beat Lerch nach 30 Jahren seinen Pachtbetrieb in Tramelan BE. Obwohl der 62-jährige Meisterlandwirt vor fünf Jahren die Kündigung erhielt, liess er sich in dieser Zeit nie entmutigen und schaute trotzdem immer vorwärts. «Natürlich war das Kündigungsschreiben ein Schock für mich», sagt Lerch rückblickend am Küchentisch. Schlagartig komme einem da das Alter in den Sinn. Und: «Was mache ich danach.»

Das Inventar wird übernommen

Nach einer erfolgreichen Pachterstreckung von vier Jahren müsste der Betriebsleiter eigentlich erst am 30. April 2020 Haus und Hof verlassen. Doch Beat Lerch zog es vor, schon in der Altjahrswoche, genauer gesagt am 27. Dezember, Adieu zu sagen. Mit dem Hofnachfolger fand der Landwirt diesbezüglich eine gute Lösung. Nicht nur, dass dieser das ganze Inventar übernahm.

Selbst kein Bauernbub

Beat Lerch ist kein Bauernbub, sondern ein richtiger Städter. Aufgewachsen in Biel, schnupperte er nur in den Schulferien Landluft bei seinem Onkel. Die erste Wahl seines Berufswunsches war denn auch nicht Landwirt, sondern Radio-TV-Elektriker. Aber es kam, wie es kommen musste: Lerch lernte Bauer und bildete sich in diesem Bereich in all den Jahren immer weiter aus. «Eigentlich durch einen Zufall sind ich und meine Frau Jaqueline zu diesem Pachtbetrieb in Tramelan gekommen», sagt der Landwirt. So vernahm das Ehepaar Ende 1988, dass auf La Tuilerie kein Hofnachfolger in Aussicht war. «Wir klopften im Januar, ohne Vorwarnung, einfach an der Türe des Hofbesitzers an», erinnert er sich. Nach einem langen Gespräch überdachten beide Parteien das Vorhaben, unterschrieben nachträglich den Pachtvertrag und am 1. Mai 1989 waren Jaqueline und Beat Lerch stolze Pächter von La Tuilerie. Und warum haben ausgerechnet sie den Zuschlag bekommen? «Der Besitzer sagte mir damals, dass in der Nacht ein Engel zu ihm ans Bett kam und sagte, die Lerchs seien die richtigen Pächtersleute.» Eine Woche nach der Zusage war er gestorben.

Betriebsspiegel

Name: Beat Lerch

Ort: La Tuilerie, Tramelan BE

Fläche: 30 ha LN

Viehbestand: 14 Kühe plus Jungvieh und zwei Pferde

Viel Lehrgeld bezahlt

Trotzdem konnten Jaqueline und Beat Lerch am 1. Mai den Pachtbetrieb mit samt dem Inventar übernehmen. «Die Freude und Euphorie war bei uns natürlich gross», erinnert sich der Landwirt. Schon vorgängig habe er sinniert, was er als Erstes auf dem Betrieb machen werde und wie er ihn führen möchte. «Die ersten Jahre mussten wir sicher viel Lehrgeld bezahlen», weiss Lerch heute noch. Zum Beispiel waren die Maschinen nicht mehr das, was sie versprachen, und die Reparaturen gingen dabei ins Geld. «Andere waren der Meinung, dass wir es als Städter nie schaffen werden. Aber es gab auch Freunde und Kollegen, die uns mit Rat und Tat tatkräftig unter die Arme griffen.» Lerchs versuchten den Betrieb so zu gestalten, dass er arbeitstechnisch einfach zu bewirtschaften war. Die Parzellen wurden grösser, der Futterbau angepasst. «Ich konnte es nicht leiden, wenn eine schlechte Grasnarbe vorhanden war. Kurzerhand pflügte ich die Wiese um, säte sie neu an und schon war der Ertrag wieder da.»

Der Milchpreis war anders

Nicht nur die Nutz- und Schlachtviehpreise waren vor 30 Jahren auf einem anderen Niveau. «Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich einen Franken und acht Rappen für einen Liter Konsummilch bekam», sagt Beat Lerch. Aber dieser Preis war nur von kurzer Dauer. Danach ging er nur noch in eine Richtung, und zwar nach unten. Trotz der schwierigen Anfangsjahre kam das Betriebsleiterehepaar finanziell über die Runden. «Sicher auch dank meiner Frau, die in einem Altenheim, in einem 20%-Pensum Nachtwache hielt», hält Lerch anerkennend fest.

Grosser Schicksalsschlag

Während der 30 Jahre hat sich auf dem Betrieb viel verändert. Der technische Fortschritt stand auch auf La Tuilerie nicht still. Die Milch wurde zu Käsereimilch und ging nicht mehr in den Konsum-, sondern in den Tête-de-Moine-AOP-Kanal. Auch die Direktzahlungen wurden immer mehr zu einer wichtigen Einkommensquelle. Der grösste Einschnitt trat aber im Jahr 2006 ein: «Damals starb meine Frau Jacqueline mit 45 Jahren nach langer Krankheit an Krebs. Da zog es mir kurzerhand den Teppich unter den Füssen weg», weiss Lerch heute noch. «Ein Jahr lang wusste ich nicht wie weiter, hatte keine Motivation zum Bauern mehr, auch der Lebenssinn ging mir verloren. Da musst du schon mit dir kämpfen, um wieder auf die Beine zu kommen», sagt der kinderlose Witwer nachdenklich.

Der Abschied ist gekommen

Heute ist der Tag gekommen, um endgültig Abschied zu nehmen. Die zwei Pferde hat Beat Lerch vorgängig schon verschenkt. «Sie kommen an einen guten Platz», freut er sich. Heute Morgen melkt der Landwirt seine Kühe zum letzten Mal. Lerch tätschelt hier noch seine Lieblingskuh, dort das neugeborene Kalb. «In all den Jahren habe ich nur drei Mal verschlafen», sagt er grinsend. «Im Moment geht mir Vieles durch den Kopf, der Abschied fällt mir schwerer als gedacht.» Der Bauer schlendert zur Türe, sein Blick schweift noch einmal zurück. Die Kühe schauen ihn lange an. Langsam schliesst Beat Lerch die Stallstüre hinter sich, öffnen tut sie heute Abend ein Anderer. Für den Bauer ist das Kapitel La Tuilerie abgeschlossen, nach 30 Jahren geht er einen neuen Weg. Mit 62 Jahren kein leichtes Unterfangen. Für ihn und seine neue Partnerin fängt ein neuer Lebensabschnitt an, ein Lebensabschnitt ohne Hof und ohne Kühe. «Wir werden es packen, aber ich brauche sicher Zeit, um dies alles zu verarbeiten.»

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