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Mit Diversität gegen Food Waste

Nicolas Seiler bewirtschaftet seit 2016 mit seiner Frau Stefanie das Château des Bois bei Satigny im Kanton Genf. Nebst ihren 30 White Galloway Mutterkühen bauen sie verschiedenste Kulturen an. Ihre Philosophie: Kein Food Waste verursachen.


von lid
Publiziert: 10.08.2019 / 08:29

Nicht nur im eigenen Haushalt, sondern bereits bei der Produktion von Lebensmitteln können Abfälle entstehen. So fallen laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) jedes Jahr 225'000 Tonnen Lebensmittelverluste in Form von Ernterückständen oder Ernteausschüssen in der Landwirtschaft an. Doch es gibt weitere Gründe, wieso Food Waste in der Landwirtschaft entsteht. Zum Beispiel wird Ware, die nicht den Anforderungen des Handels oder den Wünschen der Konsumenten entspricht, aussortiert. Aber auch Transportverluste oder Überproduktion führen zur Verschwendung von Lebensmitteln.

Ein Landwirt braucht also verschiedene Massnahmen, um Food Waste zu vermeiden. Um Ernteausschüsse zu verhindern, braucht er eine gute Beobachtung und gezielte Massnahmen um die Ackerfrüchte zu schützen. Ausserdem sind Abnahmeverträge und geeignete Vermarktungsstrategien von zentraler Bedeutung. Doch nicht zuletzt braucht es auch Konsumenten und Konsumentinnen, welche bereit sind, Ware zu kaufen, die nicht der Handelsnorm entsprechen. Solange letzteres nicht der Fall ist, braucht es auch alternative Lösungen.

Vielfältige Kulturen und gute Organisation

Auf den Feldern rund um das Château des Bois pflanzen Seilers die verschiedensten Kulturen wie Raps, Mais, Weizen oder Kartoffeln. Durch den Anbau der diversen Ackerfrüchte ist der Boden unterschiedlich gefordert und bleibt gesünder. So kann nachhaltig gewirtschaftet werden und der Krankheitsdruck für die einzelnen Kulturen ist tiefer. "Fusskrankheiten wie Halmbruch bei Getreide können sich so nur schlecht ausbreiten und Schaden an den Kulturen anrichten", erklärt Betriebsleiter Nicolas Seiler. Damit gibt es weniger Ernteausfall: Der erste Schritt, um Food Waste zu vermeiden.

Viel wird selbst vermarktet

Als Zweites achten Seilers darauf, dass die Ware nach der Ernte schnell und damit noch frisch bei den Kunden ankommt. Bei der Kartoffelernte beispielsweise meldet der Vertriebspartner am Vorabend die voraussichtliche Liefermenge. Frühmorgens erntet Nicolas Seiler dann die Kartoffeln. "Am Nachmittag verladen wir die Kartoffeln auf den Lastwagen, in der Nacht werden sie gewaschen und am nächsten Morgen liegen die Kartoffeln schon in der Migros", erzählt der Landwirt. Um auf witterungsbedingte Änderungen einzugehen, vermarktet er auch vieles selbst. Da er keinen eigenen Hofladen führt, läuft alles über Telefon. Ein Anruf genügt und Seiler bereitet die gewünschte Ware für den Transport vor. Das erfordert eine gewisse Flexibilität, macht den Alltag aber auch sehr spannend. So können Seilers einerseits flexibel auf die Anforderungen des Grosshandels reagieren, andererseits haben sie auch die Möglichkeit, Produkte, welche zu gross oder zu klein geraten sind, an regionale Kundschaft zu verkaufen.

Trotz der Sorgfalt beim Ackerbau, der vielfältigen Kulturen für die Bodengesundheit und guter Vermarktung ist es nicht immer möglich, die gesamte Ernte zu abzusetzen. Gerade zu kümmerliche oder kleine Kartoffeln haben auf dem Markt wenig Chancen. Einiges können Seilers noch für den Eigengebrauch verwerten, falls dann jedoch immer noch Erntereste übrig sind, bekommen sie tierische Hilfe.

Gute Futterverwerter - White Galloway

White Galloways sind sehr gute Raufutterverwerter. Auch auf extensiven Wiesen kommen sie gut zurecht. Die Tiere brauchen nur Weidegras, Heu oder Silogras. "Durch die extensive Fütterung nehmen die Tiere weniger zu, aber sie entwickeln viel intramuskuläres Fett, was eine gute Fleischqualität bedeutet.", sagt der Landwirt. Daraus lassen Seilers Trocken- und Hackfleisch herstellen, welches sie an Restaurants in der Region liefern. Was sie nicht verkaufen, verwenden sie für den Eigengebrauch.

Das gesamte Futter sowie das Stroh für die Kühe produzieren Seilers auf dem eigenen Betrieb. Somit können sie besser steuern, wie viel die Kühe brauchen und haben keine Überproduktion. Wenn sie doch zu viel Stroh haben, liefern sie es an die Landwirte in der Umgebung.

Die Kühe haben aber noch eine zusätzliche Funktion. Sie sind gute Resteverwerter. Ackerfrüchte wie Kartoffeln, welche Seilers weder verkaufen noch für sich brauchen können, werden den Tieren verfüttert. So kommen die Kühe zu energiereichem Futter und für Seilers ist dies ein guter Weg um auch den letzten Rest der Ernte zu verwerten.

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