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Öffentlichkeitsarbeit: Bei Kritik zuhören

Immer wieder sind Bäuerinnen und Bauern mit Vorwürfen konfrontiert. Judith Pfefferli empfängt auf ihrem Hof regelmässig Kinder und kommt mit deren Eltern in Kontakt. Dabei hat sie schon einige klärende Gespräche erlebt. Sie appelliert, dem Gegenüber zuzuhören.


von lid
Publiziert: 26.04.2020 / 16:26 | Aktualisiert: 26.04.2020 / 16:27

Mit dem Zuhören ist es so eine Sache. 96% der erwachsenen Menschen glauben zwar, dass sie gute Zuhörer sind. Die meisten konzentrieren sich aber bereits beim Zuhören auf die Antwort. Sie gehen nicht auf das Gegenüber ein und können den Gesprächspartner folglich nicht verstehen. Die Kunst ist aber, beim Zuhören nicht nur Worte, sondern die Person dahinter zu verstehen. Denn nur wer die Position des Gegenübers und dessen Gründe dafür kennt, kann mit seinen Argumenten genau dort ansetzen und Erfolge erzielen.

Neben dem Zuhören kann auch Nachfragen wichtig sein: So vermeidet man nämlich Missverständnisse. Mehr dazu: Das Wundermittel der Kommunikation

«Einfachste Grundkenntnisse fehlen»

Die Bäuerin und Werklehrerin Judith Pfefferli weiss, wovon sie spricht. Sie hat als Anbieterin von «Spielgruppe auf dem Bauernhof» regelmässig kleine Kinder bei sich auf dem Hof und ist mit deren Eltern in regem Kontakt. «Die meisten Leute haben keine Ahnung von der Landwirtschaft», sagt Pfefferli. «Es bringt viel, wenn man sich dessen bewusst ist.» Das beginne beim Verhalten draussen: viele Leute joggen durch die Ökostreifen oder werfen Stöcke für ihren Hund ins hohe Gras. Beim Verhalten fehlten den meisten die einfachsten Grundkenntnisse der Tierhaltung und des Arbeitsaufwands, so Pfefferli.

Man muss die Argumente kennen

«Erst beim Zuhören merkt man, dass die betroffene Person nicht an die Folgen für die Landwirtschaft denkt», sagt sie. Bei einem Gespräch erklärte ihr ein Hundebesitzer, er zahle ja Hundesteuern, also hätten seine Hunde ein Anrecht darauf, frei herumzurennen und nicht immer an der Leine zu sein. Dieses Argument zu kennen war für Judith Pfefferli wichtig. So konnte sie ihm empfehlen, seine Hunde lieber an einer Stelle freilaufen zu lassen, wo sie die jungen Feldlerchen beim Nisten nicht stören würden.

Zuhören ist die beste Grundlage 

«Wenn ich einer Mutter zuhöre, weshalb sie nach Deutschland zum Einkauf geht, kann ich ihr auch besser aufzeigen, welche Gründe der finanzielle Aufpreis bei Schweizer Gemüse und Fleisch hat. Das Zuhören gibt Grundlage für einen offenen Dialog», ist Judith Pfefferli überzeugt. Momentan befindet sich ihr Betrieb in der Umstellung zu Bio. Da sie infolgedessen kein gebeiztes Saatgut mehr verwenden dürfen, mussten Pfefferlis auf dem frisch angesäten Maisfeld 1.5 Kilometer ausserhalb der Bauzone einen Vogelschreck-Apparat aufstellen. Innert kurzer Zeit entstand eine grosse Facebookgruppe mit Hetze gegen Pfefferlis und Meldungen an die Polizei. Einen Tag später kam Judith Pfefferli beim Einkauf mit dem Ersteller der Facebook-Gruppe ins Gespräch.

Der Hetze den Wind aus den Segeln genommen – durch Erklären

Sie hörte ihm zu, als er erzählte weshalb ihn der Vogelschreck so störe. Und er hörte ihr zu, als sie ausführlich erklärte, dass dies die einzige Lösung sei, die Vögel vom Feld fernzuhalten. Pfefferli ermunterte den Mann, bessere Vorschläge zu bringen. Aber solche gab es nicht. Am gleichen Nachmittag zeigte der Mann Verständnis mit einem neuen Eintrag auf der Facebook-Seite. «An der Umstellung auf Bio und den damit verbundenen Konsequenzen hatten weder er noch die Gruppe etwas auszusetzen», sagt die Bäuerin.

Eine umtriebige Frau

Judith Pfefferli führt mit ihrem Ehemann Franz und den beiden Söhnen einen Milchbetrieb in Wangen bei Olten. Auf ihrem Hof bietet sie Bauernhofspielgruppen, Jahreszeiten- und Gartenkurse für Kinder sowie Schule auf dem Bauernhof an. Sie leitet zudem den Zertifikatslehrgang «Bauernhofspielgruppenleiterin» der IG-Spielgruppen Schweiz. Neben zahlreichen Preisen im In- und Ausland wurde Judith Pfefferli 2019 mit dem Agro-Star-Suisse geehrt.
www.lernort-bauernhof.ch 

Die Kleinen haben grosse Fragen

Als Lehrerin und Spielgruppenleiterin ist sich Judith Pfefferli den Umgang mit Kindern gewöhnt. «Für uns kleine Anliegen sind bei Kindern oft die grossen Fragen», sagt sie. Ihnen gut zuzuhören, sei besonders wichtig: «Auf die Fragen, Anliegen und Ängste der Kinder einzugehen, ist das A und O.» Eine offene und ehrliche Kommunikation und das Vorzeigen und Erklären an Beispielen helfe den Kindern, viele neue Dinge ganzheitlich zu verstehen.

Ein Kurs für Mädchen entspricht dem Bedürfnis

Pfefferli geht mühelos auf die Bedürfnisse von Kindern ein. «Beim Jahreszeiten-Kurs habe ich gemerkt, dass die Mädchen sich bereits stark mit Mädchenthemen beschäftigen», sagt die Mutter von vier erwachsenen Kindern. Kurzerhand ging Pfefferli auf diese Bedürfnisse ein und hat einen Mädchen-Kurs entworfen, der Naturkosmetik und gesunde regionale Ernährung als Schwerpunkte beinhaltet. Sie führt ihn bereits im zweiten Jahr mit vielen Teilnehmerinnen durch.

Sich Zeit nehmen lohnt sich

Zuhören ist anstrengend, bringt aber viele Vorteile mit sich. Das Gegenüber fühlt sich zum Beispiel ernst genommen. Wer gut zuhört, kann gut auf die Bedürfnisse des Gegenübers eingehen. So können viele Missverständnisse verhindert werden. «Manchmal braucht es eine halbe Stunde Zeit für ein klärendes Gespräch», sagt Judith Pfefferli. «Danach hat man von nicht-landwirtschaftlichen Leuten wieder mehr Verständnis und Anerkennung für die Arbeit in der Landwirtschaft.» Man müsse sich bei Diskussionen nicht immer einig werden, aber wenn man gut zuhöre, verstehe man die Reaktion des Andern. «Wir denken, dass wir unser Gegenüber kennen. Dabei tickt das Gegenüber oft ganz anders. Das können wir gar nie erfahren, wenn wir nicht richtig zuhören.»

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