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Naturschutz: Hier gibts seltene Vögel statt Maximalertrag im Maisfeld

Landwirt Urs Kaufmann aus Schötz nimmt Rücksicht auf die Kiebitze, die in seinem Maisfeld phänomenale 14 Nester angelegt haben. Den Mehraufwand zum Schutz der seltenen Vögel leistet er gratis, Ertragsminderungen würden aber entschädigt werden.


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Urs Kaufmann muss schon ein wenig seufzen beim Gang über sein Maisfeld im Wauwiler Moos. Die flächigen Nester von Taubnesseln und Franzosenkraut machen ihm keine Freude. «Jetzt wäre eine zweite Spritzung fällig», sagt der Landwirt aus Schötz. Aber das wird er nicht tun. Denn zwischen den knöchelhohen Maispflanzen tummeln sich junge Kiebitze. Etwa die Hälfte von ihnen würde eine Dusche mit Pflanzenschutzmitteln nicht überleben. Im Feld liegen weitere Nester mit Eiern, gut getarnt und nur aus nächster Nähe zu erkennen.

Phänomenale 14 Nester

In der Schweiz gibt es gerade noch 200 brütende Kiebitzpaare (siehe Kasten). Auf der 3,5 Hektaren grossen Parzelle von Urs Kaufmann gefällt es ihnen besonders: Sie haben hier phänomenale 14 Nester angelegt, in der zweiten Märzhälfte, noch bevor der Mais angesät wurde. Während die Elternkiebitze über dem Feld ihre Runden drehen, sinniert der 40-jährige Landwirt: «Wer bin ich denn, dass wegen mir diese Vögel aussterben sollen. Die sind schon viel länger hier als ich.» Er sei kein besonders «Grüner», aber so viel Rücksicht müsse einfach sein.

Nester umfahren und einzäunen lassen

Rücksicht bedeutet, dass beim Güllen, der Unterfussdüngung und dem Säen die Nester sorgfältig umfahren werden. Die Mitarbeitenden der Vogelwarte Sempach dürfen die Gelege mitten im Maisfeld zum Schutz vor Fressräubern mit Weidenetz einzäunen. Vor dem Befahren des Feldes informiert der Bauer die Vogelschützer, damit sie die Zäune temporär entfernen und wenn nötig die Nester abdecken. Und dann eben der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. «Das Unkraut muss ich im Herbst wieder loswerden, bevor ich Gras ansäe», sagt Urs Kaufmann. Aber das sei machbar. Und jetzt schiesse der Mais in die Höhe, die Chancen stünden gut, dass er dem Unkraut davon wachse.

Die Wauwiler Ebene ist fruchtbares Land, Urs Kaufmann hat hier in einem Spitzenjahr schon 265 Dezitonnen Mais pro Hektare geerntet.

Es gibt eine Vergütung

Aber heuer hat der Schutz der Kiebitze Vorrang. Mit der Vogelwarte Sempach hat der Landwirt eine Vereinbarung getroffen. Ein Geschäft macht er nicht damit. Den Mehraufwand leistet er gratis, eine allfällige Ertragsminderung durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel entschädigt die Vogelwarte. Als Referenzwert gelten 220 Dezitonnen. Dazu gibt es im Herbst pro Nest 100 Franken – wenn daraus tatsächlich Vögel geschlüpft sind.

Auf Aufzucht spezialisiert

Die Kiebitze lieben offene Flächen im Frühling, Mais ist eine ideale Kultur für sie, und Urs Kaufmann kann ihnen das bieten. Er produziert auf den 32 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche seines ÖLN-Betriebs Mais, Gerste und Gras. Einen Teil davon verkauft er, den anderen Teil füttert er seinen Rindern. Vor elf Jahren hat er sich auf die Milchviehaufzucht spezialisiert und betreut 140 Tiere von vier Betrieben, dazu kommen 20 Fresser und 2500 Mastpoulets.

Der Bauer bleibt cool

Kiebitze gab es schon immer auf den Parzellen von Familie Kaufmann, aber noch nie so viele wie in diesem Jahr. «Es freut mich, wie schon meinen Vater, wenn die Jungvogelaufzucht gelingt», sagt Urs Kaufmann zu den seltenen Vögeln auf seinem Land. Darüber hinaus hofft er, dass sein Engagement bei der Bevölkerung positiv wahrgenommen wird. Das Negative schaffe es so viel leichter in die Schlagzeilen, verweist er auf die Dauerkritik an der Landwirtschaft. «Da musst du als Bauer cool bleiben und die Menschen in deinem Umfeld aufklären.»

Kiebitze im Wauwiler Moos

Der Kiebitz ist ein seltener Vogel geworden: Er ist vom Aussterben bedroht, nur noch etwas über 200 Paare brüten in der Schweiz. Fast ein Viertel davon tut dies in der Wauwiler Ebene im Kanton Luzern – mit 46 Brutpaaren die grösste Kolonie der Schweiz. Zu verdanken ist dies einem Förderprojekt, das die Schweizerische Vogelwarte seit 2005 in Zusammenarbeit mit den lokalen Landwirt(innen) durchführt.

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